Traumreise nach Ostafrika zu gewinnen – 1966 (ein unbeschreibliches Glücksgefühl)


1966. Wir sind einige junge Familie, sind glücklich und zufrieden. Vor zwei Monaten haben wir uns einen Fernseher gekauft. Nach dem Abendessen schalten wir den Fernseher an und schauen gespannt auf den Bildschirm. Über die unendlich erscheinende afrikanische Gras- und Steppenlandschaft galoppieren große Gnu und Zebraherden. Dann erscheint der Titel der Sendung. „Serengeti darf nicht sterben“. Professor Bernhard Grzimek von der Zoologischen Gesellschaft in Frankfurt moderiert diese spannende und faszinierende Sendung. Wir trauen unseren Augen nicht und für uns unvorstellbar sitzt neben Professor Grzimek in Katzenhaltung ein gefleckter „braver“ junger Gepard und schaut fast gelangweilt mit seinen dunkelbraunen Augen in die Fernsehkamera. Die Sendung hält uns gefangen. Wir erleben heute Abend den ganzen Zauber Ostafrikas. Weite unberührte Natur und eine vielfältige Tierwelt. Allem voran den höchsten Berg Afrikas, den schneebedeckten Kilimanjaro, 6000 m über dem Meeresspiegel.

Der Serengeti Nationalpark ist Tansanias (Ostafrika) größtes Wildschutzgebiet und liegt auf einem Hochplateau zwischen dem Gebiet des Ngorogorokraters und der Tansania/Kenia Grenze. Akaziensavannen, Trockensavannen, teils in Steppe übergehend Inselberge und für uns das Wichtigste riesige Gnus, Zebras und Antilopenherden. Wasserböcke, Thomson-Gazellen, Giraffen, Löwen, Leoparden und Geparden.

Professor Grzimek und sein Sohn Michael unternahmen die erste Lufterkundung der Serengeti dessen Ökologie bis dahin noch nicht wissenschaftlich erforscht worden war.

Im Jahr ist 1961 Tanganika (das heutige Tansania) unabhängig geworden und erlebte politische und ökonomische Wirren. Wie mit den meisten Naturschutzgebieten ging es nun auch in dem Serengeti Nationalpark bergab. Mit seiner Sendung möchte Professor Grzimek die Begeisterung und Schönheit dieser Länder dem Menschen nahebringen und dafür braucht er Spenden. Die Spenden Aufrufe werden am Ende der Sendung eingeblendet. Wer kann sich davon noch erinnern?

War es Zufall oder Schicksal? Leo entdeckte ein paar Tage später in einer Fotozeitschrift einen Fotowettbewerb, ausgeschrieben von der FA. Agfa-Gevaert. Titel: „Bitte recht tierfreundlich“. Zu gewinnen sind Fotosafaris für 2 Personen nach Ostafrika, Kenia und Tansania. Außerdem sind 600 große Fotosachpreise und eine wertvolle Monatsprämie zu gewinnen. Der Wettbewerb dauert vom ersten Oktober 1966 bis zum Juni 1967. Jeder Tierfreund, jeder Fotoamateur kann sich daran beteiligen. „Rita, dass muss ich dir noch einmal vorlesen“, fragend schaut mich Leo an. „Safari in Ostafrika!“. „Leo wir haben keine Auslandserfahrung, aber natürlich sind wir wissbegierig, interessiert und neugierig“. Und du möchtest mit mir wirkliche eine Safari in den schönsten Nationalparks der Erde machen? „Rita, dieses Erlebnis die letzten Herden afrikanischer Großtiere in freier Wildbahn zu begegnen wird bestimm ein Höhepunkt dieser Ostafrikareise sein“. Und davon träume ich“. Warum soll man nicht träumen können. Wir fordern deshalb detaillierte Unterlagen zum ausgeschriebenen Fotowettbewerb, bei Agfa-Gevaert in Leverkusen an. Ein ansprechender Faltprospekt aus dem uns eine große Löwenfamilie „bitte recht tierfreundlich“ entgegensieht erhalten wir nach kurzer Zeit. Jetzt geht der Traum erst los.

Der Wettbewerb ist in drei Kategorien eingeteilt. Aus einer vorgegebenen Anzahl von Tieren kann man sechs Tiere Fotografieren oder Filmen. Farbig natürlich! Gruppe 1: sechs Papierbilder, Gruppe 2 sechs gerahmte Dias oder Gruppe 3 ein Schmalfilm von zehn bis fünfzehn mm Länge der Szenen von sechs verschiedenen Tieren enthalten muss. Bewertet wird jede Gruppe. Wir haben echt Lust am Fotowettbewerb teilzunehmen. Lange müssen wir nicht überlegen, womit wir die besten Chancen haben. Wir entscheiden uns für einen Schmalfilm. Mit unserer Bauer Super8 Schmalfilmkamera haben wir schon kleine Familienfilme gedreht. Dann hatten wir eine Idee und schreiben zusammen ein kurzes Drehbuch. Mit May-Britt 8 Jahre alt und Hauptdarstellerin besprechen wir unsere Vorstellungen. Der Titel unseres Films war auch schnell gefunden. Er lautet: „die Belohnung“. Eine große Frage stand aber im Rau. In welchem Tierpark/Zoo finden wir die sechs Tiere aus der vorgegebenen Liste. Nach einem Besuch im Heidelberger Zoo sind wir uns einig, hier drehen wir den Film. Jeder Filmablauf bedarf einen roten Faden. Bei einem Spaziergang durch den Zoo wird unsere Tochter neugierig in das eine oder andere Tiergehege schauen. Für eine „eins“ mit Diktat schenke ich May-Britt zur Belohnung eine Eintrittskarte in den Heidelberger Zoo. Das Wetter zum Filmen ist hervorragend. Mit dem Film wollen wir zeigen, dass es eine Beziehung zwischen Menschen und Tier geben kann. Vorbei an einem künstlich angelegten kleinen See schnattern dicht gedrängt große Flamingos. Kormorane breiten ihre Flügel in der Sonne zum Trocknen aus. May-Britt steht auf einem Bein, lehnt sich gegen einen Baum und schaut auf das Treiben am See mit Pelikan, Enten und anderen Wasservögeln. Ein paar Meter weiter haben wir auch schon unsere nächste Szene gefunden. Drei indische Wasserbüffel mit glänzendem schwarzem Fell liegen friedlich an einem Schlammtümpel. Ihre Kaumuskeln bewegen sich von einer Seite auf die andere. Es sind Wiederkäuer. Unsere Tochter setzt sich auf eine nahe Bank, holt aus ihrem mitgebrachten Körbchen eine Banane heraus, öffnet Sie und versucht die Mundbewegung der Büffel nachzumachen. Alles muss echt aussehen, wir dürfen dabei nicht lachen. May-Britt spielt ihre Rolle ausgezeichnet. Wir schlendern weiter. Eine Löwin hat sich einen sonnigen Platz auf einem Felsen ausgesucht und blinzelt unserer Tochter aufmerksam zu. Zwei junge indische Elefanten vertreiben sich die Langeweile mit einem dicken Knüppel. Zusammen drehen wir noch Szenen mit Kängurus und weiteren Tieren. Alle haben viel Spaß an diesem sonnigen, warmen Tag. Nach dem Schlecken an einem guten Eis haben wir uns bei den Braunbären eine ganz besondere Aufnahme ausgedacht. Leo steht mit der auf dem Stativ festmontierten Kamera ein paar Meter entfernt und wartet auf unser OK. May-Britt und ich schauen in eine Grube, ob sich Braunbären blicken lassen. Es ist leider ein hässliches Gehege für diese starken Tiere. Ein einzelner Bär schaut uns dann traurig an. Unsere Tochter zieht aus dem Körbchen ein Kasperle aus Stoff aus, stülpt sich diesen frech aussehenden Kerl auf die rechte Hand. Ich verziehe mich auf die gegenüberliegende Seite. Der Braunbär schaut gespannt nach oben. Dann ist er irritiert als May-Britt mit dem Kasperlehänden „bitte bitte“ macht. Von Bären kennt man dieses Betteln. Der Bär steht auf seinen Hinterbeinen und macht uns eine Freude. Leo ist begeistert und lobt seine Tochter, die ein gewitztes Lächeln nicht verbergen kann. Es ist die schönste, ausdrucksvollste Szene. Leider darf man die Tiere im Zoo nicht füttern! Ein Stück Würfelzucker wäre unsere Belohnung gewesen. Bei den Schimpansen spielen sich hässliche Szenen ab. Alle Affen halten sich im Außengehege auf. Sie tollen und spielen. Eltern und Kinder haben beim Zuschauen ihre Freude. Plötzlich entsteht Unruhe unter den Affen. Haben sie Streit oder Frust? Zwei Schimpansen sind zornig, ungehalten nehmen eine große Hand voll Erde und kleine Steine und schleudern alles wutentbrannt ins Publikum. Jeder Zuschauer versucht wegzulaufen. Die Schimpansen schreien mit fast menschlicher Stimme hinter uns her. Schade es war ein so wunderschöner, hoffentlich erfolgreicher Filmtag.

In den nächsten Tagen hat Leo den Film selbst entwickelt und nun sitzen wir drei am Schneidetisch und schauen gespannt auf die Aufnahmen. Es ist ein gelungener Film. Bei der Gestaltung unseres Titels zum Film „Die Belohnung“ hat uns Leos Bruder sehr gut beraten. Leo schickt ihn mit einer gewissen Hoffnung und etwas Glück an die Agfa nach Leverkusen. Banges Warten. Erste Woche im September 1967. Wir können es fast nicht glauben als Leo ganz neugierig den Brief von der Fa. Agfa öffnet, ein spannender Moment und ihm zum ersten Preis in der Kategorie Schmalfilm gratuliert. Man kann sich den Jubel und das Glücksgefühl kaum vorstellen. „Auf Rita, unser Traum wird wahr wir fliegen tatsächlich nach Afrika, nach Kenia und Tansania.“ Es wird unsere erste Auslandsreise und erster Flug sein. Fast jeden Abend stellen wir Überlegungen an, diskutieren auch mit May-Britt und wie überbringen wir diese Nachricht unseren Schwiegereltern? Was erwartet uns in dem uns unbekannten Kontinent. Wie verhält und begegnet man sich den Schwarzafrikanern. Was erwarten wir? Sind wir willkommen? Was für Impfungen sind zu überstehen? Fragen über Fragen. Für die Planung und Durchführung der Großwildsafari stehen Service, Erfahrung und Organisation der Touropa in München zur Verfügung. Durch regen Briefwechsel erhalten wir wichtige Informationen über Impfungen, Visabeschaffung und Währung. Ein- und Ausfuhr Tansianischer und kenianischer Währung ist verboten. Fremdwährung kann allerdings unbegrenzt eingeführt werden, müssen aber bei der Einreise deklariert werden. Ganz Ostafrika wird von der Anopheles Mücke, dem Überträger der Malaria gegeißelt, daher nehmen wir vor der Reise das Medikament Resodivir ein. Unsere Fotoausrüstung, ich habe eine Canon mit verschiedenen Brennweiten, Leo möchte Filmen und mit seiner Leica fotografieren, wartet auf den großen Einsatz in den tierreichen Nationalparks in Afrika. Im Allgemeinen ist Englisch die Sprache, in der man sich in Kenia und Tansania gut verständigen kann. Aber auch ein paar Suaheli Wörter festigen die Zwischenmenschlichen Kontakte denke ich und so habe ich einige Wörter auswendig gelernt. Guten Morgen, – Tag-Abend heißt einfach „jambo“, „kawhari“ auf Wiedersehen. „Ahsante“ – danke schön, vielen Dank. „Leo“ – Heute, „Ndiho“ – j, „Hapana“ – Nein und wichtig: „Pole, pole“ – langsam, langsam. Unsere Vorbereitungen machen wirklich Spaß.  Der Abflugs Termin steht jetzt fest. Vom 23.06. – 08.07.1968 freuen wir uns jetzt schon auf eine Erlebnis- und Entdeckerreise. Ein Wechselspiel der Gefühle ergreifen mich doch noch am letzten Abend. Wir unsere Tochter den gestellten Wecker hören, um rechtzeitig zur Schule zu kommen? Die Schwiegereltern haben uns versprochen sich um May-Britt zu kümmern. Zum Mittagessen nach der Schule freut sich die Schwiegermutter ganz besonders auf ihr May-Brittchen. Den ganzen nächsten Tag sind wir nervös. Wir fliegen zum ersten Mal. Haben wir alle wichtigen Papiere eingepackt? Stolz halte ich meinen neuen, glänzenden Reisepass in der Hand. 23.Juni 1968 ist es dann so weit. Wir werden mit einer Düsenmaschine DC8 Jupiterjet der Airline Südflug fliegen. Pünktlich um 17:10 Uhr starten wir vom Frankfurter Flughafen. Ankunftszeit 4:30 in Nairobi, Kenias Hauptstadt. Beim Start habe ich doch ein mulmiges Gefühl im Bauch. Um mich abzulenken schaue ich aus dem kleinen Flugzeugfenster hinaus. Leo drückt mir die Hand und flüstert, „es wird schon alles gut gehen.“ Ein Steward erklärt uns noch über den Gebrauch von Sauerstoffmasken und Schwimmwesten auf. Danach folgt noch das Abendessen.

Langsam werden wir müde, die Augen fallen beim Lesen immer wieder zu. Trotz lautem Düsenlärm versuchen wir es uns in den ungewohnten Sitzen bequem zu machen. Es muss um Mitternacht sein. In der Maschine wird alles Licht Eingeschalten. Was ist denn da los? Leo und ich schauen uns fragend an. Die Stewardessen reichen uns dampfende, kleine Frotteetücher, die wir uns auf das Gesicht zur Entspannung legen sollen. Etwas später erhalten wir einen überreichten Taufschein in den Händen. –Hier wird der Taufschein eingeklebt. — Obwohl wir sehr übermüdet sind. Jetzt sind wir hellwach. Es ist 4:30 Uhr Ortszeit. Die Zeitdifferenz zwischen Ostafrika und Mitteleuropa beträgt eine Stunde. Wir sind in Nairobi Embakasi Airport gut gelandet. Nach den Einreiseformalitäten haben treten wir aus der Halle des Flughafens. Die schwarzen Bediensteten und Taxifahrer haben sich warm eingepackt mit Wollmütze, braunem Wollmantel oder Decke und schauen uns Touristen verschlafen an. Auch wir frieren. Nairobi liegt 1650 m hoch. In Deutschland ist Hochsommer, aber hier in der Nähe des Äquators wird es nachts sehr kalt. Mit „Karibik willkommen“ empfängt uns der Busfahrer, um uns zum Hotel zu fahren. Mit einem klapprigen, grünen Bus, leider sind alle Fenster geöffnet, es riecht nach Rauch, nach Holzkohle, für meine Nase sehr unangenehme Gerüche. Wir fahren durch trostlose Vororte, dann aber werden die Straßen lebendiger, der Morgen bricht an. Das Licht so scheint es mir ist hier klarer und strahlender, die Farben erscheinen kräftiger, Umrisse und Einzelheiten treten deutlicher hervor. Wir nähern uns unserem Hotel, Nairobi Serena an der Kenyatta Avenue. Ein modernes Hotel mit 110 Zimmern in einem tropischen Garten. Eine grüne Oase inmitten der Großstadt. Die Zimmer sind geschmackvoll möbliert, Bad, Dusche, Fön. Hier fühlen wir uns wohl, obwohl unsere Vorstellung von Afrika hier nicht spürbar ist. Außer den schwarzen Bediensteten.

Kenia 1963 – Nach vielen Jahren des Kampfes, nach Uhuru, nach Freiheit feierte am 12. Dezember 1963 Kenia seine Unabhängigkeit. Der neue Präsident Jomo Kanyatta hält vor 250000 im Uhuru Stadion eine flammende Rede. Der Herzog von Edingburough ist auch anwesend „Mitbürger, wir müssen alle schwer mit unseren Händen arbeiten, um uns vor Armut, Ungewissheit und Trockenheit zu schützen“. Nachdem Kenyatta seine eindrucksvollen Sätze über Mäßigkeit und Toleranz gesprochen hatte, machte er eine Pause, breitete dann seine Arme aus und rief: „Harambee!“ „Harambee!“ riefen die Menschen einstimmig mit vereinten Kräften. Alle Menschen erhoben sich von den Plätzen, als die kenianische Militärkapelle sehr feierlich die neue Nationalhymne spielte. Das letzte Bollwerk des britischen Imperialismus, die letzte Kolonie löste sich von dem nicht länger mächtigen britischen Empire und Kenia machte den Schritt in die Neuzeit.

Und das Haben Leo und ich 1968 erleben können. Die Menschen begegneten uns mit Toleranz und Freundlichkeit.

Wir werden schon am ersten Tag verwöhnt. Herrliche Zeiten für Frühstückfans zum traditionsgemäß üppigen englischen Breakfast entdecken wir köstliche, frische Früchte: „Ananas, kleine süße Bananen, Mango, Papayas“.

Der heutige Tag ist ein Erholungstag. Leo und ich machen uns „stadtfein“ und sind neugierig auf eine afrikanische Stadt. Diese Stadt ist noch sehr geprägt von der langen Kolonialzeit der Engländer so unser erster Eindruck. Es gibt keine historische Altstadt. Auf den Straßen fahren wenige Autos. Uns begegneten elegant gekleidete Afrikanerinnen, Männer in Anzügen aber auch Inder mit farbigem Turban und Araber in weißen Gewändern. In einer Seitenstraße entdecken wir eine Aga Khan Moschee. Die Stadt ist sehr sauber, aber auch ein wenig langweilig. Unser Spazierweg führt uns an ausgemergelten Bettlern vorbei. Junge Straßenhändler bieten uns Armreife aus Elefantenhaaren an. Polizisten mit schlechtsitzenden Uniformen langweilen sich. Es geht alles sehr friedlich zu. 1962 zählte Nairobi etwa 265000 Einwohner. Wie viele Menschen werden es in 10 Jahren sein? Darüber darf man gar nicht nachdenken, wir schreiben das Jahr 1968. Auf der Anderen Straßenseite bleibt unser Blick an einem exotisch gekleideten jungen Afrikaner hängen. Leo schaut mich an und sagt: „Ich vermute das könnte ein Massai sein“. Hier in der modernen Hauptstadt mit britischen Hotels und modernen Neubauten? Stolz und hoch aufgerichtet läuft er die Straßen entlang. Schöne bunte Perlen schmücken seine dunkle Haut. Seine langen Zöpfe mit Rinderfett und rotem Ocker bestrichen, baumeln hin und her, die rote „shuko“ die wie eine römische Toga über eine Schulter gebunden, flatterte im leisen Wind, sodass wir seine unglaublich langen, sehnigen Beine sehen konnten. In einer Hand, seinem ganzen Stolz, hält er einen langen Speer. Immer und immer wieder schauen wir diesem exotischen Menschen nach. Ob wir wohl auf unserer Reise durch Kenia und Tansania noch weiteren Massai begegnen werden?

Im City Market in der Munidi Mbinger Street sind wir von dem Angebot der vielen Früchte und dem Gemüse überrascht. „Du Leo, was meinst du, ich möchte mir das schwarze Nashorn, das ich in einem Regal entdecke, kaufen“. Zuhause habe ich in einer Brochüre gelesen, dass die geschnitzten Souvenirs aus Ebenholz sind. Später stellte sich aber heraus, dass auch mein ganzer Stolz aus Ebenholz gefertigt war, daher das schwere Gewicht. Wir sind Afrika Touristen ohne viel Erfahrung. Was uns gefällt, kaufen wir. In der Kaunda Street schlendern wir weiter und entdecken eine interessante Antique Gallery. Die Wände schmücken verschiedene afrikanische Masken. Beim Anblick einer großen Maske mit grausamen Gesichtszügen und langen schwarzen Haaren überkommt mich ein Gruseln. Hier fühlen wir uns so unsicher, so fremd, so abstoßend, dass wir das Geschäft schnell verlassen.

Den Nachmittag verbringen wir in unserem schönen Hotelgarten. Der Jacarandabaum erstreckt sich dem wolkenlosen Himmel entgegen. So üppige Büsche der Bougainvillen haben wir noch nie gesehen. Sie blühten rosa, weiß und gelb in diesem Garten mit dickstämmigen Bäumen. Fächerpalmen flattern im Wind. Rote Kletterrosen wachsen an weißen Mauern empor. Ein Papagei mit blauem und gelbem Gefieder krächzt vom Feigenbaum herunter. Ein Paradis für uns und unsere Kameras.

Es gibt wenige Länder auf der Erde in denen sich die Natur ebenso vielfältig und kontrastreich darbietet wie in Kenia: Von der kargen Wüste im Norden bis zu den weiten Savannen im Süden von den Palmenstränden des Indischen Ozeans bis zu den Ufern des Viktoriasees, dem großen afrikanischen Binnensee. Von den Salzseen des Ostafrikanischen Grabens, bis zum schneebedeckten Gipfeln des Mount Kenya. Wir freuen uns auf die Begegnung mit Natur, Landschaft, Tieren und Menschen. Aber auch auf die Küste zur Erholung und Entspannung.

Heute Morgen beginnt unser Abenteuer „Safari“. Was bedeutet das Wort, weshalb heißt es „Safari“? Safari ist ein Suaheli Wort für „Reise“. Touristen wie wir sind also stets auf Reisen. Wir sind 28 Teilnehmer und frönen alle dem gleichen Hobby, das Fotografieren oder Filmen. Gut gelaunt steigen wir in vier bereitsehende VW-Safaribusse der Fa. Pollmannis Tours. Unser Guide begrüßt uns herzlich. Sein Name ist Narumbe. Im Wagen hat jeder einen Fensterplatz. Bei allen Pirschfahrten können die Dächer der Wagen geöffnet werden. Um uns für die Reise gut vorzubereiten, bekommen wir noch eine Aufstellung des angefahrenen Nationalparks:

-Masai-Amboseli Wildschutzgebiet

-Masai-Mara Wildschutzgebiet

-Serengeti Nationalpark

-Ngorogoro Crater Reservation 

-Lake Manyara Nationalpark

-Tsavo Nationalpark

-Matindi Indischer Ozean zum Relaxen.

1.) Die Freiheit der Wildnis -Masai-Amboseli Wildschutzgebiet                                                                                        

Über den Uhuru Highway verlassen wir Nairobi in südöstlicher Richtung. Wir durchqueren weites, flaches, trockenes Land. Nur wenige Siedlungen nehmen wir wahr. Unterwegs begegnen wir den ersten Massai Hirten und ihre Herden, ab und zu auch Straußen. Strauße sind die größten Vögel auf der Welt und können so schnell wie Rennpferde laufen. Wir erreichen die Grenzstation Namanga. Es ist der Haupteingang des Massai-Amboseli Game Reservarts. In einem Andenkenladen entdecken wir schöne, geschnitzte Arbeiten aus Ebenholz. Ist das wirkliche Ebenholz frage ich den Verkäufer. „Yes Madame“ antwortet er. Zwei Völker haben sich bei der Bearbeitung von Holz besonders hervorgetan, die Kamba und die Makonade Makonde die Schnitzereien sind Originale. Ein kleines, dickes Flusspferd aus rosa-beigen Speckstein weckt meine Aufmerksamkeit und schon landet es in meinem Rucksack. Die Zollformalitäten sind erledigt, wir besteigen wieder den Bus. Leo und ich erstehen eine kleine schöne geschnitzte Antilope. Auf der Weiterfahrt sehen wir nur spärliche Akazienwälder, wenige Hügel unterbrechen die weite Steppe. Die holprige Straße zieht sich streckenweise zu dem ebenfalls meistens ausgetrockneten Lake Amboseli entlang, der dem Revier seinen Namen gegeben hat. Um so faszinierender wirken die häufigen Luftspiegelungen (Fata Morgana), die weiten Wasserflächen vortäuschen. Nach circa 75 km intensiven Staubschluckens, das Wagendach ist geöffnet, erreichen wir unsere Lodge im Amboseli Wildschutzgebiet am Fuße des schneebedeckten Kilimandscharo. Ohne Einzäunung stehen in der weiten Steppe einzelne kleine Holzhäuschen, ausgestattet mit Badewanne und WC. Die Eingangstür ist geteilt. Beim Verlassen des Häuschens soll man vorsichtig erst die erste Tür öffnen und nach allen Seiten Ausschau nach Tieren halten. Wenn „die Luft rein ist“ kann die ganze Tür geöffnet werden. Die Idee finden wir beide super. Zum Mittagessen nehmen wir vorsichtshalber unseren Fotokoffer mit. Es ist später Nachmittag, als die Sonne die Wolkendecke durchbricht und wir den höchsten Berg Afrikas, den Kilimanjaro (5882 m) in seiner ganzen majestätischen Pracht erblicken. Erst jetzt stellt sich ein Gefühl ein, wirklich in Afrika zu sein. Was für ein faszinierender Anblick. Im Reiseführer heißt es: „Diesen Berg schenkte einst Queen Viktoria von England ihrem Neffen, dem deutschen Kaiser Wilhelm I. zum Geburtstag“. 

Bis zum Sonnenuntergang werden wir noch eine Pirschfahrt durch den landschaftlich schönen Amboselipark machen. Der fast planare Park gehört größtenteils dem Landschaftstyp der Grassavanne an. Vulkanische Staubböden, aus denen bizarr abgestorbene Bäume ragen, bestimmen über weite Flächen das Bild. Vereinzelt erblickt man Waldungen aus gelben Akazien und Dickichte aus Phönixpalmen und Dornenbüsche. Eine große Herde Impalas mit ihren in der frühen Abendsonne glänzenden hellbraunen Fell „erwarten“ uns für unsere ersten Aufnahmen. Aus den Augenwinkeln nehmen wir Umrisse und eine Staubwolke wahr: Büffel. Die Tiere galoppieren über die Ebene. Dann bleiben sie abrupt stehen. Die ganze Büffelherde drängt sich zum Rand eines Schlammlochs. Drei Warzenschweine mit herausstehenden Antennen(schwänzen) versuchen sich vor der Dunkelheit in Sicherheit zu bringen. Die Sonne verschwindet hinter den Wolken, die Erde färbt sich zurück in die Lodge. Jetzt sind wir gespannt, auf das Abendessen in der afrikanischen Wildnis. Ruhig und entspannt liegen wir unter einem schützenden Moskitonetz in unseren Betten und sind gespannt, ob wir in unserer ersten Nacht in der Wildnis das grollende Brüllen der Löwen hören, mit dem die jagenden Raubtiere ihren Revieranspruch verkünden. Bei diffuser Beleuchtung unserer Nachttischlampe entdecke ich an der Decke zwei Geckos. „Leo, schau nach oben, wir haben nächtlichen Besuch“. Noch zu Hause habe ich über diese Nachtschwärmer gelesen. Es sind harmlose und nützliche Fliegen- und Mückenvertilger. Trotzdem beschleicht uns ein eigenartiges Gefühl, als sie uns mit ihren großen Augen von der Decke herab betrachten. Werden wir schlafen können. Über unsere Gesichter können sie heute Nacht nicht laufen, denn wir haben die Enden des Moskitonetzes unter unsere Matratzen geschoben. Noch in der Morgendämmerung werden immer auf den Morgen- und Nachmittagsstunden Pirschfahrten unternommen. Im Speisesaal bekommen die Safarigäste noch einen „Early Morning Tea“. Alte englische Tradition. Ach, tut das gut!

In den Morgenstunden geht der Löwe auf Jagd. Hyänen lauern in ihrem Bau auf ein Überbleibsel des Schmauses. Die in hoher Luft kreisenden Geierzeigen, wo die Raubtiere ein Tier erlegt haben. Diese vielversprechenden Sätze erzählt unser lächelnder Guide bevor wir bestückt mit Kamera und Teleobjektiven den kalten Bus besteigen. Die Sonne steht noch sehr niedrig und wirft ein orange/gelbes Licht auf die Ebene. IN der Ferne grasen Impalas und Gazellen. Obwohl mir sehr kalt ist, fühle ich mich frei und lebendig und freue mich auf die wärmenden Strahlen der Sonne, auf die Weite des Landes und die Tiere. Im Morgenwind schaukeln die kunstvoll gebauten Nester zahlreicher Webervögel in den Ästen der Akazien. Dann plötzlich, auf unserer langsamen Fahrt über die Grassteppe, ein imponierender Anblick als eine Gruppe Giraffen vor der schemenhaften Silhouette des Kilimanjaro stehen bleibt. Die Kameramotive erfreuen unser Herz, der Puls schlägt dreimal so schnell. Afrikafeeling. Zebras und Gnus grasen in friedlicher Eintracht dürre Grasflächen ab. Ob wir heute Mittag Löwen sehen werden? Fragend schaue ich Leo an. Unser Guide leiht sich das Fernglas von Leo aus und sucht die Landschaft ab. Simba flüstert er und gibt Gas. Nicht weit entfernt und wir stehen mit unserem Bus vor einer Löwengruppe. So ein friedfertiger, ruhiger Anblick in den Morgenstunden hätte ich mir zu Hause nie vorstellen können. Schläfrig und dösend liegen die Löwen entspannt im hohen Gras. Ihre Mahlzeit in der Nacht war überreichlich gewesen so mein Eindruck.

Die aufsteigende Sonne erwärmt mit ihren Strahlen unsere steifen, kalten Glieder, es wird Zeit zum ausgiebigen Frühstück in der Lodge zurück zu fahren. „Thank you very much Narumbe“.

Nach dem Frühstück – Leo ist schon wieder am Putzen seiner Objektive – unterhalten wir uns über die morgendliche Vorgehensweise mit unseren Schuhen und Kleidungsstücken. Es kann vorkommen, dass es sich nachts Skorpione oder andere Krabbeltiere in den Schuhen gemütlich gemacht haben. Auch in der Badewanne bewegt sich heute so manches unbekanntes Wesen. Mit einem Tempotuch schnappe ich mir diese Besucher und schenke ihnen wieder vor der Haustür ihre Freiheit.

Später am Tag, wenn die Hitze nachlässt, streckt ein Dornenbaum seine knorrigen Äste in den purpurnen Sonnenuntergang. In dieser Zeit gehen wir noch einmal auf Pirschfahrt. Während wir durch die weite Ebene fahren, öffnet sich Afrika und nimmt mich auf und ich habe das Gefühl, dass alle meine Ängste sich beim Anblick der unüberschaubaren Tierherden auflösen. Bei einem Besuch im heimischen Zoo kann man zwar einzelne Giraffen, Zebras oder Antilopen sehen. Aber hier im östlichen Teil des Game Reserve sehen wir große Zebra-/Gnu- und Antilopenherden Wie die Impalas oder auch schwarz Fersen Antilope genannt wird, rötlich- rehbraun mit weißem Bauch charakteristisch sind die schwarzen Streifen hinten auf den weißen Schenkeln. Die ausladend leiergeformten Hörner tragen nur die Männlichen Tiere. Sie sind nur ca. 1 m groß. Diese Impalas habe ich gleich in mein Herz geschlossen und gezittert, wenn sich ein Löwe diesen schönen Tieren genähert hat. Der sodahaltige Boden des Lake Amboseli lockt viele Vögel an. Ganz besonders eindrucksvoll ist uns der Dreifarbenglanzstar mit seinen schwarz-rot-blauen Gefieder aufgefallen und die vielen gelb-grünen Webervögel die aufgeregt zu ihren Nestern in den Akazien fliegen. In der landschaftlich reizvollen Umgebung entdeckt unser Guide unter einem Dornbusch ein Breitmaulnashorn. Es spitzt seine Ohren, da Breitmaulnashörner sehr schlecht sehen können. Es ist das größte der grasenden Weidetiere. Mit seinem breiten Maul kann es dichte Bestände kurzer Gräser abweiden anders als das Spitzmaulnashorn, das mit seiner zugespitzten Lippe die Blätter von den Bäumen abzupfen kann. Unweit von dieser Szenerie spielt eine Horde Paviane und widmet sich der Fellpflege. Einige sitzen auf Termitenhügeln und aalen ihren Körper in den spärlichen Sonnenstrahlen. Auf dem Weg zurück zu unserer Lodge bietet uns Narumbe noch ein Highlight. Wie ein Scherenschnitt hebt sich eine große Elefantenerde vor dem letzten Abendlich am Horizont ab. Auch wenn wir keine Raubtiere gesehen haben, war es eine interessante Spätnachmittagspirsch.

Nach dem köstlichen Abendessen freuen wir uns auf das anschließende Lagerfeuer unter dem sternenklaren Himmel. Am knisternden Feuer ist fast jeder dieser Fotobegeisterten Teilnehmer mit seinen Gedanken bei den Erlebnissen der letzten Stunden. Das Lagerfeuer ist fast verglüht, es ist kalt geworden. In unseren kleinen Häuschen ist jeder mit der afrikanischen Nacht allein und mit ihren Stimmen der nachtaktiven Wildtiere.

Masai – Mara Tierreservat.

Am nächsten Morgen fahren wir in das Masai-Mara-Gebiet. Masai, weil hier in diesem südwestlichen Park Kenyas die stolzen Massai, ein Nilohamiten-Volk, nomadisierende Krieger und Viehherdenbesitzer, beheimatet sind. Mara, weil der Marafluss Lebensader des Parks ist. Es ist das artenreichste Schutzgebiet des Landes. Landschaftlich abwechslungsreich gegliedert mit Weideflächen und baumbestandenen Höhenzügen. Der Park grenzt im Süden an die Serengeti und hat somit teil an den Wildtierwanderungen. Auf dem Weg zu unserer neuen Kerekorok Lodge begegnen mir zum ersten Mal Kudus. Ihre Schulterhöhe beträgt 150 cm. Sie ist eine der größten und stattlichsten Antilopen. Rehbraunes bis graues Fell mit weißen Längstreifen über dem Rücken. Die Männchen haben spitze, wellenförmige gedrehte Hörner. Schöne Tiere. Ihre Hoheit, die Giraffe lässt sich von unserem Safaribus nicht stören. Im Passgang und wie im Zeitlupentempo wandern die zwei Giraffen durch das Buschland. Wir hoffen, dass wir hier und in der Serengeti den „big five“ begegnen werden. (Löwe, Leopard, Elefant, Büffel, Nashorn). Die Keekerok Lodge ist im rustikalen Landhausstil errichtet. Die Zimmer sind einfach, mit einem Hauch afrikanischem Flair eingerichtet. Leo und ich verbringen den Nachmittag mit fotografieren. 

Morgendämmerung über der Savanne der Masai – Mara.

Wir freuen uns auf eine erlebnisreiche Frühpirsch. Beim Näherkommen zu einer Gnu Herde, bleibt diese wie angewurzelt stehen. Es ist nicht unser Safaribus, nein, es nähern sich zwei Löwinnen. Die Fluchtdistanz der Gnus liegt bei ca. 100 Metern Die Löwinnen pirschen sich nochmal näher heran, dann vertreibt der donnernde Hufschlag die Morgen Stille. Wir fahren weiter und erleben „das Ende in der Morgendämmerung“. Gegen den Gepard hat der Gazellen Bock keine Chance gehabt. Im Sprint bringt es der gefleckte Jäger auf eine Geschwindigkeit von über hundert Stundenkilometer. Er hat den Bock durch einen sicheren bis in die Kehle getötet. Die Sonne steig höher, in der Ferne erblicken wir noch eine Großtierherde Impalas und Zebras. Jetzt aber freuen wir uns auf ein gutes Frühstück. Irgendwie sind wir alle sehr ruhig. Für den nüchternen Magen war es wahrscheinlich zu viel Aufregung. Aber das ist Afrika. Afrika, wie wir es und doch alle erhofft und gewünscht haben. Am späten Nachmittag fahren wir erneut in die abwechslungsreiche Servane. Vorbei an unzähligen Zebras, Gnus und Antilopen. Vogel Strauß rennt durch das Gestrüpp und macht einen komischen Ansatz zum Fliegen. Auf dem Rücken der kurzsichtigen Büffel vergnügen sich die Madamhahker. In den Gewässern des Mora-Flusses schnaufen Flusspferde.  Krokodile aalen sich im letzten warmen Licht der fast untergehenden Sonne. Am Wegesrand zu unserer Lodge schreiten die Massai stolz und selbstsicher. Wir bitten unseren Führer, er möchte uns doch die Möglichkeit geben, bei einem Massai Dorf zu halten. Er ist einverstanden. Wir steigen aus. Die Kinder kommen zögernd zu uns. Alle schauen uns freundlich an. Wir sind entzückt, was für einen schönen bunten Perlenschmuck, nicht nur die Krieger, sondern auch die Frauen tragen. Leo verhandelt etwas abseits der Gruppe mit einem wunderschön anzusehenden Krieger um den Kauf eines Massai-Speers. Mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck steht Leo dann mit einem Speer vor mir. Ich frage ihn dann „kann man den Speer auch auseinandernehmen?“ „Ich glaube schon“. Just kommt ein Massai-Krieger und im Nu ist der Speer in zwei Teile. Alle Umstehenden lachen. Etwas zögerlich aber mit ihrer Zustimmung lassen sich die Massai fotografieren. Noch sind sie nicht verdorben und verlangen auch kein Geld für das Fotografieren. Erst abends am Lagerfeuer finden wir Zeit mit unseren Mitreisenden über die aufregenden Stunden mit Tieren und Mensch zu sprechen und zu diskutieren. Kurz vor dem Einschlafen nehmen wir noch das Kichern der Hyänen und das Brüllen der Löwen wahr. Nach dem Frühstück heißt es erneut alles packen, wir verlassen Kenia und fahren über die Grenze nach Tansania.

Eine kurze geschichtliche Zusammenfassung über Tansania

1884. Carl Peters ist der Gründer des Schutzgebietes Deutsch-Ostafrika. Er schließt zahlreiche Einzelverträge mi den Stammeshäuptlingen im Tanganika (heute Tansania) ab, die das ganz Land unter deutschen Einfluss bringen. 1895 wird Kenia britische Kronkolonie. 1914-18, erster Weltkrieg. General von Zettlow-Vorbeck führt einen Kleinkrieg gegen überlegende Streitkräfte der Briten, Belgier und Portugiesen. Die Kolonie Deutsch-Ostafrika wird als Völkerbundsmandat unter britischer Verwaltung gestellt. Wir haben den Krieg verloren und auch die Kolonien. 1961 Unabhängigkeitserklärung Tansanias unter Präsident Julias Myere. In Tansania gibt es mehr als 120 Stammesgruppen. Die beiden Amtssprachen sind wie in Kenia Suaheli und Englisch.

Am Südufer des Sand River beginnt die tansanische Serengeti. Der Name Serengeti stammt aus der Massai Sprache und bedeutet „unendliche Ebene“. Tansania, das ehemalige „Deutschafrika“ ist eines der schönsten und ursprünglichsten Länder Afrikas. Diese Reise vereint die weltberühmten klassischen und klangvollen Namen Serengeti, Ngorongoro Iloater und Manyara Wildschutzgebiete. Der Serengeti Nationalpark 5. Tansanias größtes Wildschutzgebiet und liegt auf einem Hochplateau. Die charakteristischen Landschaftstypen der Serengeti sind die Kurz- und Langgrassteppen im Süden, Akaziensavannen im Zentrum des Parks und leicht bewaldete Hügellandschaften im Norden. Interessant finden wir die „Inselberge“, die hier unter dem südafrikanischen Namen „Kopjes“ bekannt sind. Diese Kopjes sehen aus, als hätte irgendjemand in dieser unendlichen Ebene ein paar Tupfer geben wollen. Diese Kopjes erheben sich völlig isoliert aus der Ebene, Entstehung, durch Verwitterungsvorgänge im Wechsel von Trocken- und Regenzeit erklären wird. Sie sind die Heimat der Springer und Klippschliefer. Springer sind kleine, ca. 60 cm hohe, olivengelb-schwärzlich gesprenkelte, gedrungen gebaute Antilope, gelber bis weiße Unterseite. Besonders kennzeichnend ist das stehen auf den Zehenspitzen. Sehen lustig aus. Die Männchen tragen ein kurzes, grades Gehörn. Fast 500 Vogelarten sind in der Serengeti bestimmt worden, unter denen viele Zugvögel aus Europa sind, die sich hier zwischen Oktober und April aufhalten. Dazu gehören europäischen Störche, Blauracken, Weihen, Kuckucksarten. Das einzigartige an der Serengeti sind die regelmäßigen Wanderungen riesiger Wildherden, vor allem Zebras, Gnus und andere Antilopenarten, die mit dem Beginn der Trockenzeit im Mai/Juni die Steppen und Trockensavannen das Südens verlassen und die wasserreichen Gebiete des Nordens und Westens im Richtung Viktoriainsel aufsuchen. Wir aber sehen auf unserer Fahrt zu unserer Lodge noch eine Anzahl von wilden Tieren. Vorherrschend sind es die Weißbartgnus, es ähnelt zwar dem Rind ist aber eine Antilope. Es ist ein typisches Steppen -und Savannentier. Beide Geschlechter des Gnus tragen Hörner. Oftmals in Nähe halten sich Burchel Zebras, auf „der gestreifte Esel“ auf Suaheli „Punda Milia“ und große Herden von Thompson Gazellen. Unser Fahrer leiht sich nochmals Leos Fernglas aus. „I want to look for Simba (Löwe)”, sagte er zu uns. Ich frage ihn “Mister, woran erkennt man Löwen, wenn sie sich im Gras verstecken? “. „Madame, an zwei großen nebeneinanderliegenden Punkten. Die Spitzen der Löwenohren sind schwarz“. „Thank you Narumbe“. Langsam fahren wir weiter und sehen nun tatsächlich Löwen. Eine sechsköpfige Familie balgt sich in der Sonne und plötzlich steht unser Bus in der Mitte ihres Spielplatzes. Beginnt erst hier das wahre Afrika frage ich mich? Und wo liegt nun der „Pascha?“. Aus einer gewissen Distanz heraus, schaut er gelangweilt seinem Nachwuchs beim Spielen zu. Wenig später donnern die Hufen einer Gnu Herde über die grüne Hochfläche. Ein Breitmaul-Nashorn grast ruhig und friedlich und blickt nur kurz einmal zu uns hinüber. Wir erreichen unsere komfortable Seronera Lodge. Die Inneneinrichtung ist echt afrikanisch. Zebrafelle bedecken den Boden. An einer weißen Wand erblicken wir eine grafische schwarz-weiße Zeichnung von galoppierenden Weissbartgnus. Leo ist so begeistert und hält das Motiv mit seiner Kamera fest. „Weißt du was Rita. Wenn wir zu Hause sind, werde ich meinen Bruder bitten uns diese Zeichnung an unsere Feuerwand zu übertragen. Leos Bruder Rudi ist nämlich Grafiker von Beruf. Nach einer kurzen erfrischenden Dusche ziehe ich mich mit einem Lieblingsbuch „Himmel über Afrika“ in den so afrikanisch eingerichteten Aufenthaltsraum zurück. Das Abendessen in dieser Atmosphäre war hervorragend und wenn dann am Abend die untergehende Sonne das Land in feuriges Rot taucht, sitzen wir am Lagerfeuer, eingehüllt mit einem dicken Schal und lauschen den nächtlichen Stimmen der Wildnis um uns herum. Es ist ein wunderschöner Abend. Bevor wir richtig in den Schlaf fallen, hören wir auf unserem Dach des Bungalows das Schwatzen des nachtaktiven Siebenschläfers. Die kreischenden, streitenden Paviane, die sich tagsüber in den in der näheren Umgebung stehenden Schirmakazien aufhalten, haben es sich für die Nacht in den Bäumen bequem gemacht. Wir können endlich einschlafen.

Ein letztes Mal frühstücken wir in dieser herrlichen Lodge. Schade, dass wir uns immer nur sehr kurz in den Lodges aufhalten. Unser nächstes Tagesziel ist der berühmte und größte Vulkan-Krater der Welt. Der 19 km breite Ngorogoro-Krater ist umringt von hohen Kraterwänden und Wäldern. Seine Weideflächen, Quellen und großen Seen bieten einer erstaunlichen Vielfalt an Tieren einen geeigneten Lebensraum.

Auf dem Weg umkreist uns ein Kampfadler, einer der größten in der Serengeti vorkommender Raubvogel. Am Kopf und Schwingen ist er braun gefiedert und hat auf der Brust schwarze, scharf abgezeichnete Tupfen. Er baut seinen Hort in den Wipfeln der höchsten Bäume. Aber nicht nur die Tierwelt mit den riesigen Herden von Gnus, Zebras und Antilopen auch die Landschaft mit ihren weiten Ebenen und Savannen, die immer wieder von Schirmakazien und meterhohen Termitenhügeln unterbrochen werden, verzaubern uns. Afrika ist wie ein Bilderbuch. ES ist ein unauslöschliches Erlebnis wenn man zum ersten mal die unübersehbaren Herden von Antilopen, Gazellen, Gnus und Zebras in freier Wildbahn beobachten kann und wenn der Boden der Steppe unter ihren galoppierenden Hufen erdröhnt, ja dann können wir die Botschaft von Professor Grzimek verstehen: „Die Serengeti darf nicht sterben“. Vier grazile Giraffen heben sich vom Hintergrund der aufgehenden Sonne ab. Was für ein Fotomotiv! Unsere Augen wandern über die Savanne, als unser Bus plötzlich mit einem fürchterlichen Ruck stehen bleibt. Wir schauen uns alle ängstlich an. Was ist passiert? Unser Fahrer, sonst sehr aufmerksam ist mit dem rechten Rad in ein Erdferkelloch gefahren. „Sorry, sorry“. Seine Augen waren wohl auf das Großwild gerichtet. Aufgeschreckt von den lauten Motorgeräuschen und unseren lauten Stimmen, rast auch noch ein Breitmaul-Nashorn direkt auf unseren Wagen zu. DA wir Safari-Touristen wenig Ahnung haben, was diese Attacke zu bedeuten hat, nehmen wir sofort unsere Sitzplätze ein und harren der kommenden Dinge. Narumbe bleibt ganz cool. Ein Nashorn kann sehr schlecht sehen, dafür hören und tatsächlich bleibt das Nashorn kurz vor unserem Bus stehen. Attacke überstanden. Sollte man sich merken. Bussarde kreisen am Himmel, Geiser lassen sich von den aufsteigenden Winden tragen. Webervögel bauen unentwegt an ihren Nestern in den Dornenbäumen. Zwei männliche Junglöwen dösen vor sich hin und lassen sich durch uns nicht stören. Mittagszeit-Picknick Zeit. Wer austreten möchte, kann auch etwas weiter sich vom Bus entfernen, sollte aber, bevor er sich unter einen Baum setzt oder steht, zuerst in die Äste des Baumes sehen, denn dort halten sich gerne Schlangen auf, wie zum Beispiel die giftige schwarze oder grüne Mamba. Picknick mitten in der Steppe, umgeben von neugierigen Wildtieren und azurblauem Himmel hier kommen Glücksgefühle auf. Wenig später sehen wir einen prächtigen Chuienion Leoparden, als er nur wenige Meter von unserem Bus entfernt durch das hohe Gras schleicht. Wir fahren eine Weile parallel zu ihm als es der stolzen Großkatze zu viel wird und er mit einer Leichtigkeit auf eine gelbstämmige Schirmakazie hinaufklettert und sich auf einer Astgabel gemütlich macht. Der Leopard würdigt uns keines Blickes, sondern schaut gelangweilt in die weite Savanne. Was mir bisher beim Fotografieren noch nicht passiert ist, aber meine Hand zittert, als ich durch den Sucher meiner Kamera blicke. Ich sehe zum ersten Mal auf dieser Safari einen wahrhaften Leoparden. Die Raubkatze ist groß, geschmeidig, kräftig gebaut, das Fell dicht mit zahlreichen schwarzen, rosettenförmigen Flecken. Einzelgänger jagen ausschließlich nachts. Leo fotografiert und fotografiert. Als ich mich dann beruhigt habe, ist mir doch noch ein schönes Foto, allerdings in schwarz-weiß gelungen.

Unsere Safarifahrzeuge kämpfen sich durch das Kraterhochland und jeden Moment muss sich das Panorama des berühmten Kessels öffnen und lässt uns erahnen, dass wir hier die dichteste Tierpopulation der Erde vorfinden. Doch vor der Begegnung mit dem Paradis haben Massai-Hirten ihre Rinderherde gestellt. Es geht nur noch langsam voran. Aber dann stehen wir am Rand des Ngorogoro-Kraters und blicken in sechshundert Meter Tiefe hinab. Die Fahrt geht weiter, dann halten wir auf dem Parkplatz der Ngorogoro Krater Lodge. „Here we are. You can see it is a very nice Lodge.” Dabei zeigt uns Narumbe lächelnd seine weißen Zähne. Eine luxuriöse Lodge. Alle sind begeistert. Mit 105 Betten ist sie die älteste, größte Lodge in Ostafrika. 1937 gebaut und 1963 renoviert mit viel Komfort. Auch Professor Grizmek hat diese Lodge mit ihrer überwältigenden Aussicht in seinem Buch: „Die Serengeti darf nicht sterben“ beschrieben. Vom Speisesaal mit riesigen Fenstern haben wir noch einmal das ganze Panorama des vor Urzeiten in einem gewaltigen Inferno in die Luft geflogenen Vulkankegels. Wir beziehen ein wunderschönes mit viel Holz ausgestattetes Zimmer. Wir beide sind überglücklich. Bis zum Abendessen bleibt noch viel Zeit. Die nutze ich, um ein paar Zeilen nach Hause zu schicken und kaufe malerische Postkarten an der Rezeption frühmorgens auf dem Weg zum Frühstück. Durch die riesige Pfanne des Kraters schwimmt eine Nebelwand. Die Farben verschwinden fast. Durch den Nebelschleier entdecken wir am Kraterboden eine weißgraue Scheibe! Der große Salzsee.

Nach dem ausgiebigen englischen Frühstück beginnt unsere Fahrt mit einmaligen Panoramablicken in den berühmten Krater, der wie ein riesiges natürliches Amphitheater wirkt in dem wir so hat man uns es versichert, die „Big Five“ und viele weitere Tiere zu entdecken gibt. Ein Schotterweg windet sich hinunter zur Kratersohle. Hinunter kommt man dort nur mit einem Geländewagen und in Begleitung bewaffneter Ranger. Hoffentlich ist es unten im Krater etwas wärmer. Die Lodge selbst liegt auf 2000 m Höhe und heute Morgen haben wir echt gefroren. Wir wollen den ganzen Tag in diesem von der UNESCO ernannten Weltkulturerbe verbringen. Das Picknick Lunch mit Blick auf die großen Tierherden wird uns besonders erfreuen. Auf einer kleinen Fläche sollen hier 30.000 Wildtiere leben. Wir werden so hat uns der Ranger versichert, Zebras, Gnus, Gazellen, Elefanten, Nashörner, Löwen, Geparden und Büffel sehen. Im Salzsee tummeln und prusten unzählige Flusspferde oder Nilpferde (warum es wohl „Pferde“ heißt) und viele Pelikane. Wieder ein beeindruckender Anblick einer großen Löwenfamilie, die sich in der wärmenden Sonne wohlig fühlen wie. Ich sehe auch eine Löwin, die im Maul ganz vorsichtig ihr kleines Löwenbaby wieder zur Familie zurück trägt, das einen ersten Spaziergang alleine machen wollte. Zebras löschen ihren morgendlichen Durst in einem kleinen Tümpel. Das Fotografieren der verschiedenen Landschaft macht echt Freude. Vier Giraffen bleiben vor dem nebelverhangenen kleinen Wald stehen und schauen zu uns hinüber. Und dann sehen wir unsere Lieblinge: Cheetahs, 2 Geparden. Langbeinig, superschlank, wie Models auf dem Laufsteg. Eine Tatze vor die nächste setzend – elegant und schön. Das fahlgelbe Fell mit weißer Unterseite ist mit vielen kleinen schwarzen Flecken gesprenkelt. Ich finde, der englische Name „Cheetah“ passt besser zu diesen herrlich anschauenden Tieren als unsere Bezeichnung Geparden. Nach unserem Picknick fahren wir weiter und sehen, wie eine Nashornmutter mit ihrem tollpatschigen niedlichen Baby kommen und kommen zu einer kleinen Massai Siedlung und Zebraherden vorbei. Wir können es fast nicht glauben, in dieser von Wildtieren umgebenden Landschaft leben Massai mit ihren Viehherden. Es ist ein für uns westliche Stadtmenschen unvorstellbar. Die Massai weiden tagsüber ihre Rinder zwischen Löwen, Hyänen, Geparden. Was für ein Einklang zwischen Menschen, Tier und Natur. Zuerst schauen wir uns gegenseitig fremd an, aber nach einiger Zeit und einem „Sapa“ dem traditionellen Gruß der Massai haben sie Zutrauen zu uns. Die Kinder verstecken sich hinter ihren Müttern. Die herrlich anzusehenden Krieger haben auch keine Scheu als ich sie mit ihrem Einverständnis fotografieren darf. Zuhause habe ich mir den Satz „darf ich sie fotografieren“ auf Suaheli eingeprägt was sich bisher sehr gelohnt hat. Eine Massai – Frau zeigt mir das Innere ihrer Hütte. Die Massai sind nomadisierende Viehhirten bauen dort ihre Hütten auf, wo es gute Weideplätze gibt. Es sind mit Kuhhäuten und Tier Mist gebaute längliche niedrige Hütten. Die Kinder tun mir sehr leid, weil ständig große Fliegen um ihre Augen schwirren. Die Massai Frauen haben uns selbstgemachten Perlenschmuck angeboten. Mir haben die großen Halsringe aus bunten Perlen so gut gefallen. Beim Feilschen um den Preis gab es auf beiden Seiten viel Gelächter. Nachts werden ihre Tiere zwischen ihren Wohnhütten in einem mit hohen Dornenhecken umgebenden Verschlag (einem Borma) gebracht, um sie vor den Raubkatzen zu schützen. Wir halten uns lange bei dieser kleinen Massai- Gruppe auf und sagen zum Abschied: Kuarheri „auf Wiedersehen“ auf Suaheli und winken ihnen zu. Viele Stunden fahren wir schon mit unserem Ranger durch diesen traumhaften Krater.

Eine Büffelherde steht ruhig am Rande des großen Salzsees. Die Sonne schickt ihre letzten Strahlen in den Krater als unser Guide uns auf ein besonderes Ereignis aufmerksam macht. Eine Löwin schleicht durch das hohe Gras. Was hat sie vor und warum ist sie allein? Und dann, ich möchte gar nicht hinschauen, hat sie ein Zebrafohlen, das von der Herde etwas abseits grast, angesprungen. Das Zebra wiehert, windet sich, schlägt mit seinen Beinchen. Der Kampf ist beendet. Die Löwin atmet schwer, sieht sich um keine Neider in Sicht. Keine Geier kreisen in der Luft, nur wir „Safarihungrigen“ schauen zu. Mit diesem aufregenden Erlebnis fahren wir in der Dämmerung die steilen Kraterwände hinauf zu unserer herrlichen Lodge. Ich werde wohl heute Abend kein Fleisch essen. Ich hoffe, dass ich mich unter dem Moskitonetz heute Nacht geborgen fühle und von den freundlichen Massai und den Wildtieren träumen werde.

Am nächsten Morgen nach dem ausgiebigen Frühstück genießen wir zum Abschied noch einmal den spektakulären Anblick in den berühmten Krater und fahren weiter zum landschaftlich reizvollen Lake Manyara Nationalpark. Es soll einer der schönsten und abwechslungsreichsten Nationalparks in Tansania sein. Eine Vielfalt an Flora und Fauna auf kleinstem Raum erwartet uns. Es ist ein Salzsee-, Sumpf- und Regenwaldgebiet. Als wir durch das Gate fahren begrüßt uns ein großes Holzschild mit der Anschrift: „Herzlich Willkommen“. Unsere Lodge das Lake Manyora Hotel, liegt genau am Rand des ostafrikanischen Grabenbruchs. Von hier oben haben wir einen weiten Blick in das Rift Valley und auf den Lake Manyora. Im Garten blühen herrlich duftende exotische Blumen. Wir beziehen unser großes Zimmer mit einer breiten Fensterfront. Vom Balkon sind die an den Bäumen hängenden Zitronen fast greifbar. Mittags gönnen wir uns eine Ruhepause und bestaunen den wunderschönen Hotelgarten. Bevor wir nachmittags auf Pirschfahrt gehen, stärken wir uns mit einem kleinen Imbiss und kühlen Drink im Hotel.

Voller Erwartung steigen wir etwas später in die Safaribusse. Am sumpfigen Ufer des salzigen Lake Manyora tummeln sich Wasservögel wie Zwergflamingos, Pelikane und Kormorane. Wir dürfen den Wagen verlassen. Ich entdecke tatsächlich am seichten Ufer Löwenspuren und muss diese sofort mit meiner Kamera festhalten. Angst? Ja, ein wenig. Kleine Vögel mit dünnen roten Beinchen und rotem Schnabel wecken meine Neugier. Ich muss fast auf dem Bauch liegen, um mit meinem Teleobjektiv diese hübschen Vögel festzuhalten. Wir durchqueren einen Waldgürtel und halten Ausschau nach Affen verschiedener Gattungen und meinen Lieblingen, den Elefanten, die fast gespenstisch in diesem dichten Wald umhertrotten. Vor den kleinen flinken grünen Meerkatzenäffchen müssen wir uns in Acht nehmen, warnt unser Guide, denn plötzlich schreit eine Frau laut auf und fuchtelt mit ihren Armen aufgeregt in einem nebenstehenden Bus. Eine Meerkatze ist in den oben offenen Safaribus gesprungen, um wohl einen Leckerbissen zu erhaschen. Da er nichts bekam und die Frau sich so erschreckt hat, hat der Affe in die Sehne ihrer Ferse gebissen. Mit einem Sprung aus dem Wagen machte sich dieser Bösewicht davon. Wir fahren langsam an alten Akazienbäumen vorbei mit weit ausgestreckten Ästen. Unsere Augen wollen es fast nicht wahrhaben. Auf den Ästen dösen mit geschlossenen Augen und herunterhängenden Beinen „Simbas“, Löwen. Unser Guide lächelt und erklärt uns, nachdem die Auslöser unserer Kameras endlich still sind, warum die Löwen in den Mittags- und Nachmittagsstunden auf die Bäume klettern. Um die Mittagszeit flimmert die Hitze, die Moskitos schwärmen aus. Dem Simba gefällt das Strecken dieser Plagegeister überhaupt nicht und macht es sich in den Ästen der Akazien gemütlich. So „königlich“ empfand ich diese Stellung allerdings nicht. Dank riesiger Pranken, mächtigen Fängen, unfehlbaren Katzenaugen und wahrer Muskelmasse war es einst leicht zum König gekrönt zu werden. Auf dem Weg zum Hotel begegnen uns noch zwei Breitmaulnashörner, wahrlich urige Tiere. Zwei mächtige Büffel auf ihrem Rücken picken Madenhacker die kleinen Plagegeister aus ihrem Fell, stehen andächtig im Wasser des Salzsees im herrlichen Sonnenuntergang. Wir freuen uns auf das Dinner in gemütlicher Runde vielleicht mit einem saftigen Kudu Steak.

Ein unvergesslicher traumhafter Sonnenaufgang weckt uns am nächsten Morgen. Leider haben wir beide schlecht geschlafen, weil in der ganzen Nacht ein Generator im Garten mit sehr lauten Motorgeräuschen gerattert hat.

Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg zum Tsavo Nationalpark. Es ist der letzte Nationalpark auf unserer spannenden, faszinierenden Safari. Auf der morgendlichen Fahrt durch den Park, schaue ich gespannt aus dem Fenster unseres Busses und vor meinen Augen taucht langsam ein Büffel aus einem kleinen Suhlpool auf über und über mit grünen Schlingpflanzen behängt. Was für ein traumhaftes Motiv. Leider hat Narumbe nur einen nochmaligen Blick für die ruhenden Löwen. Das wäre der „Schluss“ gewesen. Zwischen den langen Halmen am großen Salzsee erspähen wir einen Vogel, der mir ganz besonders vertraut ist: Ein weiß – schwarzer Storch stakst mit seinen langen Beinen durch den Schilfsumpf. Dieser Storch wird schon bald wieder den Weg in seine zweite Heimat antreten und zurück nach Europa fliegen, wo er die wärmeren Sommermonate verbringt. Im Luisenpark werde ich ihn dann begrüßen. In der grasbewachsenen Schwemmebene sehen wir eine sehr große Büffelherde. Die afrikanischen Büffel sind imposante Tiere mit gewaltigen, nach oben gebogenen Hörnern. Die Männchen können bis zu 900 kg wiegen und sind oft aggressiv. Mehr Menschen sind durch sie getötet worden als durch Löwen. Wir haben immer Abstand mit unseren Fahrzeugen gehalten. Langsam nähern wir uns dem Tsavo Nationalpark. Er ist einer der ältesten Nationalparks Kenias und zeichnet sich durch landschaftliche Vielgestaltigkeit aus. Berühmt ist er wegen der großen Population von Elefanten. Die sind inzwischen neben den „Cheetahs“ (Geparden) zu meinen Lieblingen geworden. Es ist fast Mittagszeit geworden als wir endlich unsere letzte Lodge erreichen. Schnell beziehen wir unsere Zimmer in dieser rustikalen mit viel Holz eingerichteten Safari Lodge. Nach einem Rundgang durch die schöne Anlage und einem Drink an der Bar und einem Drink an der Bar (Schweppes Bitter Lemon mit Chinin, es ist unser Lieblingsgetränk in Afrika geworden), entdecken wir eine künstlich angelegte mit Tränke mit Flutlichtanlage. Von einem überdachten, geschützten Platz kommt eine Elenantilope ganz vorsichtig um sich schauend an das Wasserloch. Am Tag fühlt sie sich hier wohler, etwas sicherer vor Raubkatzen in der Dämmerung. Die Elenantilope ist die größte Antilope. Ihr Aussehen ähnelt einem Rind: schwerer Körper, gedrungener Hals, kleiner Kopf mit geraden, nach hinten verlaufenden, schraubenförmig gedrehten Hörnern. Hellbraunes Fell, die dürftige Mähne ist schwarz. Über den Rücken laufen einzelne, fingerbreite weiße Streifen in Richtung der Rippen zum Bauch. Diese Antilope, die wir hier beim Trinken beobachten muss ein alter Bulle sein. Elenantilopen leben eigentlich in kleinen Rudeln, die aus einem Bullen und mehreren Kühen bestehen.

Das Licht wird fahler. In der Ferne hören wir laut schreiender Affen und das Kichern der Hyänen. Wir besteigen in unsere Fahrzeuge und fahren durch die abwechslungsreiche Landschaft. Blaue Berge, grüne Grasflächen, unterbrochen von kleinen Seen. Ab und zu sehen wir einen Baobab- Baum (auf Deutsch ein Leberwurstbaum), eine Euphorbeiantilopenart. Leberwurst, weil dicke braune lange Früchte von den Ästen hängen. Viele schattenspendende Akazien. Auch die gelbstämmige Fieberakazie. Diese Akazie hat ihren Namen von früheren Naturforschern erhalten, weil sie glaubten, wenn man unter dieser Akazie rastet, Malaria bekommt. Was aber nicht bewiesen ist. Dies hier lebenden Löwen finden ein reiches Angebot. Kudus, Büffel, Zebras, Weißbartgnus. Ein Dik-Dik, die kleinste Antilope, schaut uns mit ihren dunkelblauen, großen Augen ängstlich an. Das Dik-Dik erinnert mich sehr an ein kleines Rehkitz bei uns zu Hause. Eine gestreifte Gnisterkatze läuft eine Weile neben unserem Fahrzeug her. Dann aber steht, nicht weit entfernt von uns eine große Elefanten Herde „rote Elefanten!“. Narumbe klärt „das Geheimnis“ auf. Die roten Elefanten sind keine besondere Spezies, sondern normale Dickhäuter, die sich gerne im rötlichen Schlamm der Wasserlöcher suhlen. Es sind, so scheint mir, sehr große Tiere zu sein. Manche haben ungewöhnlich lange Stoßzähne. Hoffentlich werden diese Prachtexemplare gut vor Wildern geschützt. Obwohl es ein prächtiger Anblick ist, scheint etwas nicht mit ihnen zu stimmen. Denn als wir weiter durch die Landschaft fahren, sehen wir erst einen zweiten Elefanten, wie er eine Einzelstehende prächtige Akazie mutwillig traktiert. Zuerst mit dem Kopf und dann stemmen sie sich mit dem ganzen Körper gegen den Baumstamm bis dieser schließlich sein Gleichgewicht verliert und die Akazie mit ihren Wurzeln der Erde umkippt. Die Elefanten sehen sich noch eine Weile ihr zerstörtes Werk an und gehen dann ihrer Wege. Sie fressen nicht einmal die kleinen, grünen Blätter ab. Liebe Elefanten, sage ich leise, ihr zerstört Euren eigenen Lebensraum. Ist es Frustration? Sind es zu viele Elefanten? In Kenia herrscht Jagdverbot. Nach dieser aufregenden und erlebnisreichen Safari freuen wir uns auf das Abendessen. Bald wird das Gezirpe der Grillen, die Dämmerung begleiten und eine samtene Dunkelheit senkt sich herab. Wir sitzen ganz still und gut eingepackt unter einem schützenden Dach mit spannendem Blick auf das angestrahlte Wasserloch. Noch ist kein Tier zu sehen, aber wir nehmen das Kichern der Hyänen, das Brüllen der Löwen wahr. Nach einer Weile kracht und knackt es. Eine Spitzmaulnashornkuh mit ihrem Kalb kommt aus dem Busch. Beide bleiben kurz vor dem Wasserloch stehen. Da Nashörner kurzsichtig sind, riecht die Mutter wohl eher das Wasser. Nach und nach gesellen sich noch sechs Elefanten mit ihrem Nachwuchs dazu. Die kleinen haben ihren Spaß in seichtem Wasser und wälzen sich hin und her. Ganz kurz erscheinen noch Kudus. Am Wasserloch herrscht trotz der vielen Tiere eine gespenstische eine gespenstische Ruhe. Natürlich kommen auch die Raubkatzen zu dieser Tränke aber sie halten sich in dieser Nacht zurück. Es wird Zeit schlafen zu gehen, denn morgen Vormittag wollen wir an den Galanafluss fahren und nach Krokodilen Ausschau halten. Nachmittags wird es dann Richtung Malindi an den Indischen Ozean gehen. Nächster Morgen, die Sonne scheint schon warm vom blauen afrikanischen Himmel. Wir fahren in eine völlig andere Welt. Vor Millionen Jahren haben hier im Tsavo riesige vulkanische Eruptionen stattgefunden. Geologisch interessant sind die Chyulu Hills nordwestlich und das Yalla Plateau entlang der Ostseite des Athi-Flusses. In diesem vulkanischen Gebiet mit riesigen Lavafeldern haben wir uns nach kleinen bizarr aussehenden Lavastücken gebückt, um sie als Andenken mit nach Hause zu nehmen. Wenn wir mehr Zeit gehabt hätten könnte man hier auch sehr viele verschiedene Mineralien entdecken. Die Fahrt geht weiter zu den Mzenia Sprungs und zum Galanafluss. Der immer wieder kommende Regen hat im Laufe der vielen Jahre in der relativ neuen Lavaschicht tiefe Rillen geschaffen, die immer tiefer und breiter geworden sind. So entstand hier mit kristallklarem Wasser die „Mzumia Springs“. Wir steigen ein paar in das Vulkangestein gelassene Stufen hinab und stehen überraschend vor der Unterwasserglaskanzel. Hippos/Flusspferde haben sich diesen Platz zuerst ausgesucht, dann kamen tropenfische vom Glanafluss, weil die Rinnen sich bis zum Fluss durchgearbeitet haben. Hippos unter Wasser anzuschauen „Nase and Nase“ zu fotografieren ist ein Erlebnis. Jetzt kommt noch ein Höhepunkt, verspricht uns unser Guide. Im westlichen Teil des Ostparks plätschern die Wasser des Galana-Rivers über steiniges Geröll. Vier Krokodile sitzen am Ufer und blinzeln in die Sonne. Als unser Fahrer noch etwas näher heranfährt, tauchen sofort zwei Krokodile unter Wasser. Aus dem sicheren Safaribus fühlt man sich vor den gefährlichen Angriffen dieser Panzerechsen sicherer. Bewundernswerte Geschöpfe, finde ich. Noch aus Urzeiten stammende Tiere, so scheint es. Ich glaube, Afrika hat uns beide gepackt! Heute Abend müssen wir leider Abschied von unseren inzwischen liebgewonnenen Tieren nehmen. Sie werde uns und unsere Träume, weiterhin begleiten, so hoffe ich. Zum Abschluss unserer großartigen, unvergesslichen Erlebnisse haben wir noch Lust auf einen „Sun-downer“ an der Bar unserer schönen Unterkunft und schauen noch zum letzten Mal gebannt auf die „Flutlichtanlage“.

Heute nach Sonnenaufgang frühstücken wir ausgiebig, um auf unserer Fahrt durch den Tsavo Neet Park nach Malindi den Tieren noch einmal auf Augenhöhe begegnen zu können. Vorbei an Zebraherden, Geier warten mit wachem Auge auf eine ausgiebige Mahlzeit oder auch nur Reste einer nächtlichen Beute der Raubtiere.

Malindi:

Jetzt aber freuen wir uns auf die schönsten Strände Ostafrikas. Wir werden in den Tag hineinträumen, in dem warmen, türkisfarbenen Wasser des indischen Ozeans baden, schwimmen oder Strandspaziergänge unternehmen. Unser Hotel „Eden Rock“ direkt am Meer gelegen macht einen guten Eindruck. Es handelt sich um schöne gepflegte Anlage mit vielen exotischen Blumen und Planzen darunter Bougainville, Rosen und Tanarisken in vielen Farbschattierungen.  Die Blätter der großen Fächerpalmen wiegen sich in der Meeresbrise. Die Luft ist so erfrischend. Ich kann es gar nicht abwarten in den indischen Ozean hineinzulaufen und den Fischen guten Tag zu sagen. Im Garten ist auch ein Swimmingpool mit vielen Liegen vorhanden. Von unserem Zimmer mit Balkon blicken wir in den wunderschönen Palmengarten und auf das türkisfarben schimmernde Meer. Eine Woche Relaxen und Entspannen von der doch manchmal anstrengenden Safari, dass ist sehr erfrischend. Ein erfrischender Hauch vom Meer her erfasst abends die Küste. Wir nehmen das Rauschen der Wellen und die Stimmen des Windes wahr. Bequem sitzen wir auf der überdachten Terrasse und warten gespannt auf unser Abendessen. Eine männliche Bedienung teilt die Speisen aus. Heinz, der Spaßvogel an unserem Tisch hebt die rechte Hand und sagt zu dem Kenianer genug, genug. Am nächsten Abend der freundliche Afrikaner, sieht Heinz an, legt ihm ein Stück Fleisch auf den Teller und sagt lächelnd. Genugo, genugo? Alles lacht. So ging es an den nächsten Abenden mit „Genugo“ weiter. Nach dem Essen sitzen wir noch plaudernd am Tisch, als alle hochschrecken. Ein großer Hirschkäfer mit kräftigen Zangen ist vom Licht angelockt und landet prompt auf unserem Tisch. Alle Augen starren auf dieses Prachtexemplar. Dann hat Heinz eine Idee. „Jetzt bin ich gespannt, was der Käfer macht“, sagte er kurz, nimmt vom Tisch den schwarzen Glasaschenbecher und stülpt diesen über den Hirschkäfer. Im Moment war der Käfer verdutzt, besinnt sich dann seiner Kräfte und läuft mit dem Aschenbecher weiter auf der Tischplatte herum. Erstaunte Gesichter rundherum. „Ach lieber Käfer, ich gebe dir deine Freiheit wieder“, sprach Heinz. Er befreit ihn von seiner Last. Das Prachtexemplar Nach dem Frühstück auf der Terrasse möchte ich noch ein paar Runden im Swimmingpool drehen. Leo will seine und meine Kamera nebst Zubehör gründlich vom Safaristaub putzen. Heinz, unser Spaßvogel aus der Gruppe erblickt mich am Pool, schaut mich an. „Oh, Madame Jans‘ in yellow“ ich schaue ihn lächelnd an und antwortete: „Yellow for the sun of africa“. Angenehme Plaudereien am Morgen. Für den Strandurlaub habe ich mir einen kurzen, gelben Frotteebademantel selbst genäht. Es kann heute ein schöner Tag werden. Etwas später spazieren Leo und ich hinunter an den breiten, weißen Sandstrand. Leo ist schon wieder am Fotografieren, weil er am Strand große Korallenstöcke entdeckt hat. Ich habe allerdings schon ein anderes Motiv entdeckt. Ein junger Afrikaner hat auf dem Strand verschiedene Muscheln ausgebreitet. Auch eine kleine nachgebaute Dhau entdecke ich. Eine Muschel gefällt mir besonders gut und ich frage ihn „how much is this?“ Er versteht leider kein Englisch.  Dann zeigt er mir mit den Fingern den gewünschten Preis. Ich bin mit dem Preis nicht einverstanden, also handeln wir weiter und lachen noch dabei. Wir werden uns nicht einig und so lege ich die Muschel wieder zurück. Leo sucht mich und entdeckt mich bei dem jungen Afrikaner. Ich erzähle ihm, dass ich gerne eine schöne Muschel von diesem jungen Mann gekauft hätte, aber dieser verlangt einen zu hohen Preis und versteht kein Englisch. Leo schaut den Afrikaner an, der ein wenig traurig ist. Er nimmt die Muschel, betrachtet sie von allen Seiten und fängt zu feilschen an. Sie lachen beide und Leo kauft die Muschel und darf den jungen Afrikaner auch noch fotografieren. Ich stehe etwas abseits und schaue auf die anrollenden Wellen. Leo stellt sich zu mir und legt die Muschel in meine Hand. Auf einmal habe ich ein sehr schlechtes Gewissen, bedanke mich aber mit einem Kuss. Ich muss noch viel lernen.

Draußen auf dem Meer lenken Fischer an den Korallenriffen ihre pittoresken „Dhaus“ (arabische Segelschiffe) durch die Wellen. Die typischen dreieckigen, weißen Segel wirken wie Kleckse in dem tiefblauen Himmel. Am Strand beugen sich die Palmen im Wind. Morgen werde ich im Atlantik schwimmen gehen. Die Sonne steht schon hoch am Horizont, es wird Zeit, um uns im Hotel ein wenig Abkühlung mit einem exotischen Drink zu suchen.

Es ist Nachmittag, wir wollen uns die Altstadt von Malindi anschauen und nach geschmackvollen, geschnitzten Holzfiguren suchen. Portugiesen haben diesen Ort vor Jahrhunderten gegründet. An der Küste steht noch ein Steinkreuz, dass sich der Entdecker Vaseo da gama 1498 hier errichten ließ. Unter dem Sultan von Sansibar hat dann die Stadt eine Blütezeit erlebt. Heute ist dieser kleine Ort ein verschlafener Touristenort mit mehreren Hotels. Von der Altstadt ist fast nichts mehr vorhanden, außer einer Moschee. Die Bevölkerung ist sehr gemischt. Neben den Arabern leben hier die kleinwüchsigen Geriamas. Die Frauen tragen oftmals farbige Umschlagtücher, die Kikois heißen. Die Souvenirhändler sind fast nur Araber. Schmunzelnd stehen wir vor einem kleinen Geschäft mit Andenken und anderem. Über der Eingangstür hängt ein Schild: „billiger Jakob-Neckerman“. Wir treten ein und schauen uns neugierig um. Nach einer Weile kommen wir mit dem Besitzer ins Gespräch. Er möchte wissen, woher wir kommen und dann stellt er Leo eine Frage: „Wie viele Kinder hast du?“ Leo antwortet: „Eine Tochter“. Der Araber lacht „nur ein Kind? Du mir geben deine Frau, ich machen viele Kinder. Ich habe viele Kinder.“ Leo und ich sehen uns an und ziehen uns vor uns zu verabschieden. Wir haben nichts gekauft.

Das Abendessen auf der Terrasse bei einer kühlen Meeresbrise war wieder sehr geschmackvoll. Ein Gespräch mit unseren Mitreisenden wird plötzlich unterbrochen. Aus der Dunkelheit tauchen mehrere Kinder auf und betreten ganz diszipliniert die Terrasse. Es ist eine Schulklasse mit ihrer Lehrerin. Zuerst hören wir afrikanische Lieder, dann zu unserer Überraschung sogar zwei bekannte, deutsche Lieder. Der Beifall war ihnen sicher. Ein schöner Tagesausklang.

Nächster Morgen. Nach dem Frühstück laufe ich durch den gepflegten Garten über den Strand und freue mich auf das Schwimmen in diesem klaren, türkisblauen Wasser. Bunte kleine Fische begleiten mich. Ich liebe dieses „Feeling“. In Shorts und T-Shirts ohne Kamera, aber mit einer Trillerpfeife in der Hand schlendern wir beide am leeren, endlosen feinen Sandstrand entlang. Die Trillerpfeife ist ein Touropa-Vorschlag für einen eventuellen Überfall von jungen Männern. Weit draußen vor dem Riff sehen wir die Fischerboote, hören das Wellenrauschen und genießen die Stille um uns herum. Plötzlich, wie aus heiterem Himmel platscht der Regen über unsere Köpfe und nackte Beine. Nichts Adäquates zum Unterstellen in der Nähe. Zurück zum Hotel ist es viel zu weit. Dann sehe ich durch den Regenvorhang einen großen Jeep am Strand stehen. „Ich glaube Leo, das ist vielleicht unsere Rettung“, sage ich. Beim Näherkommen erblicken wir einen älteren, weißen Herrn am Lenkrad. Um uns ein wenig vor Wind und Regen zu schützen, stellen wir uns an den Wagen, ohne zu wissen, wer sich im Fahrzeug befindet. Nach einer Weile öffnet ein junger Mann die Tür und bittet uns auf Englisch in den Wagen zu steigen. Ohne lange zu überlegen folgen wir ihm. Dieser englische Jeep hat nur an der Längsseite rechts und links Sitzplätze. Der junge Engländer, wir nehmen an, dass er Engländer ist, bittet uns Platz zu nehmen. Uns gegenüber sitzen seine Eltern und seine Großmutter und beäugen uns argwöhnisch. Kein Hallo oder Ähnliches. Es knistert irgendwie. Um dieses unangenehme Schweigen zu beenden, bedanke ich mich auf Englisch, dass wir hier sitzen dürfen und berichte, dass wir deutsche Touristen sind und hier in Malindi im Hotel „Eden Rock“ wohnen. Der junge Mann spricht noch ein paar Sätze mit uns. Dann sind wir endlich froh, dass der Regen aufgehört hat, steigen aus dem Jeep und sagen noch einmal höflich „Thank you for your help!“ Draußen atmen wir beide tief durch. Wir schreiben das Jahr 1968, die ältere Generation von Engländern kann uns den Angriffskrieg auf ihr Land noch immer nicht verzeihen. Die Hoffnung liegt in der Jugend. Am nächsten Tag, unserem letzten Tag in Afrika, sehen wir zu unserer Überraschung den jungen, freundlichen Engländer bei uns am Swimmingpool. Lächelnd grüßen wir uns beim Vorübergehen.

Mit vielen wunderschönen Erinnerungen und Erlebnissen in Afrika müssen wir heute Abschied, auch von lieben Menschen, nehmen. Von Mombasa fliegen wir zurück nach Frankfurt. May-Britt und die Schwiegereltern sind glücklich uns in die Arme zu schließen. Wir sind mit vielen neuen Eindrücken aus Afrika zurückgekehrt. Unser Traum von Afrika ist wahr geworden. Während der ersten Wochen nach unserer Rückkehr aus Afrika hatte ich größte Mühe noch etwas als Wirklichkeit anzusehen. Das Kreuz des Südens stand noch eine kurze Weile sichtbar da, wie eine Leuchtspur in Himmels Höhen.  Langsam, ganz langsam verblasste es und verschwand. Die Landschaften, Tiere und Menschen erscheinen aber weiter in meinen nächtlichen Träumen.

Danken möchten wir beide an die Fa. Agfa sagen, die uns auf dieser sehr gut organisierten Safari einen faszinierenden, unauslöschlichen Einblick in die Tierwelt Ostafrikas ermöglicht hat.