Südamerika


Ein Traum wird wahr – Unsere Reise durch die Andenländer Peru und Bolivien 1980

Peru: Indios, Mythen, Amazonas-Urwald

1980 eine traumhafte Reise zu den lateinamerikanischen Ländern Peru und Bolivien. Reisen und wandern, wo die Welt am schönsten ist. Eigentlich waren unsere Reisen nach Asien und Afrika nicht nur schön, sondern auch interessant und erlebnisreich. Es ist Abend, Leo hat sich in sein Arbeitszimmer zurückgezogen, um weiter an einem historischen Modellschiff zu arbeiten. Ich schalte den Fernseher an und spitze meine Ohren. Ein Reporter berichtet über seine Reise in das ehemalige Inkareich Peru. Da ich von der Sendung so begeistert bin rufe ich: „Leo, komm doch bitte“. Zusammen schauen wir uns aufmerksam und interessiert die Reportage zu Ende an. Mein langersehnter Wunsch einmal im Leben die Inkastadt „Maccu Picchu“ zu sehen wurde durch die Sendung wieder geweckt. Peru: Wüste, Hochgebirge, Regenwald – Peru ist ein Land voller Gegensätze. Die Eis-Gipfel der Kordilleren und Anden mit dem Ufer des stillen Ozeans auf der einen Seite und dem Regenwald des Amazonas auf der anderen Seite. Lamas in den Hochanden oder Kalmane in Regenwald. So reichhaltig wie die Flora und Fauna sind die historischen Hinterlassenschaften. Weltkulturerbe aus dem Prä-Inka und Inkazeit und die Bauwerke, die an das Eindringen der Spanier in 16. Jahrhundert erinnern. Und für uns so einmalig versteckt im Bergwald, die archäologische Stätte „Machu Picchu“.

Zwei Tage später frage ich Leo ganz zaghaft „Was meinst du, sollen wir uns unseren Traum erfüllen? Vielleicht hilft es uns den Tod deines Vaters und meines Schwiegervaters, den ich sehr gerne mochte, auf so einer langen Reise zu verarbeiten. Unser Vater ist leider im Februar 1980 an einem Schlaganfall verstorben.

„Jetzt erinnere ich mich, sagte er dann“. „In meinem Klassenzimmer in Schlesien hing ein sehr eindrucksvolles Bild von „Machu Piccu“ an der Wand. Es sah irgendwie geheimnisvoll aus. Ich musste es oft anschauen.“ Ist es nicht ein Zufall? Auch ich würde gerne in das Land der antiken Kulturen, traditionellen Lebensformen und großartigen landschaftlichen Vielfalt mit dir Reisen.

Wir ließen uns Reiseunterlagen von „Hauser Exkursionen International“ aus München schicken. Mit diesem Unternehmen haben wir nur gute Erfahrungen auf unseren bisherigen Reisen nach Nepal und Afrika gemacht. Was wird auf uns zukommen? Was sind die Anforderungen für eine so lange Reise? 31 Tage vom 1. Bis 31. August 1980 Anforderungen waren: Trittsicher, etwa 5 bis 7 Stunden am Tag gehen. Lange Auf- und Abstiege und feucht heißes Klima. Die Reisebeschreibung war hochinteressant. Die Andenländer Peru und Bolivien werden besucht. Die Städte Lima, Cusco mit den Inkaruinen Olantaytambo (was für ein wohlklingender Name), Copacabana und La Paz. Fünf Tage wandern und zelten auf dem Inka-Trail nach Machu Piccu. Flug mitten in den Amazonas Urwald. Fahrt mit dem Kanu auf dem Tambopata und Durchstreifen des Dschungels. Danach Fahrt mit der Andenbahn zum Titicaccasee. Dann weiter mit dem Bus über das Altiplano nach La Paz in Bolivien. Nach einer Erholung in La Paz Trekking in die Condoriri Gruppe. (der Königsdillere) Huch! Wollen wir das alles wirklich? Es wird eine sehr spannende Reise werden. Gesundheitlich ging es uns gut. May-Britt studierte in Heidelberg an der Universität und die Finanzierung? Ich werde es schon schaffen, sagte ich mir.

Da ich nur halbtags berufstätig bin, habe ich über das Arbeitsamt für nachmittags zwei Angebote als Sekretärin bei einem Rechtsanwalt und bei der Firma Portland Cement angenommen. Es ist geschafft! Unsere vorgesehenen Impfungen haben wir gut vertragen. „Resochin“, Malariatabletten und viel Filmmaterial gekauft. Eine Reiseapotheke zusammengestellt und US-Dollar gekauft.

Jetzt standen die Überlegungen an, was packen wir in den Seesack. Koffer waren nicht erwünscht, logisch bei so einer Reise. Wir waren ja schon „alte Füchse“, wir kannten uns gut aus. Aber dieser Seesack durfte nicht mehr als 20 kg wiegen.

Tag 1:  1. August 1980 Lima- Hauptstadt von Peru

Abflug Frankfurt 10:00 Uhr mit der Lufthansa nach Lima. Unsere Reisegruppe besteht aus zwanzig Teilnehmern, davon viele aus München und Umgebung. Beim Einchecken des Gepäcks entsteht Chaos. Was ist los? Die Computer sind ausgefallen. Elektronisch geht gar nichts mehr. Wir erhalten aber unsere Bordkarte und auf dem Flugfeld stehen sämtliche Gepäckstücke der Reisenden. Wir müssen persönlich unser Gepäckstück, unseren Seesack heraussuchen, erst dann wird er an Bord gebracht. Das kann ja heiter werden. Mit viel Verspätung starten wir in Frankfurt. Es ist ein Jumbo-Jet der Fa Boeing. Leo und ich sitzen leider in der Mitte des Rumpfes mit den 5er Sitzen. Unmöglich und ärgerlich finde ich es, dass zwei Plätze für Raucher bestimmt sind. Neben mir sitzt ein junges schwedisches Pärchen. Die Zigarettenstangen liegen links und rechts verteilt auf dem Boden. Meine Zeitschrift habe ich immer zu der Schwedin gewendet, weil ich den Rauch konzentriert einatmen musste. Ich konnte mich nicht beschweren, wenn das so von der Lufthansa erlaubt war. Es ist das Jahr 1980. Heute darf auf fast allen Linien überhaupt nicht mehr geraucht werden. Was für ein Fortschritt! Neben Leo hat eine gut gekleidete Dame Platz genommen. Sie ist eine Deutsche, die gemeinsam mit ihrem Mann eine Farm in Peru besitzt. Auch dort hat die Elektronik schon Einzug erhalten, denn im Handgepäck hatte sie in Deutschland viele Ersatzteile eingekauft. Ob sie damit durch den Zoll in Lima kommt, habe ich mich gefragt? In New York müssen alle Fluggäste die Maschine verlassen. Was hatte das nun wieder zu bedeuten? Begleitet werden die Passagiere für den Weiterflug von bewaffnetem Personal zu einem großen Kellerraum ohne Stühle und Bänke, ohne Essen und Getränke. Keiner durfte zur Toilette, vor der Tür halten zwei bewaffnete Polizisten Wache. Diese Methode fand ich unmenschlich, denn es befinden sich auch kleine Kinder und Babys mit ihren Müttern unter den Reisenden. Wir besaßen halt alle kein Einreisevisum für Amerika, das war die Ursache. Endlich nach sehr langem Warten können wir unser „Gefängnis“ verlassen und mit dem nächsten Flugzeug nach Lima, Hauptstadt von Peru weiterfliegen. Das Auschecken hat gut funktioniert. Und die Dame mit der Elektronik? In diesen Ländern und nicht nur Lateinamerika muss man sich mit den Zollbeamten mittels Schmiergeldes gut stellen. Somit ist die Frau ohne Zollabfertigung direkt auf ihren wartenden Mann zugegangen. So also macht man es!

In der Ankunftshalle wird jeder Einzelne unserer Reisegruppe fotografiert. Auf Leos Gesicht sehe ich ein gewisses Lächeln. Was hat das zu bedeuten?

Wir fahren, es ist später Abend, zum Hotel Savoy. Gutes Hotel, freundlicher Empfang mit Matetee und schwimmernden Cokablättern. Gut für die Stabilisierung des Kreislaufes.

Tag 2:

Am Vormittag bummeln wir mit unserem Reiseleiter Dr. Rudolf Müller durch das Zentrum von Lima, um erste Eindrücke zu sammeln. Lima liegt an der Westküste Südamerikas, am Pazifischen Ozean. Die Stadt wurde 1535 von Fracisco Pizarro gegründet. Lima ist eine verkehrsreiche Millionenstadt. Im Zentrum der Altstadt liegt der Plaza de Armas, ein außergewöhnlich großer Platz, mit der Kathedrale Auf diesem Platzt empfängt uns eine große Indio-Demonstration. Es ist eine ruhige Protestdemo ohne Anführer und ohne Sprecher. Auf selbstgefertigten Plakaten stehen die Forderungen, die da heißen: Gebt uns auch Land, das wir bearbeiten, bewirtschaften können. Gleich links neben der Kathedrale steht im gleichen Stil errichtet, das erzbischöfliche Palais mit wundervollen, geschnitzten Holzbalkonen. Ein paar Schritte weiter steht auf den Fundamenten des ehemaligen Palastes von Pizarro in schwerer Neoklassik der Regierungspalast. Fast bühnenreif ist die kostümierte Präsidentenwache, deren vergoldete Helme weithin in der Sonne glänzen. Alles erinnert an die einst stolzen Spanier. Aber die Zeit ist abgelaufen. Gegenüber des Regierungspalastes liegt das Rathaus. Auch hier wieder mit diesen schönen, geschnitzten Holzbalkonen. Bei Betrachten der beeindruckenden Prachtbauten sind unsere Kameras permanent im Einsatz. Die Hauptgeschäftsstraße ist die Jiron de la Union. Charmante Geschäfte, aber auch viele fliegende Händler. Sie verkaufen alle möglichen Dinge, die sie auf dem Boden ausbreiten. Mir hat ein Pyrit Stein so gut gefallen, dass ich ihn sofort haben wollte, obwohl ich mit der peruanischen Währung dem „Sol“ noch nicht vertraut war. Wahrscheinlich, trotz Handelns, habe ich zuviel bezahlt. Aber was soll’s. Pyrit = kubisch – der Name wurde bereits von Dioskurides (50 nach Christus) so genannt. Es glänzt metallisch in den Farben goldgelb und silberweiß. Bei den mehr als sechzig verschiedenen Kristallformen überwiegen Würfel. Mein Pyrit besteht aus großen und kleinen Würfeln. Heute verarbeitet man schön gewachsene Pyrit Kristalle zu modischen Schmuckstücken. Pyrit wurde vielfach in Kupferminen gefunden.

Pachacamac

Da wir erst am Nachmittag an die Küste zu dem Sonnenheiligtum der vor-inkaischen Kultur in die Wüste fahren wollen, beschließen Leo und ich ein Restaurant aufzusuchen, um Mittag zu essen. Da wir kein Spanisch sprechen, ist es nicht so einfach. Aber siehe da, der Zufall wars, sehen wir rot/weiß-karierte Gardinen an mehreren kleinen Fenstern hängen. Neugierig geworden entpuppen sich diese Gardinen als ein Schweizer Restaurant und das in Lima. Hier sind wir richtig ist unsere Meinung. Wir haben ausgezeichnet gespeist. Am Nachmittag verlassen wir die Stadt auf der „Panamerikana“ in südlicher Richtung und werden uns die interessanten vor-inkanischen Lehmbauten von Pachacamac“ an der Küste des Pazifiks anschauen. Man glaubt es kaum. Links und rechts der Straße bietet sich immer das gleiche Bild. Sichel und Wanderdünen wie in der Sahara. Geröllfelder Trockentäler, kahle Berge am Horizont und dann tauchen die Ruinen von Pachamac auf. Stumm steht man zwischen den Ruinen und fragt sich warum ausgerechnet zwischen Wüste und Meer die Menschen gelebt haben. Das alte Peru besaß seit dem Ende des 9. Jahrhunderts einen Wallfahrtsort, der nicht nur für Völker der Küste, sondern auch für die Bewohner des Hochlandes von gleicher Bedeutung war: Pachacamac das Mekka Perus. Diese heilige Stadt der Indios war befestigt wie das Delphi der Griechen. Als die Inkas die Cuismancu eroberten, achteten sie weiterhin das Heiligtum von Pachacamac. Sie errichteten innerhalb seines Bezirkes ein Sonnenheiligtum, das den alten Tempel von Pachacamac an Größe weit überragte, aber das Orakel behielt seine Gültigkeit. Pachacamac- Weltenschöpfer.

Als es mit dem Inkareich zu Ende ging und der letzte Inkakönig Atahualpa mit seinen Getreuen von den Spaniern überwältigt worden war und Atahualpa dann in Cajamerca starb, brach ein Reitertrupp der Spanier unter der Führung Hernandez Pizarro 1533 von Cajamarca auf und erreichte das Heiligtum Pachacamac. Die Beute an Gold und Silber war ohnegleichen. Man vermutet, dass um das Heiligtum eine riesige Stadt entstand aber der Wüstensand bedeckte sie, sodass von ihrer gesamten Anlage nur noch wenig zu sehen ist.

Tag 3:

Den freien Vormittag in Lima nutzten Leo und ich aus, um einen Besuch des „Mercado de Artesenal“ in der Avenida de la Masina aufzusuchen, wo man sich einen guten Überblick über die in Peru angebotenen Kunsthandwerksprodukte sowie über die Preise verschaffen kann. Z.B. Alpacca Decken, Pullover, Ponchos, Silberschmuck etc. Außerdem wollen wir uns noch den Palacio Torre Tagle, 1735 für eine reiche Familie erbaut und heute Sitz des Außenministeriums, anschauen. Es ist das berühmteste Bauwerk aus der Kolonialzeit. An seiner stilreinen Barockfassade hängen die schönsten geschnitzten Holzbalkone der Stadt. Auch der gepflasterte Innenhof ist eine Augenweide.  Leo und ich stehen hier ganz allein und sind begeistert. Gut, dass wir hoffentlich genügend Filmmaterial mitgenommen haben. Wir fotografieren beide, Leo mit seiner Leica, ich mit meiner Canon.

Auf den Nachmittag sind wir gespannt. Mit dem Reiseleiter besuchen wir das berühmte Museo del Oro, das Goldmuseum. Im Erdgeschoß bewundern wir eine eindrucksvolle Waffensammlung. Im Keller aber betritt man durch die Panzertür eine atemberaubende, märchenhaft reiche Schatztruhe. Wir sehen eine überwältigende Fülle an Goldschmuck und Kunstgegenständen der verschiedenen Kulturen. Die Spanier haben doch noch das eine oder andere Goldschmuckstück zurückgelassen. Gerade in Hinblick darauf, dass diese kunstvollen Schmuckstücke in Spanien oft einfach nur des Goldes halber eingeschmolzen wurden und damit wertvolle Kulturgüter verloren gegangen sind. Daher sind wir sehr froh und glücklich und bewundern umso mehr diese ganzen Gegenstände im Original. Am Abend müssen wir unseren Seesack packen. Morgen fliegen wir nach Cusco. Auf diese Stadt freuen wir uns ganz besonders.

4. Tag:  Cusco- ehemalige (frühere) Hauptstadt des Inka-Reichs

Transfer zum Flughafen und Flug von der im Winter fast immer nebligen Küste hinauf ins sonnendurchflutete Hochland der Anden nach Cusco in einer Höhe von 3430 m über dem Meeresspiegel.

Vom Flugzeug aus sehen wir unmittelbar unter uns die eisbedeckten Sechstausender Salcantay und Pumasillo in der Cordillera Vilcabamba, an deren Rand unsere Wanderung nach Machu Picchu entlangführen wird. Nach der Landung in Cusco fahren wir zum Hotel und hoffen auf eine ausreichende Mittagspause um uns Akklimatisieren zu können. Einst war Cusco die Hauptstadt des riesigen Inka Reichs „Nabel der Welt“ bedeutet der Name in der Indio Sprache Quetchuan. Am Nachmittag gehen wir unter Führung unseres Reiseleiters Herrn Müller durch die geschichtsträchtige Stadt, in der wir überall noch die erstaunlich feingefügten Mauern der Inka sehen können, wenngleich die meisten Inkabauwerke von den Spaniern zerstört wurden. Von hier aus wurde einst ein riesiges Reich straff regiert, das von Ecuador im Norden bis hinein nach Argentinien und Chile im Süden reichte; das entspricht einer Strecke vom Nordkap bis Sizilien. Von Cusco gingen die berühmten Inka-Straßen aus entlang deren Staffelläufer postiert waren, die die Befehle des Inkaherrschers rasch in jeden Winkel des Reiches überbrachten und ihn umgekehrt über alles unterrichteten. Das gut ausgebaute Straßennetzt war somit Voraussetzung für diese einmalige organisatorische Leistung in einer reinen Planwirtschaft ohne das Medium des Geldes, das in der Geschichte aller Völker unserer Erde gilt.  Die Ewigkeit war aber nur von kurzer Dauer. Am 15. November 1533 ritten spanische Truppen durch die Straßen von Cusco. Sie durften die Stadt noch in ihrer ganzen Pracht erlebt haben. Dann aber benahmen sie sich wie alle Sieger, sie plünderten, brandschatzten und rissen Tempel und Häuser ab. Ärger noch wüteten die grauenvollen Erdbeben von 1650 und 1950. Unter großen Opfern wurden die meisten kunsthistorisch bedeutenden Bauten restauriert oder neu errichtet. Allen Verwüstungen zum Trotz haben die Grundmauern der Inka widerstanden, jene Meisterwerke aus kissenförmig abgerundeten Steinquadern, die ohne Mörtel präzise aneinandergefügt sind. Auf ihnen bauten die Spanier ihre Kirchen, Paläste, Klöster und Residenzen.

Auf unserem weiteren Spaziergang durch die Stadt sehen wir die auf den Grundmauern der Inkabauten errichtete, wunderschöne Kathedrale mit der größten Glocke Südamerikas im linken Turm. Die Jesuitenkirche und Universität welche über dem ehemaligen Sonnentempel Coricancha, inkaisches Hauptheiligtum überbaut ist. Weiter zur Kirche San Blas. Die Innenausstattung ist prächtig. Den Altar und die Kanzel sowie die Deckenmalerei muss man sitzend betrachten, sonst dreht sich einem der Kopf vor so viel üppiger Pracht und Kunstfertigkeit. Wir gehen an zahlreichen Häusern der Kolonialepoche vorbei, die auf den unversehrten Mauern der Inka Zeit errichtet sind.

5. Tag: Inka- Festung Sacsayhuaman

In diesem wildzerklüfteten peruanischen Bergland mit seinen zahllosen Tälern wollen wir viele prähistorische Städte besuchen. Am Vormittag gehen wir zu Fuß, was gleichzeitig der Akklimatisierung an die sauerstoffarme Luft dient, hinauf auf einen Hügel über der Stadt und besuchen die gewaltigen Ruinen der Inka-Festung Sacsayhuaman. Drei Zyklopenmauern waren einst um diesen Hügel herum angelegt, von denen die äußere eine Länge von 3 km erreichte. Dabei wurden Felsblöcke bis über 300 Tonnen Gewicht so genau aneinander und ineinander gefügt, dass man kaum eine Messerklinge dazwischen stecken kann. Sacsayhuaman ist das größte und mächtigste Bauwerk, das man aus der Inkazeit kennt. Der größte Stein ist 9 m hoch, 5 m breit und 4 m dick. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich auszumalen welche Mühe der Transport dieser Giganten, aus dem mehrere Kilometer entfernten Steinbruch gekostet haben muss, weil die Inka weder das Rad noch die Rolle kannten. Wie sie es genau angestellt haben, ist bislang noch nicht schlüssig erklärt. Es heißt, dass auf Geheiß des Inka Pachacutec 30.000 Arbeiter 70 Jahre lang an ihr gebaut haben. Als wir vor diesen gewaltigen Mauern stehen, sind alle ergriffen. Ihre Ausmaße sind überwältigend und unvorstellbar. Die gewaltigen Bastionen der Festung scheinen von Riesen erbaut worden zu sein.

Opferstätte Kenko

Gegenüber der dreifachen Befestigungsanlage Sacsayhuaman, von ihr getrennt durch eine Ebene, erhebt sich in etwa 100 m Entfernung ein riesiger, kuppelförmiger Trachytfelsen, der Rodadero. Auch diese Anlage wollen wir uns ansehen. Viel ist nicht zu sehen. An der einen Seite des Felsens befindet sich eine Reihe eingemeißelter Steinsitze „der Thron der Inka“ genannt. Über diesen Felsen wandern wir an einigen höhlenartigen Inkabauten vorbei zur rätselhaften, recht interessanten Opferstätte Kenko. Kenko bedeutet „das Gewundene“. Eine in den Felsen geschlagene Zickzackruine gab dem ganzen Platz seinen Namen. Es ist eine Opferruine: aus einer Schale in die das Trank – oder Blutopfer hineingegossen wurde, leitet sie die Flüssigkeit in die Höhlen des Felsen hinab. In diesen Höhlen, die wir durch einen Engpass von überhängenden, glatt geschliffenen Felswänden hineingehen, hatte man das Gefühl, in die Unterwelt zu gehen. Im Inneren sind aus den Felswänden Sitze und Altäre herausgemeißelt. Ein großer ca. 2,0 m hoher Turm oder Altar steht frei in der Höhle. In den Nischen, so vermutet man, saßen die Mumien, wenn hier Ahnenfeiern stattfanden.

Es gruselt einen, wenn man vor diesen Spalten der Höhle steht. Was hat sich hier in Wirklichkeit abgespielt? Wurden den Göttern Menschen geopfert oder waren es Tieropfer? Darüber geben auch die Reiseführer keine Auskunft.

Zu Fuß auf dem Rückweg nach Cusco sind wir Hirten mit ihren Lamaherden begegnet. Als wir uns der Herde nähern, bleiben sie stehen, schauen uns mit ihren großen dunklen Augen an und spitzten die Ohren. Stolze Tiere, schöne Fotomotive, weil die Lamas verschiedene Fellfärbungen haben: schwarz-braun, weiß und gescheckt. Ein letzter Gruß an die Hirten und wir wandern weiter. Plötzlich bleibt Leo stehen und ganz aufgeregt sagt er zu mir. „Du Rita, ich habe meinen Fotokoffer bei den Hirten stehen gelassen“. Ich sehe ihn an und sage: „Da hast du halt Pech gehabt“. Einige hören es und bleiben stehen. Mit einem unwohlen Gefühl ist Leo die Straße wieder zurückgelaufen. Und wer kam ihm schon entgegengelaufen? Ein Indio, übergibt lächelnd Leo den Fotokoffer. Seine Freude war so groß, dass er den Hirten einen Pullover aus Lama Wolle abgekauft hat. Dazu muss ich anmerken, dass wir überall freundlichen Menschen, ob in den Städten oder in den Dörfern, begegnet sind.

Mit Kindern in den Dörfern haben wir die mitgebrachten Luftballons aufgeblasen und Traubenzucker verteilt. Diese Momente haben Leo und ich sehr genossen. Kurz bevor wir in Cusco erreichen, erblicken wir an der Straße eine ältere Indiofrau mit ihrem Webstuhl, daneben sitzt ganz brav ein Mädchen, wahrscheinlich ihr Enkelkind. An diesem Fotomotiv konnten wir nicht vorbeigehen. Leo hat das Bedürfnis, dem Kind persönlich Traubenzucker (Dextroenergy) zu geben, den sie genüsslich schleckt. Über ein paar Soles hat sich die Indiofrau auch gefreut.

Da der Nachmittag zur freien Verfügung steht, haben Leo und ich uns entschlossen, uns die Kathedrale noch einmal von innen anzuschauen. Die Kathedrale, man spricht vom schönsten Museum Cuzcos, 1654 gegründet ist gewaltig in ihren Ausmaßen: 86 m lang, 46 m breit und ihre Türme sind 33 m hoch. Einfach wunderschön anzusehen sind die geschnitzten Chorgestühle, viele Gemälde der Cuzco-Schule, kostbar geschmiedetes Gold und Silber, das in jeder Ecke leuchtet. Wir setzen uns in die Bank und beobachten das Hinein- und Herausgehen der vielen Menschen. In einer offenen Seitenkapelle der La Luida- „Die Schöne“ hängt ein großes Marienbild. Davor liegen auf dem Boden unzählige Gegenstände, wie schriftliche Fürbitten und Danksagungen, große und kleine Kerzen, Blumen und viele Soles. Links in der Nähe vom Altar ist an der Wand eine kleine Holzklappe angebracht. Ein alter, zerlumpter Mann klopft an diese Klappe und nach einer Weile wurde eine Suppenschüssel heraus gereicht. Der alte Mann setzt sich in die Bank und löffelt seine heiße Suppe. Eigentlich wollten wir schon gehen, als spontan eine kleine Gruppe junger Männer mit ihren Gitarren und Zupfinstrumenten erscheinen. Sie stellen sich vor den Altar und spielen herrliche Indioweisen. Dann verschwanden sie wieder. So stelle ich mir Kirchenleben in Deutschland vor. Man muss nicht nur zum Gottesdienst am Sonntag in die Kirche gehen, nein es sollte immer möglich sein, wenn das Bedürfnis der inneren Einkehr da ist, so wie bei den vielen Menschen in dieser Kathedrale. Diese Momente in der Kirche waren für uns beide eines der bewegtesten Augenblicke auf der Reise. Auch die zweite Kirche auf der „Placa de Armas“, die La Campina de Jesu (Jesuitenkirche) haben wir beide uns an diesem Tag noch einmal angesehen 1652 in Form eines lateinischen Kreuzes erbaut. Sie hat einen beachtenswerten Barockaltar mit viel Gold und Silber und steht auf den noch erkennbaren Mauern des einstigen Schlangentempels der Inkas.

In einer kleinen, ruhigen Gasse erblicken wir einen alten erblindeten Mann. Er lehnt an der von der Sonne beschienenen Hauswand und spielt auf seiner Geige traurige Weisen. Leo konnte nicht widerstehen und hat ein nachdenkliches Foto gemacht und dem Geiger ein paar Soles in die Hand gelegt. Vorbei an wunderschön restaurierten Gebäuden sehen wir einen weiteren Bettler, zusammengesunken, den schwarzen Hut tief ins Gesicht gezogen, träumt er vielleicht von einer besseren Welt? Wir sind mit wachen Augen durch die Stadt geschlendert, haben bemerkt, dass die meisten Einwohner Indios sind und bewundern ihre sehr bunte, farbenfrohe Kleindung. Auffällig waren die Frauen mit ihren langen, vielen Röcken übereinander. Dazu der weiße Hut, der hier in Cuzco Tradition ist. Über ihren Rücken tragen die Frauen ein buntes Tuch, in dem oft ein Baby eingewickelt war. Auf dem Gehsteig sitzend verkauften sie sehr schöne bunte Blumen, Obst oder selbstgewebte Waren. Was ich einfallsreich empfand, dass manche Kleinkinder friedlich im Pappkarton neben ihrer Mutter saßen oder schliefen.

Wir Touristen kennen nicht den Unterschied zwischen Aymara und Quechua Indios. Wir sprechen nur von den Indios.

Die Aymara und Quechua sind heute noch die Hauptstämme der indionischen Abstammung in den Anden. Sie sind von kleiner, stämmiger Figur, haben dicke Schädel mit breitgedrückter Nase und Mongolenfalte. Ihre Hautfarbe ist ein olivfarbenes Braun, glattes braunschwarzes Haar. Obwohl beide Völker, die Aymara und die Quechua beide miteinander verwandt sind, sprechen die doch vollkommen verschiedene Sprachen. Die Anthropologen schreiben beiden Stämmen eine tartarisch-mongolischen Abstammung zu.

Die Stadt Cuzco hat uns viele Einblicke in die Zeit der Inkaherrschaft gewährt, es war hoch interessant und erlebnisreich. Gegen Abend müssen wir wieder unseren Seesack für die nächsten anstehenden Wanderungen packen.

6. Tag Pisac:

Heute Morgen fahren wir in das Urubambatal, auch „Heiliges Tal“ genannt, durch das der Urubamba fließt, ein Quellfluss des Amazonas nach Pisac und noch ein Stück weiter auf neu ausgebauter Straße zu den schönsten Terrassenbauten aus der Inka Zeit. Vom Ende der Straße steigen wir zu der ausgedehnten Inkafestung hinauf. Kühn sind die Inkamauern, Pfade und Gebäude in die Felsen hineingebaut und auf der dem Dorf zugewandten Seite finden wir Tempelbauten, deren Steine vielleicht noch exakter ineinandergefügt sind wie die von Machu Picchu. Wir stehen staunend vor sechs vier Meter hohen Granit-Monolithen des unvollendeten Mondtempels. Sie sind äußerst kunstvoll geschliffen und stehen in einer Reihe genau aneinander gepasst.

Im Zentrum der alten Stadt Pisac (in einer Höhe von 3018 m) es war wirklich eine Stadt und nicht nur eine Festung, liegt das Sonnenheiligtum Intihuatana mit seinen Palästen und Tempeln, die den klassischen inkaischen Baustil in Reinkultur repräsentieren. Ein Intihuatana gibt es nicht nur hier, sondern auch in Machu Picchu (darauf sind wir sehr gespannt) und anderen Plätzen. Intihautana bedeutet so viel wie „der Ort, an dem die Sonne anbindet“, „Inti“- gleich Sonne und „huatana“-gleich Ort, der etwas festhält. Der Intihuatana ist immer aus einem natürlichen Felszacken geformt, dessen Spitze nach Art eines Zuckerhutes abgestumpft ist. Er steht immer unter freiem Himmel in einem astronomischen Observatorium. An dem Schatten dieses Felszacken wurde der tägliche Lauf der Sonne beobachtet. Die genaue Bestimmung der Sonnenwende war für die Landwirtschaft wichtig, denn hier nach richtet sich die Aussat und Bestellung der Felder auf den Terrassenkulturen.

Pisac ist ein Wunder der Baukunst inmitten einer der schönsten Landschaften Perus.

Es ist ein Erlebnis in diesen gewaltigen Festungsanlagen, die von Ferne gesehen wie an den Felsen geklebt erscheinen zu klettern. Immer wieder öffnen sich neue Ausblicke. Erst wenn man oben steht, erkennt man wie weitläufig die ganze Anlage ist. Der Blick von hier oben auf die exakten Terrassenfelder ist für uns bewundernswert. An diesen steilen Bergwänden hat man kunstvolle Terrassenkulturen angelegt, so dass auch noch die steilsten Hänge reiche Erträge bringen. Alle Anlagen sind mit künstlichen Wasserleitungen versehen. Die Indios pflegen heute noch die Terrassenanlagen, pflanzen genau wie ihre Vorfahren Mais, Bohnen, Kartoffeln und allerlei Gemüse auf ihnen.

Abstieg zum Dorf. Sonntags findet auf dem kleinen Dorfplatz ein berühmter Markt statt. Viele Indios aus der nahen und weiteren Umgebung finden sich hier ein. Es ist auch ein Ort der Begegnung. Auf diesem interessanten und lebhaften Markt sehen wir Indios in farbenprächtigen Ponchos, Decken und Kopfbedeckungen. Ich kaufe bei einer Indiofrau eine C-Blockflöte, die wirklich gut klingt. Jetzt habe ich eine Blockflöten Sammlung. Eine deutsche C-Flöte aus meiner Schulzeit, eine aus Nepal (Kathmandu) eine aus Indien und jetzt aus Südamerika. Aus welchem Land kommt die Nächste?

Nach diesen Faszinierenden Eindrücken auf Monolithen riesigen Terrassenfeldern und hohen schneebedeckten Anden fahren wir in die Nähe von Urubamba und erreichen die Lodge Naranjachaych (auch übersetzt Orangenbaum gesamt).

In der schönen Grünanlage stehen kleine einzelne Bungalows. Sie sind beide unbeheizt, aber praktisch eingerichtet. Als es Zeit zum Abendessen zu gehen, sagt Leo, dass er sich nicht wohlfühlt. Er meint sogar, dass er Fieber und Magenprobleme hätte. Leo kriecht in seinen Schlafsack und legt sich noch unter die Bettdecke. Ich gehe in den Essraum und in die Küche und bitte um eine Kanne Tee und Toastbrot. Beim Abendessen erzähle ich unseren Reiseleiter, Herrn Müller von Leos Zustand. Er macht ein ernstes Gesicht. Ich aber bin guter Dinge und natürlich hoffte ich auch, dass es morgen bestimmt wieder besser aussieht, dank unserer Medikamente. Im Kamin knistern die Holzscheite und es entsteht eine wohlige Wärme. Wir lassen den Tag noch einmal Revue passieren und wünschen uns eine gute Nacht. Ich gehe zurück zu unserem Bungalow und lege mich hin zum Schlafen. Leo ging es schon besser. Aber irgendwie schlafe ich unruhig und dann wusste ich auch warum. Ich spüre am Rücken ein mir bekanntes Hüpfen. Aha ich habe einen Floh. Ich öffne das Fenster im dunklen Raum, ziehe mit einem Ruck meinen Pullover über den Kopf und schüttle diesen zweimal nach draußen aus. Schnell die Fenster schließen, du kommst hier nicht mehr rein war mein Gedanke. Und tatsächlich, ich schlafe ohne Floh weiter. Für diese Reise trugen wir im Bett unsere warme Skiunterwäsche aus feiner Merinowolle. War auch sehr angenehm bei unseren Zeltübernachtungen.

Tag 7: Festung Ollantaytambo

Kalte Nacht, aber heute Morgen scheint die Sonne wieder. Leo geht es so einigermaßen gut. Wir frühstücken zusammen. Nach kurzer Busfahrt wollen wir das Dorf und die Festung Ollantaytambo besuchen. Die Festung liegt, wie die Feste Pisac auf einem steilen Bergsporn, der sich weithin sichtbar zwischen dem Urubamba und Patacancha Fluss in die Landschaft schiebt. Diese Landschaft gehört ebenfalls zu den eindrucksvollsten in Südamerika. Diese Festung ist deshalb interessant, weil sie sich noch im Bau befand, als die Spanier 1532 das Inkareich eroberten. Aus den liegengebliebenen Steinblöcken, die aus einem 3 km entfernten Steinbruch auf der anderen Flussseite herbeigeschleppt wurden, kann man erkennen, wie der Bau der gewaltigen Anlage mit den primitivsten Mitteln vor sich gegangen sein mag. Im Tal des Urubamba war dies das letzte Bauwerk, welches die Spanier eroberten. Wir durchstreifen noch das Dorf, dass aus armseligen Häusern besteht. Wir begegnen nur ärmlich gekleidete Kinder.

Noch einmal übernachten wir in der Orangenbaum Lodge und lassen uns am Abend verwöhnen, denn am nächsten Tag werden wir auf den endlich erwarteten Inka-Trail gehen.

Tag 8: Machu-Picchu – „Der Weg ist das Ziel“

Machu Picchu die noch immer geheimnisvoll umwitterte Ruinenstadt der Inka liegt inmitten einer tropisch überwucherten Bergwelt auf einem Bergsattel zwischen senkrecht abstürzenden Felswänden 400 m über den Rio Urubamba. „El Condor Pasa“. Die Magie des Machu Picchu, so habe ich für mich die Wanderung genannt. Nach dem Frühstück heißt es erneut den Seesack packen. Ein Teilnehmer meint, die Wanderung könnte auch eine „Wanderung in die Wolken“ heißen. Lassen wir uns überraschen. Unser Bus bringt uns zum Einstiegspunkt „Kilometer 88“, für Peru-Reisende sind das magische Worte. Denn hier bei Quariwarrachina beginnt der Camino Inka, der legendäre Inka-Trail an der Bahnlinie Aguas Calientes. Unsere Träger mit ihren kleinen Pferden sind auch eingetroffen, auch einige uns geleitende Indios bekleidet mit ihren farbigen Ponchos und ihren Habseligkeiten in bunten Baumwolltüchern verschnürt. Ein wirklich bunter Haufen. Die Seesäcke und Zelte werden auf die Pferde gespannt, die Klapptische und Stühle, Kochgeschirr auf die Träger verteilt. Wir Wanderer tragen nur unseren Tagesrucksack mit Wasserflasche u. ä. Auch ein peruanischer Reiseleiter, jung und flott europäisch aussehend begleitet uns. Er ist für die Trägermannschaft zuständig. Unser Reiseleiter Rudolf Müller impft uns nochmals ein: „Bitte langsam gehen, wir haben Zeit, viel Zeit“. „Komm packen wir es es an“ sagt Leo zu mir. Die Sonne strahlt. Vor uns liegen 42 Trekking Kilometer mit 3000 bis 4200 m hohen Pässen. Mit dem Zug wäre es bequemer gewesen, doch wir wollen die geheimnisvolle Stadt Machu Picchu per pedes erobern. Aus den Häusern am Wegesrand laufen Hühner herbei, Männer sind mit Heubündeln unterwegs und ein Indiomädchen sieht uns strahlend an. Was sie wohl denkt? Anfangs geht es nur mäßig steil hinauf. Nicht hadern, Rita, mit dem was an der uns unbekannten Strecke und Anstrengung vor uns liegt, sondern mich dem Augenblick hingeben – immer konzentrieren auf diesen einen Schritt, der jetzt zu tun ist. Einfach immer weitergehen, weiter atmen, bis sich ein Rhythmus einstellt, dem ich willenlos folgen kann. Aber auch mal innehalten, schauen und genießen. Das waren so meine Gedanken beim Gehen. Am Wegesrand sehen wir blühende Bromelien und Agaven, die herrlichen Säulen und Gliederkakteen. Hoffentlich haben wir wirklich genügend Filmmaterial dabei. Der Weg fällt im Verlauf des Tages auf einer Höhe von etwa 2400 m ab, dann aber Kräfte zehrend sind die Anden bei dem Anstieg nach Llaqtapata zu den Inkaruinen und den Terrassen von Qeute 3900 m hoch. Hier stellen die Träger die Zelte auf. Sagenhafter Blick auf die weißen Gipfel der Cordillera Veronica 5700 m. Im Hellen packen wir die Isomatte und Schlafsack, sowie unsere Skiunterwäsche aus, die Taschenlampe halten wir parat, alles Greifbare ziehen wir übereinander, denn der mächtige Salquartay (6242 m) schickt einen Eiseshauch auf den Lagerplatz. Wir freuen uns auf ein warmes Süppchen, vielleicht auch Nudeln mit Fleisch. Danach einen heißen Tee. Mit einer Schlaftablett kriechen wir in unsere Daunenschlafsäcke. Gute Nacht Leo! 1. Tag geschafft.

Tag 9:

Jetzt wird es steil und für Berg ungewohnte etwas anstrengender erzählt uns unser deutscher Reiseleiter. Leo und ich schauen uns an. Wir haben für diese Vorbereitung lange, ausdauernde Wanderungen im Odenwald unternommen, haben auf unseren Trekkingtouren in Nepal und Kashmir Erfahrungen gesammelt. Die Landschaft, durch die wir wandern ist genauso interessant wie am Vortag, aber wilder und einsamer. Bis Machu Picchu werden wir kein Dorf mehr sehen. Hängebrücken führen über sprudelnde Bäche und Flüsse. Nach dem Frühstück heute Morgen haben uns die Indios gefragt, ob wir Coca-Blätter kauen möchten. Wegen ihren harten Lebensbedingungen kauen die Männer, die in den Hochtälern der Anden arbeiten Coca-Blätter als Anregungsmittel. Auch unsere Träger kauen diese Blätter. „Warum nicht“ sage ich zu Leo. „Vielleicht werden wir dann nicht so schnell müde und schlapp“. „Ja wir möchten das Ausprobieren“, antworten wir. Wir bekamen grüne Coca-Blätter, die mit etwas Kalk zu einer kleinen Kugel geformt werden müssen. Mit dem Speichel im Mund werden diese Kugeln dann von einem Mundwinkel in den anderen geschoben. Aber irgendwie sieht es bescheuert aus, so als wäre man beim Zahnarzt gewesen und hat nun eine dicke Backe. Diese Kugeln wurden uns jeden Morgen von den Indios angeboten. Es ging uns körperlich ganz prima. High wurde man davon aber nicht.

Der Weg windet sich durch einen interessanten Urwald an drei markanten weißen Steinen und einigen kleinen Wasserfällen vorbei. Hier hat Leo seinen Filzhut mit Wasser gefüllt, das wir als köstlich empfanden. Noch ein paar Meter und wir stehen auf einer richtigen Almwiese in 3600 m Höhe. Mit dem kristallklaren Bergwasser versorgen unsere Indios die Küche. Umgeben ist unser Zeltplatz von schroffen Felsbergen. Wer noch Lust und Kraft hatte, konnte auf einen Grasrücken steigen (3900 m) und hinüberschauen zum nahen Nevado Placay. Wir beide haben noch Kraft steigen auf den Berg. Hier oben ist es so still, dass es fast unheimlich ist. Die Sonne ist schon untergegangen. Der Himmel zeigt uns in der Dämmerung ein farbenfrohes Bild von hellen Streifen, dann folgt orange-rot, grau und schwarz. In der Ferne grüßen uns die hohen Bergspitzen mit ihrem letzten Tageslicht.

Leider müssen wir auch heute Abend mit dem eiskalten Bergwasser unsere Zähne putzen und unser Gesicht waschen. Was ich ein wenig vermisst habe, sind die abendentlichen Gesänge der Indios im Esszelt. Die Sherpas in Nepal sind jeden Abend in unser Zelt gekommen und haben bayrischen Schnupftabak genossen und mit den Füßen auf den staubigen Boden gestampft. Danach haben wir deutsche Wanderlieder gesungen und viel Tschang (Bier) getrunken. So ist man feuchtfröhlich in seinen Schlafsack gekrochen und ist sofort eingeschlafen. Die Indios hingegen sind uns gegenüber sehr reserviert, sind sehr still und sprechen wenig. Aber auf ihren festlichen Umzügen mit viel lauter Musik kann man lustige und fröhliche Indios sehen, wenn sie vorher „Koks“ und „Chicha“ (Maisbier) zu sich genommen haben.

Tag 10:

Zum Frühstück gibt es Rührei, Omlett, Marmelade und Käsebrote für neue Power, die brauchen wir, denn heute schlägt die Stunde der Wahrheit. Auf geht’s. Nach etwa eineinhalb Stunden weiterem steilen Anstieg kommen wir zum höchsten Punkt unserer Wanderung, zum ersten 4200 m hohen Warmwanusqua Pass. Hier oben haben wir ausreichend Zeit zu rasten und schauen hinunter nach Hualabamba. In westlicher Richtung sehen wir die Eisriesen der Cordillera Veronica (5730 m) im durchsichtigen Nebel. Genauso steil geht es dann bergab zum Flusslauf des Rio Pacaymayo, den unser Weg in 3400 m Höhe kreuzt. Wir fotografieren große Orchideenblüten, viele andere unbekannte, blühende Pflanzen, die Krönung der herrlichen Vegetation.

Am Ende des Tages nochmals ein einstündiger Aufstieg zu der in 3800 m Höhe gelegene Burgfestung Runku Rakay. Mitten in den Ruinen stellen unsere Begleiter die wunderschön blau leuchtenden Hauser-Zelte in dieser dritten Nacht unseres großartigen Weges auf. Ein Blick auf unsere dicht an dicht aufgestellten Zelte von einer Anhöhe aus ist traumhaft. Leo und ich genießen jeden Tag diese herrliche, erhabene Landschaft, das können wir aber nur, weil die Träger ausdauernd und ohne Murren unser Gepäck und die Ausrüstung tragen.

Tag 11:

Es muss heute Nacht geregnet haben. Es ist ein kalter, nebliger Morgen. Alles ist klamm. Auch unsere Schlafsäcke. Am kleinen Bach knien „Männlein“ und „Weiblein“ und fahren sich mit dem eiskalten Wasser ein vielleicht auch zweimal über das Gesicht. Zähneputzen ist eine Tortur. Ob die Indios auch frieren? Ich jedenfalls friere und habe keine Lust weiterzugehen. Dann aber bricht die „Karawane“ auf und ich muss mitgehen. Ein einstündiger steiler Anstieg führt uns an einem kleinen Bergsee vorbei auf den zweiten Pass unserer Wanderung, in einer Höhe von 3800 m. Gestern haben wir zu unserer Freude einige Orchideen gesehen, heute hängen Rispen der Orchideen mitten über unseren Weg. Von den Bäumen hängen lange Moose und Flechten herunter. Es ist ein richtiger Regen-Nebel-Urwald. Wir kommen wieder an einem See vorbei und erreichen kurz darauf die in 3550 m gelegene Festung Sayamarca. Von dort haben wir einen phantastischen Ausblick vor allem auf die Cordilbra Vilcabamba. Leo und ich gehen schweigend durch diesen fast unwirklichen Regenwald, lauschen den unbekannten Lauten, sehen die summenden Insekten, wie sie von den unzähligen Blüten den Necktar aufsaugen, schauen auf die vielfältigen uns unbekannten Pflanzen und den moosbehängten Bäumen und machen uns bewusst, wo wir sind, wo wir gehen. Auf einem uralten Pfad der Inkas! Wer war dieses Volk, wie sahen sie aus? So in etwa wie die Indios, die uns heute begleiten? In Gedanken verloren, vernehmen wir plötzlich ein Rauschen über unseren Köpfen. Wir schauen gespannt nach oben. Über uns, knapp über den Baumwipfeln, ohne vernehmbaren Flügelschlag ein „El Condor“ ein Kondor mit seiner ca. 2-3 Meter imposanten Spannweite. Ich nehme Leos Hand und drücke sie. Was hat das zu bedeuten? Um in die Wirklichkeit zurückzukommen sagte Leo: „Schade, dass ich den Kondor nicht fotografieren konnte“. Beide lachen wir. Ich bin in meinen Gefühlen sensibler. Nach einer Weile denke ich, es muss ein unbeschreibliches Gefühl sein, seine Freiheit jede Minute, jede Stunde zu genießen. Keine Feinde zu haben, hoch in den unendlichen Himmel zu fliegen. Ich war fast schon neidisch auf den Kondor. Ich dachte dabei auch an Otto Lillienthal, dem Flugpionier. Wir wandern weiter durch den Urwald, ein paar Mal über Lichtungen, einmal über einen ausgetrockneten See. Dies soll der eindrucksvollste Teil des alten Inkawegs sein. An manchen Stellen ist dieser mit ebenso kunstvollen Mauern wie man sie in den Festungen findet, künstlich in die steilen Urwaldhänge gebaut. Manchmal nutzt er geschickt das natürliche Gelände aus. Es ist eine mit Überlegung und großem Können gebaute „Straße“, welche die einzelnen Festungen bis Machu Picchu miteinander verbindet. Durch einen natürlichen Tunnel, vorbei an einigen kleinen Höhlen, erreichen wir schließlich Phuyopatamarca (über den Wolken) auf einer Höhe von 3650 m. Ein herrlicher Blick auf den Huayna Picchu, den noch weit unter uns liegenden Berg von Machu Picchu eröffnet sich. Wir sehen erstmals wieder den Urubamba Fluss und die an seinen Ufern entlangführende Eisenbahnlinie tief unten im Tal.

Eine mächtige Kette von Eis und Felsenbergen liegt vor uns. Auf der Terasse der alten Stadt verbringen wir die letzte Nacht vor unserem Traumziel „Machu Picchu“. Im hellen Abendlicht schnell noch die Isomatte und den Schlafsack ausrollen. Wieder einmal alles Greifbare übereinander ziehen. Denn der mächtige Salgantay (6272 m) schickt einen Eiseshauch auf den Lagerplatz. Die dampfende Quinoa Suppe aus dem proteinhaltigen Andengetreide schmeckt heute besonders gut. Nachträglich muss ich wirklich nochmal ein großes Lob für diese treuen Träger aussprechen. Es hat immer alles einwandfrei geklappt, ob es ums Aufstellen der Zelte ging oder darum, unter widrigsten Bedingungen ein gutes Essen auf die Wege zu bringen.

Tag 12: Traumziel Machu Picchu – die rätselhafte Ruinenstadt der Inka

Der Morgen ist neblig und kalt. Aber weil wir den Kondor gesehen haben,

 bin ich optimistisch. Heute kommt der Höhepunkt unserer Wanderung, unser Traumziel Machu Picchu. Nach dem Frühstück sammelt unser Guide von unserer Gruppe zum Abschied für einen Teil der Träger T-Shirts, Hemden, Pullover, Strümpfe und andere Kleidungsstücke ein und versieht diese mit einer Nummer. Aus der Wollmütze unseres Guides zieht jeder Träger ein Los und sucht das entsprechende Teil aus. Sie bedanken sich rührend, packen alles zusammen und gehen los. Fast nur bergab führt uns der letzte Teil des Weges durch eine abwechslungsreiche Landschaft. Zuerst an einem weiteren See vorbei durch kurze Urwaldzonen und später über weite Wiesenflächen überwinden wir den größten Höhenunterschied bergab. Wir sind begeistert von den in allen Rot-Nuancen fantastisch blühenden Erdorchideen und die Aussicht auf den tief unter uns liegenden gewundenen Urubamba. Hoch über uns ziehen Vögel in Schwarz mit einem Halsband aus weißen Federn und weiß gefransten Flügel. Wir kennen den Namen dieser Vögel leider nicht. Vorbei an den Ruinen von Winay Wayna führt unser Weg am Ende nochmals in den Urwald, der durch seine mächtigen Baumfarne beeindruckt. Groß ist der unmittelbare Absturz von Eisgipfeln in das Tal rechts unseres Wegs. Da jeder Mitreisende sein eigenes Tempo hat, können Leo und ich viel fotografieren, schauen und genießen. Plötzlich tauchen aus dem grün des Dschungels die ersten wachturmartigen Mauerreste auf. Immer enger hintereinander und schließlich führt eine steile Treppe zum Haupttor, dem „Sonnentor“ Intipunku (2740 m) der herrlichsten Inkastadt, die es gab – Machu Picchu. Beim Hindurchschreiten halten wir den Atem an. Der Anblick von hier oben ist überwältigend. Inmitten einer wilden Gebirgslandschaft liegt eine richtige Stadt, größer und großzügiger als wir es uns vorgestellt haben. Der Blick über die archäologische Stätte ein Ort majestätischer Schönheit und voller Rätsel am Fuße des kegelförmigen in den Himmel ragenden Huayna Picchu ist der Höhepunkt unserer Südamerika Reise.  Hier oben wollen Leo und ich innehalten. Wir setzen uns ins Gras und möchten diesen Moment, den wir uns in den letzten Tagen hart erarbeitet haben, genießen. Welch ein unglaubliches Glücksgefühl! Zuerst kommen bei mir die Tränen, dann sehe ich auch Leo weinen. Unser Traum ist wahr geworden! Wir sind gegen Mittag am Ende und zugleich am Höhepunkt der Wanderung. Den ganzen Nachmittag bis zum Abend haben wir Zeit uns die Stadt anzusehen. Auch hier verzichtet die Fa. Hauser auf eine Führung, durch die äußerst wortreichen dafür aber teureren „guias“ Wir haben unseren gedruckten Reiseführer dabei. Außerordentlich günstig gelegen war der Ort, den die Inkas zur Anlage dieser geheimnisvollen Stadt wählten. Von keinem Punkt im Tal aus war sie zu sehen. Die Anlage der Stadt zeugt von Kühnheit und dem Einfallsreichtum ihrer Erbauer. Doch was war Machu Picchu? Ein religiöses Zentrum? Eine Festung? Nirgendwo steht das geschrieben. Die Inkas besaßen oder benötigten keine Schrift. Vermutlich wurde die Stadt, die der britische Forscher Hiram Bingham 1911 im wuchernden Urwald auf der vergeblichen Suche nach dem Goldschatz der Inkas wiederentdeckte schon vor der Ankunft der Spanier verlassen. Vieles aus der Vergangenheit dieser Stadt liegt im Dunkeln.

Die Anlage ist in drei verschiedene Bezirke aufgeteilt: Den Tempelbezirk mit dem Intiwatana Felsen im Zentrum, das Palastviertel der Könige und das einfache Wohnviertel der zivilen Bevölkerung. Überall sind Treppen erforderlich, um von einem Komplex zum anderen zu gelangen.

Es gibt hier unendlich viel zu entdecken. Hoch interessant finde ich den Tempel des Kondor- und Sonnentempels mit dem gewölbten Sonnentisch. In seiner Vertiefung fällt genau am 21. Juni durch ein trapezförmiges, Inka-typisches Fenster ein Sonnenstrahl. Genau zur (dortigen) Wintersonnenwende. So die Beschreibung in unserem Reiseführer. Es ist ein wahrhaft gutes Gefühl, nur sehr wenigen, wissbegierigen Touristen zu begegnen. Heute zeichnet sich dieses Kulturdenkmal leider vornehmlich durch Massentourismus aus. Wir setzen unsere Füße auf die Schwelle zwischen Vergangenheit und Zukunft. Auf dem höchsten Punkt des sakralen Viertels erhebt sich der Intiwatana der ganz ähnlich dem von Pisac ein aus dem Felsen gehauener Sporn ist. Man sieht den aufsteigenden flachen Stufen eine Symbolik, die sich auf das große Thema der Sonnenwendung bezieht. Intiwatana, dieses Quechu-Wort bedeutet: „Ort, an dem die Sonne angebunden wird“. Leo und ich sind der Meinung, dass dies das Eindrucksvollste sei, was wir bisher gesehen haben. Wir stehen ganz alleine vor diesem Kulturheiligtum der Inkas und jeder von uns hatte seine eigenen Gedanken. Wunderschön bearbeitete 78 Stufen und 4 Treppenabsätze, fließend und von Mauern flankiert, führen ehrführchtig bis zum berühmten „Intiwatana“. Im letzten Teil der Treppe ragt ein Steinring hervor. Man sagt, er diente dazu einen beschützenden Puma festzubinden. Pumas gibt es heute noch in dieser Umgebung. Der Intiwatana ist wie ein Gipfelpunkt. Er befindet sich über einem Hügel oder auch Sporn von etwa 30 Meter Höhe und ist durch die eindrucksvollen Terrassengärten in Pyramiden verwandelt worden. Die Sonne sinkt hinter den Bergen. Es wird kühl hier oben. Wir gehen die gewundene Straße zum Urubamba hinunter und entdecken direkt am Fluss unsere blauen Zelte. Wir freuen uns auf das Abendessen und unseren warmen Daunenschlafsack.

Tag 13:

Eine große Freude hat uns die Fa. Hauser mit diesem Vormittag gemacht. Wir dürfen noch einmal nach dem Frühstück hinauf nach Machu Picchu und eventuell, wer möchte, trittsicher und schwindelfrei ist, den die Stadt überragenden Berg Huayna Picchu besteigen. Mit einem Shuttle Bus fahren wir hinauf. Den wahren Zauber enthüllt diese Stadt im Morgenlicht. Erste Sonnenstrahlen dringen durch wabernde Nebelfetzen und streicheln die perfekt angelegten Terrassen. Sie vergolden, so haben wir es empfunden, Mauern, umschmeicheln die fugenlos aneinander gefügten Granitquader. Ein Bild von vollkommener Harmonie. Auf den steilen Aufstieg des Huayna Picchu verzichten wir beide. Stattdessen gehen wir noch einmal durch diese geheimnisvolle Stadt und fotografieren. Unsere Gruppe ist ganz alleine hier und wir genießen diese neblige, mystische Stimmung, denn die Touristen, die mit der Bahn aus Cuzco anreisen, sind noch nicht eingetroffen. Wir beide sind von der Schönheit und Größe dieses Zeugnisses aus vergangener Zeit überwältigt. Man erlebt einen jener Momente, die sich für ewig in das Gedächtnis einbrennen. Verwunschen und verzaubert liegen hier am Rande der Korilleren noch manche Ruinen aus der Inkazeit und warten auf Entdeckung, doch die Schönheit von Machu Picchu, seine herrliche Lage und großartige Konstruktion konnte kaum übertroffen werden. Sie ist das kostbarste Juwel unter allen Inkastätten. Sie ist ein Meisterwerk, von Menschenhand geschaffen und den Göttern geweiht. Warum diese mystische Stadt verlassen wurde, gibt den Wissenschaftlern immer noch Rätsel auf. 1912 kehrte der Entdecker dieser Stadt Hiram Bingham mit einer wissenschaftlichen Kommission zurück, um Untersuchungen durchzuführen. Bei den Ausgrabungen fanden sie verschiedene Gegenstände wie Becher, Webinstrumente, Messer, Gefäße aber fast kein Gold und Silber. In 107 Gräbern 164 Mumien, 109 davon waren Frauenmumien. Zum Mittagessen fahren wir wieder mit dem Shuttlebus zu unserem Zeltplatz hinunter. Hier am wilden Urubamba schmeckt das Essen noch besser. Die Seesäcke werden gepackt, das Zeltlager abgebaut. Ein Shuttle Bus fährt uns zum Bahnhof Aguas Calientes. Wir müssen lange auf den Zug warten und beobachten die vielen verschiedenen Menschen. Die Indios bieten Obst für die Reisenden an, Souvenierartikel, darunter Wandteppiche, bemalte Kürbisse, schöne Ponchos und Schmuck. Endlich! Der Zug fährt mit dickem, schwarzem Rauch, der aus dem Schornstein der Lokomotive bläst in den Bahnhof ein. Wehmütig schauen wir aus dem Fenster. Schrilles Pfeifen der Signalhupe, es riecht nach Kohle und Öl. Leise ratternd windet sich der Zug durch die Schlucht des Rio Urubamba. Tiefe Furchen hat der Fluss in die peruanischen Anden gegraben. Links klammert sich das schmale Gleisbett an eine Felswand, rechts fällt die Böschung jäh zu dem von Eukalyptusbäumen gesäumten Urubamba ab. Am Fenster fliegen ab und an ein paar Funken vorbei. An den Hängen arbeiten Bauern auf schmalen Terrassen, die schon die Inkas den Bergen abgetrotzt haben. Nach Ollantaytambo schlängelt sich der Rio Urubamba nach Osten in den Regenwald, wo er in den Amazonas mündet. Völlig ungewohnt für uns und unüblich im Eisenbahnbau Europas ist es, Höhenunterschiede mit der Bahn in Serpentinen zu überwinden. Nach sechseinhalb Stunden erreichen wir endlich Cuzco (3430 m) und freuen uns wieder in einem Hotelbett zu schlafen und den Staub der Wanderung unter der warmen Dusche von uns zu abzuspülen.

Tag 14:

Dieser Tag steht uns zur freien Verfügung. Wir überlegen noch was wir eventuell für die nächsten Tage benötigen, denn wir fliegen morgen in den Amazonas Urwald. Außerdem hat sich in Cuzco unter Touristen das Gerücht verbreitet, dass die Banken kein Geld mehr umtauschen können wegen Geldmangel. Ich bin trotzdem zur Bank gegangen (Geldgeschäfte hat Leo mir überlassen). Ich konnte in jedem Land bisher gut mit den Beamten umgehen und habe mich der anstehenden Touristengruppe angeschlossen. Vor mir stand eine Gruppe junger Italiener. Alle machten ein langes Gesicht, als sie mit ihrer „Lira“ am Schalter abgewiesen wurden. Ich hatte, wie immer auf unseren Auslandsreisen, US-Notenbanken und US-Verrechnungsschecks dabei. Ich bekam für meine US-Noten peruanische Soles, damit konnten wir kleine Geschenke und eine bunte Hängematte für unsere Tochter May-Britt kaufen und auch zu Mittag essen. Leider bekam ich gegen Abend plötzlich heftigen Schüttelfrost. Jetzt hatte es mich erwischt. Ich krieche in meinen Schlafsack und lege mich unter die Bettdecke. Leo versuchte im Hotel einen heißen Tee für mich zu besorgen. Außerdem haben wir noch ein Antibiotikum in unserem Medikamentensortiment dabei. „Ich muss gesund werden, ich muss gesund werden, sagte meine innere Stimme“. „Ich will unbedingt in den Urwald“.

Tag 15-17:

Ich bin wieder wohlauf. Auch Leo geht es gut. Am Vormittag fahren wir zum Flughafen und fliegen in einem interessanten Flug über die Anden mitten in den Amazonasurwald hinein nach Puerto Maldonado, „der Hauptstadt“ der gleichnamigen Provinz unmittelbar an der Grenze zu Bolivien und Brasilien. Eben noch kommen wir aus einer Höhe von 3430 m in Cuzco und jetzt stehen wir hier auf dem Flugplatz im Urwald. Was muten wir unserem Organismus nicht alles zu und die Reise ist noch lange nicht zu Ende. Bolivien und die „weißen Kordilleren“ warten noch auf uns. Wir sind auf einer holprigen kleinen Sandpiste gelandet und während wir auf unsere Seesäcke warten, sehe ich an einer sonnenbeschienenen Hauswand eine sehr große grüne Gottesanbeterin, auch Stabheuschrecke genannt. Wunderschön anzusehen. Endlich ist es soweit. Am Ufer stehen drei mit Außenbootmotoren betriebene Holzkanus, die uns auf dem Tambopota Fluss zur Urwald Lodge „Explorers Inn“ bringen sollen. Hier sollen wir uns wohlfühlen und von der Inkastraßen – Wanderung erholen. Ein echter Kontrast zum Andenhochland. Bevor wir starten, bekommen wir noch eine Kleinigkeit zu essen. Das Abenteuer beginnt. Unsere Gruppe teilt sich auf. Das erste Boot wird mit unserem Gepäck beladen, das zweite startet mit unserem Reiseleiter, Herrn Müller. Leo und ich sitzen im dritten Boot. Über dem von Mangroven dunkelgrün gefärbten Flussufer gleiten wir mit unserem Boot dahin. Mangroven brauchen das milde Klima tropischer Salzwasserküsten. Sie haben sich dort über Jahrmillionen ihren Lebensraum eingerichtet. Hier und da sehen wir bunte, schöne Vögel. Auf dem Boot ist jeder mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt.

Langsam wird es dunkler. Das erste und das zweite Boot sind außer Sichtweite. Die Mangrovenwurzeln ragen schlammverkrustet hervor, wie gigantische Spinnen. Unser Außenbootmotor fängt plötzlich an zu stottern. Die beiden jungen Bootsführer geben sich zwar Mühe, den Motor wieder in Gang zu setzen, aber an den Gesten der Bootsführer war zu entnehmen, dass kein Tropfen Benzin mehr im Tank ist. Also muss gepaddelt werden, zum Glück sind 2 Paddel an Boot. Im Urwald gibt es keine Dämmerung und so paddeln die beiden jungen Männer gegen die Strömung hier im Amazonasurwald in fast stockdunkler Nacht. Unter den Mangroven lauern mit leuchtenden Augen räuberische Kaimane ca. 3 m lang mit Krokodilschnauzen. Sie verhalten sich aber ruhig. In der Ferne sehen wir helles Wetterleuchten. Wann erreichen wir endlich die Lodge ging uns allen durch den Kopf. Wir konnten auf den schmalen Holzbrettern im Kanu nicht mehr ruhig sitzen. Schon sehr lange sind wir mittlerweile unterwegs. Nicht einmal etwas zu trinken haben wir dabei und dazu ist noch ein Diabetiker bei uns. Ein neben mir sitzender Mitreisender (Leo saß hinter mir) bewegte sich schon eine Weile unruhig auf seinem schmalen Holz Sitz hin und her. Ich schaue ihn an und dann sagt er leise zu mir:

„Ich muss unbedingt Wasser lassen, ich halte es nicht mehr lange aus“. Für mich kein Problem. Ich frage ihn, ob er eine Plastiktüte dabeihat. „Nein, leider nicht“, antwortet er. „Hier nehmen sie diese“. Ich reiche ihm eine Plastiktüte und fast beschämend pinkelt er in die Tüte und entleert sie in den Tambopata-Fluss. Er war dankbar erleichtert. Leo hat auf unseren Trekkingtouren mit Zeltübernachtungen in Nepal und Kashmir nachts öfters in eine Plastiktüte gepinkelt. Auch unser Diabetiker hatte leider sehr große Probleme. Er hatte nichts mehr zu essen und ein Gefühl, dass ihm schwindelig wurde. Er hat „Unterzucker“ denke ich. Wir Mitreisenden kramen in unseren Tagesrucksäcken nach Essbaren. Der eine und andere ist dann fündig geworden und auch dieser Mann war zufrieden. In einer Situation, wie die die unsere, in stockdunkler Nacht auf einem Urwaldfluss ohne erkennbares Zeil zu paddeln, schweißt zusammen.

Wir hatten uns auf ein Abenteuer gefreut. Jetzt hatten wir es. Die beiden Bootsführer unterhalten sich, wir wurden wieder „wach“. Das Boot legt tatsächlich am Ufer an. Ich leuchte mit meiner Taschenlampe das Ufer ab, das täuschend ähnlich wie weißer, fester Sand aussieht und springe als erste aus dem Boot, weil ich ganz vorne saß und machte zu meiner Überraschung einen Bauchplatscher. Das Licht meiner Taschenlampe war erloschen. Ich bin im Mangrovensumpf gelandet. Keiner hat gelacht, obwohl ich wirklich zum Lachen aussah. Haar, Gesicht, Kleidung … alles war voller Sumpfschlamm. Die Mitreisenden sind dann alle ganz vorsichtig aus dem Boot gestiegen. Langsam folgen wir den jungen Männern hinauf zur Lodge. Alles ist still, kein einziges Licht brennt. Was nun? Einer der Bootsführer klopft an eine Tür und tatsächlich erscheint ein kleiner verschlafener Mann und sieht uns entgeistert im Morgenlicht an. Dann aber schaltet er ein helles Licht an, weckt das Küchenpersonal und wie ein Wunder, mitten in der Nacht bekommen wir nach einer Weile ein warmes wohltuendes Essen serviert. Tat das gut!! Dann wurden wir noch zu unseren ganz aus Holz und auf Pfählen stehende Bungalows geführt.

Der Tag bricht an, Leo und ich schauen uns in unserem neuen Zuhause um. Schön ist es hier, sogar einen Balkon mit Liegestühlen haben wir Frühstück. Unserem Reiseleiter haben wir natürlich Vorwürfe gemacht, dass er nicht mit seinem Boot auf uns gewartet hat. Er ist aber davon ausgegangen, dass irgendwas mit dem Motor wohl nicht gestimmt hat und wir wieder zurück in die Stadt gefahren sind. Das wir aber die ganze Nacht gerudert sind, ja das täte ihm leid. Es ist ja nochmal alles gut gegangen, dafür waren wir sehr dankbar. Beim Genießen unseres Frühstücks bemerke ich plötzlich ein undefinierbares Berühren an meinen Knien. Ich schaue Leo an, der isst ganz in Ruhe. Dann ein heftiger Stoß an meinen Beinen. Was ist denn da los? Ich schaue neugierig unter den Tisch. Und wahrhaftig, ich sehe einen jungen Tapir. Ich streichle sein grau-schwarzes, glattes Fell. Er schaut mich an und ich sage zu ihm: „Du kannst jetzt weitergehen und mich in Ruhe weiter frühstücken lassen“. Er trottet unter dem Tisch zwischen den vielen Beinen weiter. Tagsüber hat sich der Tapir im Dickicht des Urwalds verkrochen, aber jeden Abend, wenn die Lichter in der Lodge brannten, hat uns der Tapir unter dem Tisch Gesellschaft geleistet. Er gehörte einfach zu dieser Lodge.

An diesem Morgen haben Leo und ich uns reichlich Insektenschutzmittel auf die Haut aufgetragen und sind bestückt mit unserer Kamera auf „Pirsch“ in den umliegenden Urwald gegangen. Angst vor Schlangen? Nein, nicht unbedingt. Wir haben einen Stock dabei und diesen vor uns hin und her gewedelt, wie wir es schon im Urwald in Botswana (Afrika) gemacht haben. Überraschenderweise begleitet uns eine Wildschweinmutter mit ihrem kleinen Nachwuchs. Sie sind so zutraulich, dass wir das Gefühl haben, auch diese Tiere gehören zur Lodge. Einen traumhaft schönen Anblick bieten die fliegenden Papageien und Aras mit ihrem bunten Gefieder unter dem herrlich blauen Himmel. Im Urwald entdecken wir unbekannte Früchte an den Bäumen, herrliche Pflanzen mit riesigen Blüten und riesigen Blättern. Hier ist nicht die „grüne Hölle“ wie es in unserer Reisebeschreibung heiß, nein es ist ein kleines Paradies.

Zurück zu unserem Bungalow machen wir es uns in den Liegestühlen auf unserem Balkon gemütlich als plötzlich drei Papageien auf die Balkonbrüstung fliegen und uns mit ihren großen, dunklen Augen betrachten. „Na ihr Hübschen, wir haben leider nichts zu knabbern für euch“, sagt Leo. Eine Weile schauen sie noch auf uns, dann fliegen sie in den blauen Himmel davon. „Ist das nicht herrlich hier?“ „Hier könnte ich unseren Urlaub um eine Woche verlängern“, sage ich freudig zu Leo. Da in der Lodge auch einige holländische Biologen wohnen, die Studien an den Aras machen, laden sie unsere Reisegruppe zu einem zweistündigen Rundgang im Urwald ein. Wir sind in dieser Lodge die einzige Reisegruppe. Die Biologen erläutern uns diese und jene Pflanze. Wir achten auf die tausenden Kleinigkeiten am Wegesrand und genießen und spüren die besondere Atmosphäre unserer Umgebung. Immer tiefer dringt unsere kleine Gruppe in das schier undurchdringliche Dickicht ein. Schmetterlinge flatterten auf den schattigen Wegen vor uns her, ein Kolibri schwirrt an uns vorbei, allerlei Vogellaute schallten aus den Baumwipfeln herab. Und immer wieder ist die Wildschweinmutter mit ihrem Nachwuchs an unserer Seite. Zweige und Mangrovengestrüpp schafften immer wieder Lichtwechsel. Umgestürzte Bäume und sumpfige Stellen hemmen unser Vorankommen. Wir klettern über die liegenden Baumstämme, auch die Wildschweinmutter überwindet das Hindernis durch einen Sprung, aber das Junge bleibt stehen und grunzt laut. Leo und ich sehen uns an, packen den Kleinen und schwupp die wupp tragen wir ihn über die Baumstämme. So schnell er konnte, läuft er zu seiner Mutter. Die Studenten klären uns noch über die Besonderheiten verschiedener Bäume auf. Manche Baumstämme sind in kurzen Abständen mit natürlichen Einkerbungen oder großen Warzen übersät. Wenn die Flut in den Mangrovensümpfen kommt oder der Wasserspiegel nach heftigen Regengüssen steigt, klettern die Sumpfschildkröten die Baumstämme hinauf und fühlen sich dort sicher. Leo und ich staunen über gewaltige Bäume mit eigenartigen Stämmen. Wie eine riesige Papiertüte sehen sie aus. Die Stämme sind hohl und dienten den früheren Urwaldbewohnern, um Nachrichten an andere Stämme zu übermitteln. Leo und ich haben selbst den Versuch gemacht. Das Klopfen mit einem Stock hörte sich wie Trommeln an. Wir sind immer neugieriger geworden. Was sehen oder hören wir als nächstes? Welche Überraschung wartet auf uns? Wir erreichen einen kleinen See mitten im Dschungel. Die Biologen haben Angelgeräte dabei. Mit einer einfachen Angelschnur, Hacken und kleinen Fleischködern ziehen die Biologen zwei Piranhas aus dem Wasser. Die Kerle reagieren auf das rote Fleisch, wie soll ich es ausdrücken, wie Vampire. Piranhas gehören zu der Familie der Sägesalmler. Etwa 15-20 Zentimeter große räuberische schwarze Fische mit ungeheuren, messerscharfen Zähnen. Sie sind blutgierig. Etwas platt, fast weiße Haut, die unteren Flossen sind hellrot. Furchterregend sehen sie aus. Diese Fische sind in den Amazonasgewässern zu Hause und in all den 1100 Nebenflüssen. „Also niemals in ein unbekanntes Gewässer zum Schwimmen gehen“, betonen die Biologen. Dabei sah die Oberfläche des Sees so friedlich aus. Die weißen Wolken und der blaue Himmel spiegelten sich im Wasser. Nach diesen eindrucksvollen wunderbaren Überraschungen und Erlebnissen und neuem Wissen kehren wir zur Lodge zurück. Jetzt wollten wir es uns nur noch auf unserem Balkon gemütlich machen. Aber die nächste unvorstellbare Überraschung lässt nicht lange auf sich warten. Von unserem Balkon haben wir einen Blick auf einen kleinen Fußballplatz. Es ist nach dem Mittagessen und die jungen Männer des Lodge Personals nutzen ihre Freizeit aus und spielen Fußball. Und was sehen wir? Neben einem Torpfosten steht ein Stelzenvogel, ähnlich einem Storch, hat hellgraues Gefieder und verfolgt aufmerksam den rollenden Ball. Sein Kopf geht ständig hin und her. Plötzlich ist der Ball ganz nahe am Tor und ob man es glauben mag oder nicht, der Stelzenvogel versucht mit seinen langen Beinen den herannahenden Ball weg zu kicken. Es ist sehr aufregend und lustig anzuschauen. Wie ist so etwas möglich? Hier im Urwald ist alles möglich meinen wir beide.

Tag 18:

Die „Ruhetage“ sind so schnell vergangen. Heute heißt es von diesem liebgewonnenen Paradies Abschied zu nehmen. Mit den Kanus, in der Hoffnung, dass diesmal genug Benzin in den Motoren ist, fahren wir zurück nach Puerto Maldonado. Brüllaffen verabschiedeten sich dabei lautstark von uns. Anschließend fliegen wir mit einem Kleinflugzeug nach Cuzco zurück, um dort noch einmal zu übernachten.

Tag 19:

Nach dem Frühstück fahren wir mit dem Bus in Richtung Titicacasee (3830 m) wieder ins Andenhochtal hinauf nach Sicuani (3531 m). Aus den Vororten von Cuzco mit seinen grauen Lehmhütten geht es hinaus in eine wunderschöne, malerische Andenlandschaft. Ein weites Hochgebirgstal mit verdorrtem Gras, vereinzelt Kühe und Indios in bunten Ponchos. Wir halten in kleineren Dörfern mit interessanten Kirchen aus der Kolonialzeit. Die kleinen Indio Kinder, die uns begegnen, machen uns wieder viel Freude beim Aufblasen unserer mitgebrachten Luftballons. Auch selten besuchte Vorinkaruinen besuchen wir: Andahuayllas, ein Ort mit einer der schönsten barocken Kirchen Perus, Checacupe eine Kirche mit prunkvoller Innenausstattung. Tupac y Clorind Matto und Raqchi, vermutlich riesige Vorratshäuser, die von den Inkas zur Versorgung der Aymara, die südlich von hier leben, auf älteren, schönen Mauern und Säulen errichtet wurden, die wie man teilweise glaubt, zu einem Viracocha – Tempel gehört haben könnten.

Weiter geht die Fahrt durch sumpfige Gebiete, dann wieder karge Hochlandschaften und sehen bunte Indio-LKWs, die auf den Schotterstraßen fast dahinkriechen und weite Staubwolken hinter sich lassen. Auch unser Busfahrer hat Schwierigkeiten den Berg hinauf zu fahren. Aber schlussendlich erreichen wir in 3531 m Höhe Sicuani. Unser Busfahrer muss während der Fahrt über die hohen Berge ein schlechtes Gewissen gehabt haben, denn als wir aus dem Bus aussteige, sehen wir unseren Busfahrer, wie er mit großer Ehrfurcht auf den Boden knieend sich gegen Osten verneigte und die Erdgöttin Pacha Mama küsst. Angeblich waren die Bremsen unseres Busses nicht ganz in Ordnung.

Hier in Sicuani wollten wir in einer neuen, aber einfachen Lodge übernachten. Diese Hazienda gefällt uns gut. Alles ist sehr sauber und gemütlich eingerichtet, richtig gut, um sich von diesem anstrengenden Tag zu erholen. Nach dem ausgezeichneten Abendessen wieder eine „Hauser“ Überraschung. Im Kamin knistert das duftende Holz, draußen ist es sehr kalt, unsere Gruppe unterhält sich entspannt, als die Tür aufgeht und Mädchen und Buben in das Zimmer eintreten. Es ist eine Schulklasse, die für uns Gäste verschiedene Südamerikanische Lieder vortragen. Kann ein Abend im Andenhochland besser ausklingen?

Tag 20: Puno am Titicaccasee

Wir frühstücken ausgiebig, denn heute wir es ein langer Tag werden. Es soll eine der schönsten Eisenbahnstecken im südamerikanischen Altiplano werden. Zur Abwechslung werden wir mit dem Zug zu unserem nächsten Ziel nach Puno fahren. Unser Busfahrer, der nach so langer Abwesenheit von seiner Frau und den beiden Töchtern Sehnsucht verspürt, möchte hier den in der Nähe wohnenden einen guten Tag sagen und uns seiner Familie vorstellen. Wir sind einverstanden und fahren über kleine Dörfer, besuchen noch eine oder andere Indio-Familie, die gerade dabei ist, ihre Felder zu bestellen. Der Pflug wird vor ein Pferd gespannt, wie bei uns in Deutschland vor und nach dem 2. Weltkrieg.

In der Nähe einer kleinen Bahnstation „Aquas Colientes“ angekommen, nehmen wir Abschied von unserem treuen, aufmerksamen Busfahrer. Jetzt in diesem Augenblick erwartet uns wieder eine „Hauser“ Überraschung. Das kann doch nicht wahr sein! Mitten in der Pampa empfängt uns eine kleine improvisierte Küche arrangiert von der Lodge in Sicutani? Wir nehmen sitzend im Gras ein gutes Mittagessen und Getränke entgegen. Hier unter freiem Himmel schmeckt alles nochmal besser. Hat unser Reiseleiter, Herr Müller davon gewusst? Die Reise gefällt uns immer besser.

Nach dem Essen bedanken wir uns alle bei dem Küchenpersonal und schlendern zu der Bahnstation, die keine Wartehäuschen, sondern nur ein Haltesignal hat. Wir warten lange, denn keiner weiß, wann der Zug eintreffen soll. Ich fotografiere Leo noch, wie er zwischen den Gleisen steht und die Arme ausbreitet, als der Zug auch schon schnaubend um die Kurve kommt. Wir steigen ein und freuen uns auf die Zugfahrt. Die Landschaft ist großartig. Wir sehen die fast ausgerotteten scheuen Vicumas, Verwandte der Lamas und Alpaccas. Die überaus weiche Wolle war einst allein den Gewändern der Inka-Herrscher vorbehalten. Bei La Raya ist der höchste Punkt der Strecke erreicht, 4313 m. Die Diesellok hat enorme Schwierigkeiten den Pass hinaufzukriechen. Danach fahren wir über eine unendlich erscheinende gelbbraune Hochebene mit tausenden von Lamas und Alpaccas. Eine halbe Stunde lang hält der Zug noch in Juliaca bevor der noch schönere Teil der Strecke beginnt, die 40 km bis Puno. Sehr flaches Hochland mit Bergketten am Horizont, kleinere Seen und Teiche entlang des Bahndamms, klare Luft und dadurch kräftige Farben.

Puno: Endlich nach einem langen Tag sind wir am späten Nachmittag in Puna, am berühmten Titicacasee angekommen. Der erste Eindruck dieser Hafenstadt ist eine langweilig anmutende Stadt, irgendwie herb und farblos. Der Titicacasee ist der höchste schiffbare See der Welt, er liegt 3812 m hoch und ist 194 km lang. Der See ist heute noch für die indianische Bevölkerung des Altiplanos und der Sierra die Stätte ihres Mythos. Hier entstanden ihre Märchen und aus dem flimmernden Glanz des Sees entsprangen die mystischen Gestalten der Gründer des Inkareichs. Wir wohnen in einem großen Hotel direkt am See. Unsere Reisegruppe sind die einzigen Gäste. Das Hotel ist leider nicht beheizt. In Puno wird es nachts eisig kalt, wie auch tagsüber, wenn man sich im Schatten aufhält. Es ist von der Jahreszeit schon später Herbst. Zum Glück haben wir unsere Daunenschlafsäcke dabei. Leider ist das Mittag- und Abendessen in den Städten nicht in unserem Reisepreis miteingeschlossen, sodass Leo und ich ausgestattet mit unserer Taschenlampe auf der Suche nach einem Restaurant sind. Die Straßenbeleuchtung ist auch schon ausgeschaltet. Im ersten Restaurant sitzt kein einziger Gast. Sieht ein wenig trostlos aus. Wir gehen weiter und sagen uns, das beste Essen bekommt man da wo viele Einheimische speisen. Das haben wir auf unseren Reisen in andere Länder erlebt. Und tatsächlich, wir entdecken ein Restaurant, das zwar schlechte Luft hat durch den vielen Zigarettenqualm, aber irgendwie eine tolle Atmosphäre. Wir finden noch einen kleinen Tisch und als wir uns umschauen, stellen wir fest, dass wir die einzigen Touristen sind. Anhand unseres Dictionary können wir in etwa die Speisekarte verstehen. Wir bestellen eine peruanische Sopa (Suppe) und eine gebratene Forelle aus dem Titicacasee. Die Suppe war köstlich. Endlich stellt sich ein warmes, wohliges Gefühl in unseren frierenden Körpern ein. Dann kam die gebratene große Forelle mit guten Dampfkartoffeln. Es ist eine köstliche, ausgezeichnete Speise. Dazu trinken wir ein herrlich schmeckendes Bier. Leo und ich lassen noch einmal den Tag Revue passieren und wer erscheint plötzlich, wie aus dem Nichts? Unser Reiseleiter Herr Müller kommt direkt an unseren Tisch und sieht uns fragend an. „Haben sie die berühmte Forelle hier aus dem See gegessen?“ „Gibt es etwas Köstlicheres?“ ist unsere Antwort. Gut gelaunt zotteln wir in unser Hotel. Kein Licht im Hotel, auch nicht in unseren Zimmern. Kein Wasser zum Zähneputzen, dafür versinkt Leo vor dem Waschbecken mit dem rechten Fuß in den Fußboden. Auch die Holzplanken vor meinem Bett geben bei Belastung ein Stück nach. Hier müsste unbedingt investiert werden! Wir kriechen in unsere Schlafsäcke unter die Bettdecke und versuchen zu schlafen. Leider gelingt das nicht. Unser Zimmerfenster liegt direkt in Richtung des Sees und der kalte heftige Wind bläst so stark, dass sich das Fenster immer wieder öffnet. Die Schließe ist defekt. Ich bekomme dann eine Wut im Bauch und verklebe das ganze Fenster mit mehreren Streifen Hansaplast (habe ich immer für alle Fälle dabei) zu. Jetzt können wir weiterschlafen.

Tag 21: Ausflug zu den schwimmenden Inseln

Kalter Morgen, das Frühstück ist nicht überzeugend. Wir wollen heute mit einem Motorboot zu den schwimmenden Schilfinseln der Uro-Indianer fahren. Ein Inkaherrscher hat diese Menschen als ein „wahrhaft faules Volk“ bezeichnet und ihnen nur zum Zweck der Beschäftigung befohlen, monatlich ein Rohr voll Flöhe zu sammeln und abzuliefern. Viel Fleiß verwenden ihre Nachfolger (die Uro selbst sind 1958 ausgestorben und die Aymora-Indianer sind an ihre Stelle getreten), allerdings heute noch auf die Herstellung der charakterischen Schilfboote.

Die schwimmenden Inseln bestehen aus dickem Schilf das die „Uros“ geschickt zu stabilen Flechten zusammengeschnürt haben. Beim Betreten dieser Inseln beschleicht mich ein komisches Gefühl. Hier kann man wirklich wohnen, essen, Kinder bekommen? Zuerst sehen wir uns um, Kinder stehen in Position zum Fotografiert werden, Erwachsene ducken sich. Verständlich denke ich, wenn man jeden Tag von fremden Menschen fotografiert wird. Ein absolut beängstigendes Gefühl beschlich mich, als ich etwas länger auf einem Fleck stehe, um zu beobachten und zu fotografieren und dabei fast knöcheltief im Binsenboden versinke. Trotzdem habe ich das Gefühl, die Uros leben in perfekter Symbiose mit dem See. Sie leben auf künstlichen Inseln aus meterdicken Binsenschichten. Ihre Hauptnahrung besteht auch aus Schilf. Der Schilfstengel wird aus dem Wasser gezogen und der untere Teil wird gegessen. Soll wie eine Mischung aus Spargel und Champignon Pilzen schmecken. Natürlich leben sie auch vom Fischfang. Wir sehen auch getrocknete Vögel oder waren es Enten die ausgebreitet auf den Binsen lagen. Die Nachkommen sind, wie alle Indios des Altiplano christlichen Glaubens und besitzen ein religiöses Zentrum in San Pedro de Huata am nördlichen Ufer des Sees, wo sie auch heute ihre Toten bestatten. Die Uros besitzen eine vollendete Technik in der Herstellung von Booten aus Binsen, auch Tutoras genannt. Auch ihre Häuser auf den Inseln bestehen aus Binsen.

Nach der Rückkehr von den Uro-Indianern schau ich über den Titicacasee. Die Landschaft ist großartig mit der bolivianischen Vulkankette am Ostufer. Wir kaufen uns für die anschließende Busfahrt nach Sillustani in Puno noch etwas zu essen. Die Halbinsel liegt von Puno aus 31 km entfernt. Auf einer gut befestigten Straße erreichen wir die Halbinsel am Umaya-See, auf der sich die „Chullpas“ vom Sillustani befinden. Die größte Chullpa hat eine Höhe von 12 m. Daneben stehen aber auch unvollendete oder halb zerstörte. Es weht dort zu unserer Zeit ein eisiger, kräftiger Wind, sodass wir nicht viel Lust haben diese Baudenkmäler näher anzusehen.

Chullpa ist ein Aymora-Wort und bedeutet „Begräbnisturm“. Bis in welche Zeit die Entstehung dieser eigenartigen Monumente zurückreicht, ist nicht bekannt. Doch haben in ihnen die Indios schon lange Zeit vor der Inkaherrschaft ihre Häuptlinge bestattet. Cieza de Leon berichtet bereits 1560 schon darüber: Er schrieb: Überall in der Nähe der Ortschaften konnte man die Grabstätten der Indianer sehen, die wie Türme erbaut waren, einige aus Stein, andere aus Stein und Lehm, einige innen geräumig, andere eng. Die am besten erhaltenden und mächtigsten Chullpas sind die auf der Halbinsel Sillustani.

Wir fahren zurück nach Puno zu unserem Hotel. Leo und ich genießen noch den wunderschönen Sonnenuntergang am Titicacasee, bevor wir wieder in unser „Stammlokal“ zum Forellenessen gehen. Zurück vom guten Essen brennt im Hotel wieder kein Licht mehr, auch nicht in unserem Zimmer. Kein fließend Wasser zum Zähneputzen oder eine Toilettenspülung. Ist schon ein eigenartiges Hotel. Aber die Saison ist zu Ende. Das Fenster bleibt geschlossen, dank meines Pflasters. Wurde auch nicht vom Personal entfernt. Hoffentlich haben wir genug Ersatzbatterien für unsere Taschenlampen dabei.

Tag 22: Ruinenfeld Tiahuanaco mit dem berühmten Sonnentor

Wieder Seesack packen. Auf den Fußboden achten, damit wir uns die Füße nicht verletzen, das wäre für die kommenden Tage fatal. Frühmorgens verlassen wir heute Puno, fahren auf Schotterpisten entlang des Sees, der halb mit Schilf zugewachsen ist. Kühe stehen bis zum Bauch im Wasser, und Indios rudern in ihren Schilfbooten vorbei. Öde Hochebene. Wir fahren über die Orte Juli und Pomata, wo wir uns noch schöne barocke Kirchen anschauen, erbaut von Aymara-Indianern. In diesem letzten Dorf dürfen wir noch eine Fiesta miterleben. Spanisch anmutende Bekleidung, es wird laut getrommelt und geblasen. Es klingen die Kastagnetten und Gitarren. Die Damen drehen sich in ihren weiten bunten Röcken mit vielen Rüschen, angelehnt an die spanischen Flamenco Tänzer. Jung und alt ist mit dabei.

Es geht weiter. Wir erreichen das kleine Dörfchen Desaguadero, an der Grenze zu Bolivien. Bevor wir am Seeufer des Titicacasees Copacabana unser Nachtquartier beziehen werden, wollen wir noch das berühmte Ruinenfeld von Tiahuanco, Zentrum einer Kulturepoche um 800 nach Christus mit dem berühmten Sonnentor besuchen.

Ich freue mich auf Copacabana (nicht in Rio, Brasiliens sondern in Bolivien) und auf die Ruinenstätte Tiahuanaco. Vielleicht noch ein weiterer Höhepunkt unserer Reise. Tiahuanaco liegt 60 km von La Paz, Hauptstadt von Bolivien entfernt auf 3842 m Höhe. Tiahuanco ist in vieler Beziehung eine der berühmtesten und interessantesten Ruinenstätte Südamerikas. Eine Stadt wie Pachacamac am Atlantik (haben wir am Anfang der Reise besucht) ist sie jedoch nie gewesen, sie war eine Kultstätte, ein Wallfahrtsort. Leider ist sie aber auch die von Spaniern am meisten zerstörte alte Kultstätte Südamerikas. Ihre Trümmer und davon sahen wir recht viele, geben uns dennoch hinreichende Beweise ihrer früheren Größe. Jetzt zu unserer Besuch Zeit sieht sie sehr gepflegt aus, was zuvor nicht der Fall gewesen sein soll. Die Bewohner von La Paz und umliegende Dörfer haben sich an den Steinblöcken bedient. Diese Ruinenstätte diente den Bolivianern als ergiebiger Steinbruch. Die Ruinenstätte Tiahuanaco liegt in einer Region auf immerhin 3842 m Höhe, die man das „Tibet der neuen Welt“ genannt hat. Es ist eine weite, ungeschützte Ebene, die sowohl in der nassen wie auch in der trockenen Jahreszeit sehr kalt ist. Um die Mittagszeit wird das Land durch die intensive Sonnenbestrahlung sehr stark erwärmt, sodass wir darüber sehr froh sind. Die Ruinenstätte hat eine riesige Ausdehnung. Es wird angenommen, dass an der Erbauung der Stadt zwei aufeinanderfolgende Kulturen beteiligt gewesen sind. Über die Entwicklung von beiden liegen keine Berichte vor. Die Anlage zeigt deutlich eine Gliederung in drei Bezirke. In der Nordwestecke der Kalasasaya steht das bekannte Monument Tiahuanacos: das Sonnentor. Es ist mit herausgemeißelter Türöffnung aus einem einzigen Andesitblock von 3 mal 3,75 m gehauen und hat ein Gewicht von schätzungsweise 7 bis 10 Tonnen. Seine östliche Seite ist mit einem die ganze obere Breite bedeckenden Flachrelief verziert. Die mittlere, auf einem Sockel stehende Figur des Frieses wird als der Sonnengott gedeutet. Seinem Haupte entspringen mehrere Strahlen, von denen einige in kleinen Jaguar und Pumaköpfen enden. Der Jaguar verkörpert den Nachtgott und somit auch den Mondgott. Tränen laufen über sein Gesicht als Symbol des Regens und der Fruchtbarkeit. Der Sonnengott hält Zepter in den Händen, die in Kondorköpfen auslaufen. Über der Türöffnung sind in einem Mäanderband stilisierte menschliche Gesichter dargestellt, dessen Augen „geflügelt“ sind. Man hat sie als Sinnbilder einer fliegenden Bewegung erklärt, die wiederum die Zeit zum Ausdruck bringen soll.

Als wir vor diesem Sonnentor stehen, konnten wir die eben beschriebenen Bilder nicht wirklich wahrnehmen. Sie sind schon sehr verwittert. Dafür hat uns unsere Tochter May-Britt eine riesengroße Überraschung und Freude zu Weinachten 1980 gemacht. Sie hat mit viel Geduld dieses beschriebene Relief vom Sonnentor in schwarzer Tusche und Zeichenpapier umgesetzt und eingerahmt in einen großen Alurahmen. Es ist so präzise und schön dargestellt, dass Leo und ich vor Freude geweint und unsere Tochter fest umarmt haben. Es war ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk. Tiahuanaco war sicherlich über eine große Zeitspanne hinweg ein bedeutender Wallfahrtsort, eine „Art Mekka im höchsten Hochland“ an dem sich jährlich endlose Scharen von Pilgern einfanden, um hoch oben auf dem Altiplano am Rande gigantischer Eisriesen ihren Göttern zu huldigen.

Diese Ruinen von Tiahuanaco waren für mich die schönste und Eindrucksvollste neben Machu Picchu. Ich mag diesen stilisierten Steinmetzstil. Er hat mich an Abbildungen in Bilderbänden von Kolumbien und Mexico erinnert. Ein weiterer Traum vor dem berühmten Sonnentor zu stehen, ist in Erfüllung gegangen.

Copacabana

Am späten Nachmittag erreichen wir den Wallfahrtsort Copacabana auch am Titicacasee gelegen und beziehen unser Hotel. Von hier haben wir einen wunderschönen Blick auf den ruhigen See und im Hintergrund leuchten die gewaltigen schneebedeckten Eisriesen.

Bevor es richtig dunkel wird, beschließen Leo und ich zum nahegelegenen Cerro Calvasio (Kalvarienberg) zu wandern. Es ist ein halbstündiger etwas mühsamer Aufstieg in 4018 m Höhe, vorbei an 14 wunderschön ausgearbeiteten Kreuzstationen. Jedes Jahr im Juni findet hier ein Ahnenkult statt. Die Bewohner bringen für ihre verstorbenen Angehörigen Blumen mit und legen diese zu Füßen des gekreuzigten Jesus Christus.

Tag 23:

Heute Morgen werden wir Copacabana verlassen, wollen uns aber bei warmem Sonnenschein noch ein wenig diesen hübschen Ort anschauen. Wir schlendern noch durch die Gassen zur schönen spanischen Kathedrale. Übrigens trägt der Ort Copacabana auf ungeklärte Weise den gleichen Namen wie der berühmte Strand der Welt im Schatten des Zuckerhuts von Rio. Womöglich hängt das mit der wundertätigen Jungfrau von Candelaria zusammen, die hier seit dem 16. Jahrhundert von Pilgern verehrt wird. Sie steht in der im 17.Jahrhundert erbauten Wallfahrtskirche. In ihrem mächtigen, von Weihrauch erfüllten Schiff, bewundern wir einen prachtvollen Hauptaltar aus Gold und Silber.

Vor dem großen Platz der Kathedrale warten viele neu angemeldete Motorräder und Kleinwagen mit ihren Besitzern. Der Priester kommt aus der Kirche raus und segnet die Fahrzeuge mit Weihwasser. „Das ist in diesen katholischen südamerikanischen Ländern Tradition“, meint Leo. Nach diesem Erlebnis fahren wir mit einem offenen kleinen Motorboot zur berühmten Sonneninsel. Der Fahrtwind ist sehr kalt, auch mir ist kalt, sodass ich die Bootsfahrt hier auf dem Titicacasee nicht so richtig genießen kann. Titica war ursprünglich der Name der Sonneninsel, er wurde dann später die Bezeichnung für den ganzen See. Dies war der Platz, an dem der Schöpfergott Viracha Sonne, Mond und die Urbilder der Menschen schuf und wo der Sonnengott zum Himmel emporstieg. Sicherlich war die Insel schon lange, bevor die Inkas kamen, heiliger Boden. Immer neue Mythen und Sagen entstanden um das Eiland. Auf der Insel sehen wir leider nur Überreste des Sonnentempels und des Jungfrauenklosters. Auf den Uferterrassen steht noch der halbverfallene Palast, er wird Pilcocayma genannt und soll von dem Inka Tupac Yupanqui erbaut worden sein. Von hier öffnet sich uns einer der schönsten Blicke über die Landschaft mit der Krone der Anden, dem PiIlilampu (6447 m) und der Halbinsel Copacabana.

La Paz – Hauptstadt von Bolivien

Unsere Reisegruppe freut sich aber schon auf La Paz. Nach der Besichtigung der „isla de sol“ müssen wir in diesem inzwischen liebgewonnene See Abschied nehmen. Um nach La Paz zu kommen überqueren wir den See mit einer Fähre. Unser Bus wird zuerst separat auf ein kleines Fährboot verladen. Wir schauen vom Ufer noch zu und sind in Sorge, ob alles gut geht, denn mit ziemlicher Schlagseite fährt es in Richtung das für uns nicht sichtbare bolivianische Ufer.

Auch wir besteigen ein kleines, offenes Fährboot, das uns durch die Seeenge von Tiquina nach Copancara bringt. Wir stehen dicht gedrängt mit vielen Bewohnern dieser Umgebung und hoffen trotzdem, dass wir sicher das andere Ufer erreichen werden.

Die Halbinsel von Tiquina teilt den Titicacasee in zwei Hälften, die durch eine schmale Durchfahrt miteinander verbunden sind. Die eine Hälfte gehört zu Peru, die andere zu Bolivien.

Unser Busfahrer wartet schon auf uns und wir fahren durch ödes, braunes Land und staubige Dörfer, bis nach gut vier Stunden El Alto (der Hohe) der Airport von La Paz auftaucht. Mit 4100 m ist er der höchste Zivilflughafen der Welt. Und dann plötzlich erblicken wir in der Tiefe in einem Talkessel das Häusergewirr von La Paz: Indiolehmhütten an den Kraterrändern und moderne Hochhäuser an den Schachbrett-Avenidas im Zentrum. Was für ein Kontrast. Unser Hotel ist das „Eldorado“ in der Avenida Villazan, mitten im lauten, turbulenten Stadtzentrum und trotzdem fühlen Leo und ich uns hier wohl, wieder in einer richtigen Stadt zu sein. Ich mag Hochhäuser. Ich mag diese gen Himmel aufstrebende Architektur und denke dabei an Menschen, die in ihrem Job nach oben streben, die neugierig, wissbegierig für neue interessante Aufgaben, die zielstrebig und abenteuerlustig sind.

Zum Empfang bekamen wi im Hotel gleich warmen Tee mit Coca-Blättern serviert, um den Kreislauf in dieser Höhe, (La Paz ist die höchstgelegene Stadt der Welt) zu stabilisieren.

Trotz des dichten Verkehrs mit oft sehr alten Autos sind uns stimmungsvolle Fotos ganz besonders bei Sonnenuntergang gelungen. Wunderschöne Blumen, viele große bronzene Standbilder, dazwischen Geschäftsleute in altmodischen schwarzen Anzügen, gemütliche Restaurants. Alles wirkt aber auch zugleich sehr sympathisch. 

La Paz ist eine verkehrte Stadt. Wo normalerweise die schicken Viertel der besseren Luft und des Ausblicks wegen möglichst hoch über dem mit Autoabgasen belasteten Luft liegen, befindet sich diese im Tal. Zwischen den Indiovierteln am oberen Rand und den vornehmen Wohngebieten liegen gut 600 m. Hier ist die gute, weil dichtere und damit sauerstoffreichere Luft unten. Gegründet wurde La Paz 1548 vom spanischen Kapitän Alonzo de Mendoza.

Tag 24:

Am Vormittag unternehmen wir eine Stadtbesichtigung mit unserem deutschen Reiseleiter. Er kennt sich mit La Paz gut aus, wie er sagt. An der Plaza Murillo steht der Präsidentenpalast Palacio Presidencial, besser bekannt als Palacio Quemado, der verbrannte Palast, sagt man hier. Der Geduldsfaden der Bevölkerung mit den unfähigen Politikern war endgültig gerissen, und es genügte nur ein Funke und der Präsidentenpalast stand in Flammen.  Normalerweise kommt ein Feuer in dieser sauerstoffarmen Luft nicht weit. Der Palast wurde in dem hübschen italienischen Renaissancestil wiederaufgebaut. Neben diesem Palast steht das Abgeordnetenhaus (Kongress) und die relativ moderne Kathedrale. Die sehenswerte Kirche dieser Stadt ist die Hauptkirche des Klosters San Francisco. Sie wurde 1748 im Barockstil vollendet und ist von einem aparten Kuppelturm gekrönt. Unser Spaziergang führt dann weiter südlich in ein hübsches Wohnviertel zum Mirador de Sopcachi zum Ausblick in den Monticulo Park und des fremdartig wirkenden Mondtales mit dem Kakteengarten. Von hier haben wir einen fotogenen Ausblick auf die Stadt im Tal und auf den 6447 m hohen Illimani mit seinen leuchtenden, verschneiten Spitzen. Nach Beendigung dieser Besichtigungen stand uns der angebrochene Tag noch zur freien Verfügung. Leo und ich verspüren irgendwie Hunger und sehen uns nach einem Restaurant um. Kurz entschlossen sind wir in die Avenida 16 de Julio in ein empfohlenes chinesisches Restaurant gegangen. Hier gibt es eine englische Speisekarte und wir genießen die herrlichen frischen Frühlingsrollen, danach wie auch in Deutschland üblich gebratene Nudeln mit Entenfleisch und Gemüse. Wir kaufen außerdem noch Postkarten, um Grüße nach Hause zu schicken. „Du Leo, ich möchte mich auf dem Indiomarkt etwas umsehen und vielleicht kleine Mitbringsel kaufen.“ Ich handel um den Preis eines kleinformatigen Pumas aus Speckstein, zwei wunderschön verzierte Kürbisse, eine Keramikflöte in Gestalt einer Kuh. Das Handeln macht Spaß und ich erstehe einen Poncho für May-Britt und einen für mich. Dazu drei Pullover aus Lamawolle und noch einmal eine Quenas eine C-Flöte. Wir sind zufrieden und die Indiofrauen auch. Was uns noch fehlte war ein echtes Musikinstrument. In einer Seitengasse entdecken wir ein Geschäft mit auserlesenen Musikinstrumenten. Wir kaufen eine „Charango“ eine kleine Mandoline dessen Resonanzkörper aus dem Panzer eines Gürteltiers ist. Kurios aber wirklich wahr, zu Hause sind die Borsten eine Zeit lang weitergewachsen. Wir erhalten eine Rechnung und ein Zertifikat für die Ausfuhr des Instruments. Wer von uns beiden auf diese Idee gekommen ist weiß ich heute nicht mehr. Vielleicht haben wir an May-Britt gedacht, die Gitarre spielen konnte.

Am späten Nachmittag wollen Leo und ich uns für unser Abendessen Brot und Käse besorgen und nicht ins Restaurant gehen. Tags zuvor haben wir in einer Straße einen Bäcker und einen Käseladen entdeckt. Vorbei an der Plaza Murillo dem Präsidentensitz sehen wir Blumen an einem Laternenpfahl. Was hat das zu bedeuten? Wir lesen in unserem Reiseführer nach. 1996 wurde Jualberto Villaroel von Menschen, die nicht mit seiner Politik einverstanden waren, direkt von seinem Amtssessel aus an diesem Laternenmast aufgehängt. Was für ein Schicksal. Wir bleiben stehen und gedenken ihm. Als wir in die Straße zum Bäcker gehen, werden wir von zwei Polizisten angehalten. Sie halten den Lauf ihres Maschinengewehrs gegen unseren Bauch und sagen etwas auf Spanisch, was wir natürlich nicht verstehen, aber ihre Gesten, deuten an, dass unser Weitergehen nicht erwünscht ist. Werden hier in der Straße Oppositionelle und sonstige unangenehme Leute wohl gesucht, haben wir uns gefragt? Wieder ein abenteuerliches Erlebnis. Ein mulmiges Gefühl war es wohl. Wer von uns beiden wird zuerst erschossen, wir haben uns doch so sehr auf den schmackhaften Käse gefreut? Nein, in solchen Situationen muss man einfach cool bleiben habe ich gedacht. Was essen wir nun zu Abend? Also suchen wir weiter und kommen auf einen sehenswerten Inkamarkt. Das Angebot ist erstaunlich: Altes und Neues, wahrscheinlich auch Diebesgut und Schmuggelware, aber auch gute verschiedene Obstarten. Aber was uns in Staunen versetzt hat, waren die vielen getrockneten Lama Föten in Pappkartons. Was hatte das denn wieder zu bedeuten? Wir sind in Südamerika einer uns so fremden Welt. Diese Lama Embryos werden beim Hausbau in alle vier Ecken eingemauert und bieten dem Aberglauben nach, Schutz vor bösen Geistern. Foto verboten deuten die Indios uns an, wir vertreiben damit wohl den Zauber. Viele Einwohner dieser Stadt, so bemerken wir, sind Indios, die am liebsten in ihrer traditionellen Tracht einher spazieren, wie wir auf dem Markt feststellen. Besonders auffällig sind die Frauen gekleidet. Über derben Sandalen wogt ein Meer aus langen Röcken (Palleros genannt) oft fünffach in knallbunten Farben. Über dem Rücken tragen sie ein kostbar gewebtes Tuch, das vorn vor dem Bauch verknotet wird. Es dient als Trage für ihre zappelnden kleinen Indiokinder. Gekrönt wird das Ganze durch einen Stroh- oder Bowlerhut. Die schwarzen Haare sind oft, was ich sehr schön finde mit farbigen Bändern zu Zöpfen geflechtet. Fast so wie die Tibeterinnen in Nepal ihre Haare tragen. „Haben wir eigentlich genug Filmmaterial“ fragten wir uns immer wieder? Unsere Superreise ist noch nicht zu Ende, denn die nächsten Tage (25. – 28. Tag) – einschließlich An- und Abfahrt haben wir für einen Aufenthalt, als Ausklang dieser Reise in die fantastische schöne Condoriri Gruppe, der Königskondillere vorgesehen.

Einige Mitreisende haben sich für die „Jungas“ die tropischen Regenwälder entschieden. Zu Leo sage ich: „Was meinst du? Sollen wir es noch einmal wagen und in die Berge gehen?“ Innerlich war es mein Wusch. Es soll aber in 4700 m Höhe gezeltet werden“ Wir fühlen uns akklimatisiert, weil ja La Paz immerhin auf 3800 m Höhe liegt. Leider haben wir keinen Daunenanorak, aber jeder von uns hat eine Daunenweste, dazu die in Peru gekauften Alpacca-Pullover und die zwei aus Lamawolle gewebten Ponchos. Wir entschließen uns für die Wanderung, obwohl wir der Meinung sind, dass die Jahreszeit hier in Südamerika schon weit fortgeschritten (herbstlich) ist, was wir ja bereits am Titicacasee deutlich zu spüren bekommen haben.

Also heißt es wieder Seesack packen. Wanderung in der Condoriri-Gruppe der Cordillera Real.

Tag 25 – 27:

Am nächsten Morgen nach 3-stündiger Fahrt über das Hochplateau wandern wir anschließend mit Lamas als Tragetiere und Begleitpersonal nach etwa 2 Stunden zu einer herrlichen Lagune, an deren Ufer in 4700 m Höhe die Zelte aufgestellt werden. Um uns herum sehen wir die Gipfel des Mirador 5100 m und den Cerro, auch linker Talwächter mit 5300 Metern genannt. Keine andere Reisegruppe ist hier zu sehen. Es herrscht rund herum eine Ruhe, die Seele baumeln lassen kann und sich fragt, ist das, was du hier bisher alles gesehen und erlebt hast wirklich wahr? Es tut gut sich hier oben in der klaren kalten Luft aufzuhalten. Nächten Morgen die Überraschung! Wir steigen aus unserem Zelt und sehen mit Erstaunen Schnee. Unser Lager ist über Nacht vollkommen eingeschneit. Jetzt sind wir die weiße Condillera. Oberhalb des Berges kommen die Hirten mit ihren Lamas herunter und unsere Begleiter unterhalten sich mit ihnen. Es ist ein Wintereinbruch, es wird weiter schneien. Drei ambitionierte Bergsteiger aus München sind sehr enttäuscht und traurig. Sie wollten noch den 5100 m hohen „Mirador“ besteigen. Die Ausrüstung war vorhanden. Der Traum war aus, gestorben. Wir bauen mühsam unsere Zelte ab und wandern zur Straße, wo uns ein Bus wieder nach La Paz hinunterbringt. Leo und ich sind zwar sehr traurig, aber im Hotel freuen wir uns auf eine warme Dusche. Auch die  kleine Reisegruppe, zu den „Jungas“ mussten ihre Träume wegen Schneelawinen auf den Straßen frühzeitig aufgeben.

Tag 29: Diese Tage stehen uns jetzt in La Paz noch ganz zur freien Verfügung, weil wir die Bergtour unterbrechen mussten. Leo und ich schlendern durch die Stadt und gehen zum Mittagessen wieder einen Berg hinauf in das chinesische Restaurant. Kaufen für den Abend Brot, Käse und Obst in der nicht mehr abgesperrten Gasse und packen zum letzten Mal unseren Seesack für den Rückflug nach Deutschland.

Tag 30- 31:

Wir fliegen wieder mit der Lufthansa. Transfer zum Flughafen El Alto. Bei der Handgepäckskontrolle wollte ein Zollbeamter wissen, was in dem gut verpackten, länglichen Etwas drin ist. „Eine Charango“ sagen wir, „hier ist die Ausfuhrbestätigung und die Rechnung“. Aber damit wollte er sich nicht zufriedengeben. „Bitte packen sie den Gegenstand aus“, sagt er auf Englisch zu uns. Ich gehe zu unserem Reiseleiter, der gut spanisch spricht zum Vermitteln. Herr Müller fragt uns, ob wir 20,0 US-Dollar hätten. „Ja die habe ich“, antwortete ich. Also gehen wir gemeinsam mit dem Zollbeamten in einen kleinen Raum, packen das Musikinstrument vor den Augen des Beamten aus. Große Augen des Beamten, aber mit 20,00 Dollar Bestechung war er einverstanden. Überall auf der Welt das gleiche Thema, ob in Asien oder in Afrika. Wir waren schon daran gewöhnt. In Frankfurt sind wir gut gelandet und freuten uns auf unsere Tochter May-Britt, der wir viel zu erzählen hatten.

Schlussworte:

Ein Lob an Hauser International aus München, die mit sehr guten Organisationen in Peru und Bolivien zusammengearbeitet haben.

Allerdings hätten wir bei den vielen wichtigen, höchst interessanten Kunststätten gerne kompetente, einheimische Führer für die Erklärungen gehabt, besonders für Machu Picchu. Aber das Argument der Fa Hauser lautete: „Die örtlichen, unverschämt teuren Führer stellen vielfach vage Vermutungen als Wahrheiten dar oder erfinden nett anzuhörende Geschichten. Wir haben uns daher aus Kosten-Ersparnis-Gründen entschlossen, keine lokalen Führer anzumieten. Wir sollten uns deshalb mit der Literatur der Inkakultur schon vorher befassen, was auch die meisten wie wir getan haben.

Fazit unserer großen, anstrengenden, hoch interessanten und erlebnisreichen Reise: Es war eine äußerst homogene Reisegruppe. Alle waren motiviert und gut trainiert. Kein Meckern und kein Hadern. Mit dem Single Manfred Haas aus Stadtbergen bei München haben wir bei uns zu Hause Dias angeschaut und über die Höhepunkte der Reise lange Gespräche geführt.

Jede Reise bringt einen Menschen weiter, man kommt nie so zurück wie man losgefahren ist. Man wird reifer, toleranter und vielleicht auch ein bisschen weiser.