Reisen und Erleben – Die große Tierwanderung (Ostafrika 1982)


Es ist das Jahr 1982 die Elefanten trompeten mit ihren langen Rüsseln: „Kommt uns doch einmal wieder besuchen.“ Seit unserer letzten großen Reise 1970 sind 12 Jahre vergangen. Wo waren wir in all den Jahren? Die Berge haben uns gerufen: Bergwandern in den Alpen, Dolomitenwanderungen, Urlaub auf der Blumeninsel Madeira und zwei lange, anstrengende Wanderungen im Kaschmir und Ladakh, auch Kleintibet genannt.

In einer Buchhandlung in Heidelberg habe ich durch Zufall ein Buch von Robert T. Orr über Tierwanderungen entdeckt. Da erinnerte ich mich an Ostafrika mit unermesslichen Wildtierherden in Kenia und Tansania. An die weltberühmte „Great Migration“, große Tierwanderung. „Du Leo, hättest Du nicht wieder Lust auf Safari in Ostafrika zu gehen?“, fragend schaue ich ihn an. Erinnerst Du dich noch an die frühmorgendlichen Pirschfahrten, an die Schneeweißen Kuhreiher, die sich auf ihren Schlafbäumen regen, an goldfarbene Impalaherden, die zum Wasserloch schreiten, an die wilde Schönheit des Leoparden und die Eleganz, die schwerelosen Bewegungen eines Gepards und an die tauglänzenden Grashalme im Licht der aufgehenden Sonne? Ein paar Tage später sind wir schon im Reisebüro und buchen bei Tui eine siebentägige Rundreise „Kibo – Massai Safari“ in Kenia, vom 11. – 25. September inklusive einer Woche relaxen am indischen Ozean. Visumbeschaffung, Impfstatus überprüfen, Malariatabletten besorgen und ausreichend Füllmaterial einkaufen. 12. September 1982 und schon fliegen wir mit einer modernen DC 10 Maschine der Kondor von Frankfurt nach Mombasa. Auf der morgendlichen Fahrt zu unserem Hotel hat mich der rauchige Duft nach Feuerholz, obwohl ich den Geruch nicht mag, irgendwie, ich kann das nicht beschreiben, glücklich gemacht. Wie soll ich das erklären? Wie kommt es, dass man nie hoffen kann, die Gemütsbewegungen das Afrika auslöst, je zu beschreiben.

Massai-Mara Wildschutzgebiet – Mara Serena Lodge

Für den Weiterflug in das Massai-Mara Wildreservoir mit einer kleinen Maschine der Coast Air müssen wir aus Flugtechnischen Gründen das Safarigepäck auf maximal 10 Kilogramm pro Person reduzieren. So deponieren wir einen Koffer mit unseren restlichen Sachen im Hotel in Mombasa. Mit an Bord Frau und Herr Schüle und Frau und Herr Köster. Unser Pilot hat gute Laune und steuert die Propellermaschine sehr tief über den 5895 hohen Kilimanjaro mit der Schneebedeckten Spitze des „Kibo“. Ein großartiges, unbeschreibliches Gefühl. Erinnerungen von unseren Ostafrikareisen 1968 und 1970 werden wach.

Der kleine Buschflieger brummt über die scheinbar endlose Weite der Savanne. Über dem Propellerflugzeug ziehen Schäfchenwolken am blauen Himmel vorbei, unten machen Elefanten und Giraffen einen Spaziergang zwischen mächtigen Schirmakazien. Afrika hat uns wieder gepackt. Afrika ist ein Kontinent von gewaltigen Dimensionen. Der kleine Flieger landet auf einer Sandpiste. Staub wirbelt hoch. Unser Fahrer Hussan steht schon lächelnd neben unserem kleinen Safaribus und begrüßt uns mit „Jambo, Karibu“ auf Suaheli, „Guten Tag, Wilkommen“. Wir sind nur 6 Personen, jeder hat einen Fensterplatz. Das Dach kann für Pirschfahrten geöffnet werden. Eine Giraffe mit ihrem extravagenten, gezeichneten Fell schaut neugierig über die Krone einer Akazie. Eine Herde Impalas grast friedlich in der Savanne und immer wieder begegnen uns meine Lieblinge, die Dickhäuter. Unser Ziel ist die Mara Serena Lodge, die wir noch nicht kennen. Die vielen traditionellen, afrikanischen Rundhütten mit roten Lehmwänden liegen auf einem Hügel mit weitem Blick in die unendliche Grassavanne. In der Ferne leuchtet der Kilimanjaro. Zur Ausstellung gehörten noch ein kleiner Swimmingpool und eine künstliche Wassertränke. Kerosinlaternen hängen an den Türöffnungen. Die Einrichtungen dieser Lodge sind mit vielen traditionellen Massai Gegenstände wie Speere, Masken und Malereien an den Wänden ausgestattet. Hier können wir uns wohlfühlen. Seit unserer Abwesenheit von 12 Jahren haben wir wieder das Gefühl, dass das Afrika seit undenklichen Zeiten bei uns Reisenden ein tiefes Wiedersehen bewirkt, eine unerklärliche Sehnsucht zurückzukommen. Das Afrika, das noch immer das besitzt, was die übrige Welt verloren hat. Weite, Wurzeln, Tradition, Schönheit, unberührte Natur, seltene Tiere, außergewöhnliche Menschen, wie die Massai und Sambara. Das Afrika, das stets diejenigen anzieht, die noch zu träumen vermögen. Der Massai-Mara Nationalpark ist landschaftlich abwechslungsreich gegliedert mit weiten Weideflächen und mit baumbestandenen Höhenzügen. Der Park grenzt im Süden an die Serengeti und hat somit Teil an den Wanderungen der unübersehbaren Gnu-, Zebra- und Antilopenherden. Wir sind gespannt auf das faszinierende Naturschauspiel.

Nach dem Mittagessen erkunden wir mit unseren Kameras die Umgebung und fotografieren viele bunte Vogelarten. Am Nachmittag folgt unsere erste Pirschfahrt. Es ist kühler geworden, Wolken ziehen auf. Eine Elefantenkuh mit ihrem Nachwuchs grast ruhig im hohen Steppengras. Eine einzelne Giraffe, das höchste Tier der Welt, lässt sich bei ihrer Blättermahlzeit, einer Akazie nicht stören. Es ist wieder ein gewohntes, stilles Bild. Unser Fahrer Hussan hat einen ausgeprägten Spürsinn. Hoch oben in den Ästen einer Akazie schaut ein Prachtexemplar von Leoparden mit seinen grünen Augen auf uns herab, knurrt und faucht wütend, denn nicht weit entfernt liegt ein angenagter Körper eines kleinen Gnus. Normalerweise bringt die Katze das erlegte Tier in die Astgabel eines Baumes, um es vor anderen Raubtieren zu sichern. Haben wir mit dem Motorgeräusch unseres Wagens den Chui gestört? Wir gönnen ihm seine Abendmahlzeit und fahren langsam weiter. Beim Zurückschauen sehen wir aber schon eine große Geieransammlung am Riss und fahren weiter vorbei an einer großen Elefantenherde. Einer muss aber immer seine Stärke zeigen. Ein halbwüchsiger Elefant bleibt stehen, wir auch. Seine hochgestellten Ohren sollen sagen, halt bis hier hin und nicht weiter. Dieses Spiel kennen Leo und ich bereits. Gefährlich wird es erst, wenn ein Elefant dazu noch trompetet, mit den Füßen auf den Boden stampft und den Rüssel hebt. Dann aber heißt es schnell weiterfahren. Einer Impalaherde sagen wir noch gute Nacht. Im letzten Abendlicht schnaubt eine große Ansammlung von Flusspferden im seichten Wasser des Mara-Flusses. Heute Abend freuen wir uns auf ein gutes Abendessen. Es war ein sehr langer Tag. Nach dem Frischmachen und Umziehen öffnen wir die Bungalow Tür, schauen uns rechts und links um, ob die Luft rein ist, denn auf der Rückfahrt von der Pirschfahrt lag eine große Löwenfamilie auf unserem Hügel. Mit unseren Taschenlampen leuchten wir den Weg zu unserem Restaurant. Der Geruch des Essens steigt uns schon von weitem in die Nase. Hoffentlich behalten die Askaris, Wächter den Eingang des Restaurants gut im Auge, nicht dass die Löwen auch Appetit auf ein Kudu-Steak bekommen. Nach dem köstlichen Dinner begleitet uns ein bewaffneter Afrikaner zurück zu unserem Bungalow. Leo ist schon wieder beim Linsenputzen unserer Kameraobjektive. Ich schaue durch das offene Gitterfenster, sichte kein Raubtier, sehe am Firmament unzählige Sterne, sauge die kühle Nachtluft ein, und beruhigt und bewacht von 2 Geckos an der Decke, die uns mit ihren großen Augen anschauen, legen wir uns schlafen. Wir müssen vielleicht erst eine Stunde geschlafen haben, als uns ein heftiges, lautes Geräusch weckt. Was war das? Ich schaue Leo schläfrig an. Jetzt bemerken wir, dass der polternde Lärm von außen unter unserem Fenster kommt. Draußen spielt sich eine Tragödie ab. Ein Büffel wird von einem oder mehreren Löwen verfolgt. Da es dunkel ist, erkennt der Büffel die Hauswand nicht und rennt ständig mit seinem Kopf und dem schweren Gehörn gegen die Wand. Die Löwen haben ihn in die Zange genommen. Der Büffel muss irgendwann einen Weg zwischen den Bungalows gefunden haben, denn plötzlich ist es still geworden. Ich sehe noch einen Löwen, wie der den Berg hinunter trabt.

Da der heutige Tag der Höhepunkt unserer Safari seien wird, das Naturschauspiel der großen Wanderung oder das Drama am Mara Fluss werden wir erst nach einem ausgiebigen Frühstück eine Ganztagespirschfahrt antreten, ausgestattet mit einem Lunchpaket. Wir sind sehr gespannt und freuen uns, dieses faszinierende Naturschauspiel selbst zu erleben. Die Massai Mara umfasst ein riesiges Gebiet. Jede Fahrt mit unserem Safaribus ist eine Entdeckungsreise in unbekannte Welten – faszinierend schön, aber auch manchmal beklemmend grausam. Die Steppe wird zur Bühne mit ständig wechselnden Darstellern. Wir begegnen 5 Löwenjungen mit ihrer verspielten Neugier, sie sind die kleinen Stars. Dann sehen wir eine große Ansammlung von Geiern, die sich über ein halb-aufgenagtes Gnu heftig streiten. Im warmen Sonnenlicht entdeckt unser Fahrer Hussan eine Gruppe Hyänen im hohen Gras, die noch Ausschau halten auf ein gutes Frühstück. Und wieder setzen sich die eleganten Thompson Gazellen in Szene. Lustig anzuschauen mit ihren Schwänzen, die unaufhörlich hin und her wedeln.

Die unangefochtene Hauptrolle heute spielen jedoch die Gnus. Die Dürre der Serengeti treibt hundert tausende von Weißbartgnus, Steppenzebras, Gazellen und Tapis in die Massai – Mara auf der Suche nach Wasser und saftigen Weidegründen. Die Migration von über vielen Millionen Wildtieren beginnt – ein endloser Kreislauf und ein Kampf um Leben und Tod. Dicht an dicht ziehen die Herden hunderte von Kilometer durch die Savanne, die auf ihre Chance warten. Ein imposantes Naturschauspiel mit dramatischem Höhepunkt: die Überquerung des Mara- Flusses, dessen Fluten etliche Gefahren bergen. Kein Weg führt an diesem Fluss vorbei. Die Herden müssen die Wasserbarriere überwinden – oft mit fatalen Folgen.

Als wir die Uferböschung erreichen, stehen auf der anderen Flussseite bereits riesige Gnuherden. Einige schon ganz nah an der Uferböschung, andere noch grasend auf der Anhöhe. Spannung liegt in der Luft. Im Bus reden wir alle nur noch im Flüsterton. Warum überqueren die Gnus gerade hier den Mara Fluss. Ich weiß es nicht. Die Uferböschung fällt zu beiden Seiten steil ab, die Tiere müssen sich unter großer Mühe auf der anderen Seite den Abhang wieder hinauf kämpfen. Viele Krokodile lauern geduldig am Ufer und im Wasser. 10 Minuten vergehen, 20 … und dann plötzlich nach einer empfundenen halben Stunde wagt ein Gnu den ersten Schritt, ganz dicht an der Uferböschung. 2, 3, 4 weitere Tiere folgen. Schlagartig setzt sich die gesamte Herde in Bewegung und donnert wie eine Lawine die Uferböschung hinunter. Die nachfolgenden Gnus verschwinden in einer riesigen Staubwolke hörbar ist nur noch das Trampeln der Hufen, das aufschlagen ihrer Körper auf dem Wasser und das Schnauben ihrer Nüstern. Das Bild ist dramatisch. Hier offenbart sich der grausame Kampf ums Überleben.

Auf der anderen Uferseite stauen sich hunderte von Leibern, die versuchen das ersehnte Ufer zu erreichen. Wie gebannt verfolgen wir das Spektakel, ich würde eher sagen, das Drama. Wie viele werden überleben? Nach und nach kämpfen sich einzelne Gnus an den Leibermassen ihrer Artgenossen vorbei und schaffen es oft mit letzter Kraft wieder festen Boden unter ihre Hufen zu bekommen. Sie stolpern den Abhang hinauf und trotten erschöpft von dannen. Nachdem in Großteil der Herde bereits abgezogen und auf der Suche nach frischen Weideplätzen ist, zeigt sich, dass einige Tiere, vorwiegend sehr junge Gnus noch im Fluss schwimmen, oder im Schlamm feststecken. Sie alle werden wohl ein Opfer der wartenden Krokodile werden. Die Szenen und Bilder, die uns die größte Massentierwanderung der Welt bietet, werden wir nicht so schnell vergessen – ein unglaubliches Spektakel der Natur. Leo und ich sind völlig ergriffen davon live dabei gewesen zu sein.

Nachdem das letzte Tier am Horizont verschwunden ist, legt sich eine bedrückende stille über diesen Ort. Vor unseren Augen die Gnus, die an der Überquerung gescheitert sind, überwiegend sehr Junge Tiere. Dieses Drama hinterlässt bei Leo und mir einen bitteren Nachgeschmack. „So ist das eben in der Natur“, sagt unser Guide. Die natürliche Selektion fordert seinen Tribut, jedes Jahr aus Neue und das nicht nur an diesem Tag, 3-4 weitere Tage werden folgen.

Massai-Dorf

Um das erlebte Drama etwas zu vergessen, verspricht uns Husan einen Besuch in einem Massai Dorf. Ein wunderschöner Tapi steht auf einem Termitenhügel und hält Ausschau nach dem in der Ferne sichtbaren schwarzen Streifen, der dicht gedrängten Leiber unzähliger Gnus und Zebras. An einem ruhigen Schattenplatz, an einer großen, ausladenden Schirmakazie machen wir eine Lunchpause. Ich bin gespannt, ob das stolze Volk der Massai nach 12 Jahren Abwesenheit für das Fotographieren inzwischen Geld verlangt. Mit einem „Sapa“, dem traditionellen Gruß (das Worte habe ich mir gemerkt) habe ich gleich Kontakt zu den Menschen bekommen. Also doch. Mit dem ältesten Mitglied in diesem Dorf, handelt unsere Fahrer den Preis für das Fotografieren aus. So freundlich und aufgeweckt, wie die Massai 1970 im Ngorongoro-Krater begegnen uns diese Menschen nicht. Sie sind sehr zurückhaltend. Alle haben kahlgeschorene Köpfe. Erstaunlich, dass sie sich noch barfuß in dieser Landschaft bewegen. Die jungen, schönen Krieger fehlen in dieser Gruppe. Sie sind mit ihren Viehherden auf der Suche nach Weidenplätzen unterwegs. Diese schlanke, hochgewachsenen Massai, sind bekannt für ihr Unabhängigkeit, ihren Freiheitswillen. Ich hoffe, dass Leo nicht wieder auf die Idee kommt und einen Speer aushandelt. Im rot-orange farbenen Sonnenuntergang in der Grassavanne auf unserem Rückweg zu Lodge, stehen wir plötzlich mitten von 100 ruhenden Gnus, schnaubenden Zebras und Antilopen. Leo und ich wissen diese Augenblicke und Erlebnisse, wie es nur das ursprüngliche Afrika zu bieten hat zu schätzen. Afrika-Feeling pur! Nach dem köstlichen Abendessen an dem schön gedeckten Tisch, unterhalten wir uns noch mit Herrn und Frau Scheile. Sowie den Kösters über diesen Tag mit den vielen Höhepunkten unserer Safarireise. Mit den nächtlichen Stimmen des Buschlandes begleitet uns ein Askari zu unserem Bungalow. Wir fallen in den wohlverdienten Schlaf.

Lake Nakuru-Nationpark

Die Sonne sendet ihre Strahlen in unser afrikanisches Zimmer. Heute heißt es Frühstücken, Taschen packen, unser nächstes Ziel ist der Nakuru-See, Afrikas Vogelparadies. Der riesige Grabenbruch, der sich von Äthiopien bis nach Tansania hinzieht, ist an diesem Platz fast 30 km breit. An seiner Stelle liegt fast 1400 m hoch, Afrikas berühmtestes Vogelparadies, der Nakuru-see. ER ist seicht und selten tiefer als 1-2 m. Hier wimmelt es im brackigen, salzhaltigen Wasser. Von Algen, Plankton und winzigen Krebsarten, dem bevorzugten Futter 100000 Zwerg- und Rosaflagmingos. Auch Fische leben in dieser übelriechenden Brühe und wiederum ziehen Scharen von Kormoranen, Pelikanen, Marabus und Seeadlern an. „Welcome – Karibu – Lake Nakuru-Lodges“ begrüßt uns ein aufgehängtes Holzschild auf dem Weg zur Lodge. Diese ist traumhaft gelegen, mit weitem Blick in die Landschaft. Sehr gepflegt, mit vielen Blumen, Palmen, einer sehr großen Euphorbie. Liegestühle am Swimmingpool laden zum Sonnenbaden ein. Wir sind in dieser Lodge die einzigen Gäste und genießen die Ruhe in der fast paradiesischen Umgebung. Die achteckigen Bungalows, im Stil englischen Landhäusern nachempfunden, stehen am Rande einer großen Rasenfläche mit Akazien und Agaven. Aus Stein gebaut und innen mit Holz verkleidet. Die ausgesuchten Unterkünfte werden immer attraktiver. Bis zum Nachmittag mit unserer Prischfahrt haben wir noch viel Zeit und fotographieren in dieser herrlichen Umgebung die besonders hübsche, bunt gezeichnete Siedler-Agame, die sich auf einer Mauer im warmen Sonnenlicht bemerkbar macht und unsere Blicke auf sich zieht. An den Spitzen von Baumzweigen hängen die kugelförmigen Nester der kleinen goldfarbenen Webervögel. Zwei dreifarbige Glanzstarre umschwirren uns.

Auf der nachmittäglichen Prischfahrt fahren wir zuerst in die Akazienwälder und entdecken Wasserbüffel und Riedböcke. Ganze Familien von Warzenschweine rennen durch das Steppengras. Ein Leckerbissen für Löwen und Leoparden. Richtung Lake Nakuru sehen wir schon Wchwäreme von Flamingos auffliegen und in keilform über den See gleiten. Beim Näherkommen scheinen die millionen von Zwergflamingos einen rosa-farbenen Teppich zu bilden. Die Vögel haben eine hohe Fluchtdistanz und unsere Teleobjektive an unseren Kameras, reichen leider nicht aus, um einzelne zerbrechlich aussehende Flamingos zu porträtieren. Die ersten europäischen Störche sind auch schon eingetroffen. In dieser Höhe wird es nach Sonnenuntergang rasch kühl. Wir fahren zurück zu unserer wunderschönen Lodge. Nach einem sehr guten Abendessen sitzen wir wieder mit Schüle und Kösters bei einem Glas Wein unter Palmen und schauen auf den Sternklaren Himmel. Unser Alltag zu Hause ist sehr weit weg.

Unser Guide Husan hat uns versprochen, dass wir vor Sonnenaufgang noch einmal an das Ufer des Lake-Naturusee fahren, weil die nächste Übernachtung in Serena-Hotel in Nairobi sein soll.

Ein Sonnenaufgang am Ufer des Sees gehört, wie die „great migration“ zum eindrucksvollsten was man erleben kann. Der nachtdunkle Himmel färbt sich im Osten gelb und rosa, die feuchte Kälte steigt in dichten Nebelschwaden über das Wasser und das Schnattern der in Ufernähe ruhenden Vögel will nicht mehr aufhören. Dann wandert der Sonnenball über den Rand der Berge, die Uferlinien, das Wasser und die vielen tausenden Vögel. Die Natur erwacht zu neuem Leben. Wir sind ergriffen und beglückt zugleich. Leider müssen wir Abschied nehmen von den Flamingos und Pelikan und vielen anderen Vogelarten, wie auch von unserer herrlichen Lodge. Nach dem ausgiebigen Frühstück fahren wir auf dem Transafrika-highway nach Nairobi. Am Rande des Ostafrikanischen Graben genießen wir nochmal die grandiosen Ausblicke über weite Ebenen, passieren den Mount Lengomat, einen 2775 m hohen Vulkan und fahren in die rastlose hektisch, autohupende Hauptstadt Nairobi. Nach dem Mittagessen stehen uns die Stunden vor dem Dinner zur freien Verfügung. Leo und ich möchten die Gelegenheit wahrnehmen, um eventuell gute Makone-Schnitzereien zu kaufen. Am legendären geschichtsträchtigen New Standley Hotel vorbei, wollen wir uns in der „Afrika-Heritage“ in der Keniyatta Road umsehen. Dieses Geschäft bietet wirklich gutes Kunsthandwerk an. Wir erstehen kleine, unverkennbare, unverkennbar aus dem Afrikanischen Ebenholz geschnitzte, wunderschöne Figuren der Makonde (Volksstamm). Von größeren Souvenirs müssen wir abstand nehmen, denn morgen ist unser nächstes Ziel der Amboseli-Park.

Massai-Ambroseli-Wildschutzgebiet

Der Lärm der modernen Großstadt weckt uns schon früh. Die eingekauften Souvenirs müssen wir gut verpacken. 400 km staubige, holprige Pisten liegen vor uns. Den Grenzübergang Namanga, überqueren wir zum dritten Mal. Wir setzen unsere Fahrt weiter fort. Werden wir ein Abenteuer erleben? Die Kulisse im Amboseli bildet Afrikas höchster Berg, der 5895m. Ob uns diese Kulisse, wie ein Traumbild, wir unsere Besuche 1968 und 1970 liefert? Wenn uns der Wettergott gut gesonnen ist, bläßt er die Wolkenbänke vom „Berg der Götter“ weg. Ich werde wieder den Wecker stellen, damit wir am sehr frühen Morgen das Blinken des Eisdoms am Kibo noch oben am schon tiefblauen Himmel beobachten können. Wir erreichen die Amboseli-Serena Lodge. Ein stolzer Anblick. 50 Rundhütten, den Massai-Hütten nachempfunden, gruppieren sich vor dem von Wolken verhangenen Kilimanjaro. Auch hier sind die Zimmer mit Tierzeichnungen und Kalebassen an den Wänden ausgestattet. Ein Swimmingpool und eine Dachterrasse, sowie eine beleuchtete Tiertränke sind vorhanden. Leo und ich sind wieder unterwegs und fotografieren die wunderschönen Stauden, viele dreifarben Glanzstarre und Hornraben. Kleine Äffchen springen durch das Geäst der Schirmakazien. Nach dem Abendessen sitzen wir gemütlich auf der Terrasse. Ringsum uns senkt sich die Nacht herab und erfüllt die Luft mit ihren Tönen. Jedes Tier stimmt sein Instrument: das Quaken der Frösche, das schrille Zirpen der Grillen, das Gekreische der Affen, die durch die Bäume toben und in der Ferne hören wir das gedämpfte Muhen vieler Gnus, die in der Steppe grasen. Mit einem Sundowner in der Hand warten wir gespannt auf Besucher an der Tränke. Leider lassen sich an diesem Abend keine Tiere blicken. Wir gehen schlafen. Frühmorgens werden wir unsanft durch lautes Klopfen an unsere Zimmertür geweckt. Das soll heißen: „Wach werden, Aufstehen, auf Pirschfahrt gehen.“ Gähnen ziehen wir uns an und öffnen ganz vorsichtig unsere Tür. Ein Blick nach rechts und links, kein Tier ist zu sehen. Wir gehen in den Frühstücksraum, trinken einen heißen Tee, dazu gibt es wohlschmeckende englische Kekse. Vor dem Ausgang wartet schon unsere Driver auf uns. Etwas müde, aber voller Erwartungen starten wir in diese Morgendämmerung. AM Horizont kündigt ein rot-oranger, heller Farbstreifen den Tag an. Die Akazien stehen wie Monster in der Steppe. Die Sonne wird aber bald aufgehen, mich fröstelt es durch den kalten Fahrtwind. Die dunklen Wolken am Kilimanjaro lassen nun seine fast 6000 m erahnen. Wir fahren hinaus in die weite Ebene. Zebras und Gnus stehen noch halbverschlafen in kleinen Gruppen. Giraffen sind auf der Suche nach einem guten Blätterfrühstück. Die Augen der Hyäne blitzen in der Morgendämmerung. Wir mir scheint läuft ein männlicher Strauch schon eine Ewigkeit lang vor unserem Bus. Nach einem kurzen Sprint verlässt er den staubigen Weg, schlägt ein paar Hacken und verschwindet in den Busch. Der Strauß ist der größte und schwerste Vogel der Welt. Der Strauß kann nicht fliegen, dafür ist er ein hervorragender und ausdauernder Läufer. Jetzt aber freuen wir uns auf ein ausgiebiges Frühstück mit Rührei, Toast, Käse und vielen afrikanischen Früchten. Hussan wartet schon auf uns auf die nächste Prischfahrt am Mittag. Mungos flitzen durch unsere Beine. Leider ist der Himmel noch wolkenverhangen. Der Kibo ist darunter schon sichtbar geworden. Zwei einsame Büffel, ein Kudo mit ihrem Kalb und ein Nashorn begrüßen uns. Ein männlicher Löwe und ein Gepard schauen schon jetzt nach ihrer Abendmahlzeit auf eine in der Ferne sichtbare Zebraherde. Dann entdecken wir eine Löwin mit ihren drei lebhaften Jungen. Die Kleinen sind neugierig, kommen auf unseren Wagen zu, bleiben stehen und balgen sich. Das sind Fotos, die einen wirklich glücklich machen. Impalas, eine mittelgroße Antilope, sie ist unter der Bezeichnung Schwarzfersen-Antilope bekannt, versucht ein paar essbare Gräser in der ausgedörrten Savanne zu finden. Unmittelbar daneben im hohen Gras steht ein goldiges Pärchen Dik-Dik, die kleinste Antilope mit ihren großen dunklen Augen. Es wird Zeit für ein Mittagessen. Das Buschland flimmert unter der Mittagshitze. Bei einem gekühlten Drink unterhalten wir uns mit Herrn und Frau Schüle. Auch sie sind ständig auf Reisen. Bahnfahrt mit der Sibirischen Eisenbahn von Peking über die Mongolei bis nach Moskau, auch Brasilien und Kanadareisen waren interessant.

Nachmittagspirsch

An Fieberakazien mit gelbem Stamm und Dornbüschen vorbei, kommen wir auf die ausgedörrte Grassavanne. Vulkanische Staubböden, aus denen bizarr abgestorbene Bäume ragen, prägen das Landschaftsbild. Elefanten sehen wir leider nicht. Nur eine Elefantenkuh mit ihrem Winzling, dem es schwerfällt, seiner Mutter zu folgen. Vielleicht wartet die Herde irgendwo im Schatten einer Schirmakazie auf ihre Familienmitglieder. Seltsam was die Augen wahrnehmen. Neben einem alten Elefantenbullen trottet ein einsamer Büffel. So etwas haben wir bisher noch nie beobachten können. Hussan lenkt unseren Kleinbus zu einer kleinen Waldung. Plötzlich bremst er. Wir sind nicht vorbereitet und schwanken im Bus von einer Seite zur anderen. Was ist passiert? Vor uns liegen im Sand die Überreste eines Elefanten. Ein paar Meter weiter liegen abgenagt, von der Sonne gebleichte Knochen. Es ist ein grotesker Anblick, der sich uns bietet. Der Körper des Elefanten ist völlig in sich zusammengefallen. Die Stoßzähne fehlen. Wurde er von Wilderern erschossen? Beim genauen Hinsehen können wir in dem sandigen Boden noch Elefantenspuren entdecken. Zum ersten Mal in meinem Leben sehe ich nun etwas, das ich bisher nur gelesen habe. Elefanten erweisen den Überresten verstorbener Familienmitglieder die letzte Ehre, indem sie behutsam die Knochen und Füße mit ihrem Rüssel berühren. Es wurde auch schon beobachtet, dass Familienmitglieder ein wenig staubige Erde mit ihrem Rüssel aufnehmen und über dem Kadaver verteilen. Wir sind sichtlich betroffen. Elefanten sind doch meine Lieblingstiere. Elefanten sind sehr intelligent und einfühlsam. Warum streiten sich an diesem Kadaver keine Geier, keine Hyänen oder ein anderes Raubtier – oder steht Elefantenfleisch nicht auf ihrem Speisezettel? Der Himmel ist noch grau und passt damit auch zu unserer Stimmung. Ein Cheetah (Gepard), das schnellste Tier der Welt, streift aufmerksam durch die Savanne. Was hat er vor? Er ist nur ein paar Meter von einer großen Büffelherde entfernt. Büffel haben oft eine unfassbar schlechte Laune. Es sind immer die ältesten Bullen der Herde mit denen nicht zu spaßen ist. Das haben wir mit May-Britt 1970 im Engorongoro- Krater miterleben dürfen. Wenn die Büffel sich bedroht fühlen, dann fackeln sie nicht lange. Diese kräftigen, muskulösen Tiere haben oftmals über 40 Jahre auf dem Buckel, in denen sie sich gegen Raubkatzen und Hyänen behaupten mussten. Der Gepard schleicht sich immer näher an die Büffelherde heran und schnüffelt an dem im Gras liegenden Kot. Es ist wohl sein Anliegen, ein kleines Büffelkalb von der Herde abzudrängen. Es wird spannen! Dann aber wird es den stärksten Büffel zu viel. Sie entscheiden sich für den „fight“ und stürmen mit hoher Geschwindigkeit und gesenktem Kopf auf den Gepard zu. Ihm bleibt nur die Flucht und wir müssen aufpassen, dass die Büffel vor lauter Wut nicht unseren Kleinbus angreifen. Unser Guide gibt Gas und wir fahren zum nächsten Abendteuer. Leider gibt es keinen warmen Sonnenuntergang, die Luft kühlt sich rasch ab und trotzdem stehen wir schauend im offenen Wagen. Und noch jemand zu für den heutigen Abend einen Leckerbissen. Eine große Löwin, wir nehmen an, dass es die gleiche Löwin von heute Morgen mit ihrem Nachwuchs ist, schleicht sich an ein einsam stehendes Zebra ran. Der Angriff ging so schnell, dass unsere Augen so schnell verfolgen konnten. Das Zebra liegt im hohen Gras, strampelt noch mit den Beinen, die Löwin daneben atmet schwer. Aber nach ein paar Minuten ist alles vorbei. Die Löwin hat jetzt genug für ihren Nachwuchs. Die Löwin schaut zu uns hoch, als wollte sie sagen: „So jagt man. Ich habe es von meiner Mutter gelernt.“ Wir entfernen uns und ich denke mit was haben wir nur für eine aufragende, packende Pirschfahrt erlebt. Beim Aussteigen vor unserer Loge sage ich zu unserem Aufmerksamen Fahrer „asante sana, Hussan, good night“.

Die Eindrücke des Tages waren so vielseitig und begeisternd, dass wir nach dem Abendessen mit einem Glas Wein in der Hand auf der Terrasse unter dem samtschwarzen Himmel den Tag ausklingen lassen. An der beleuchteten Tränke erscheinen nach und nach erst ein Breitmalnashorn, dann ein wunderschöner stolzer Kudu, aber als Elefanten erscheinen entsteht unter den anderen Tieren eine gewisse Unruhe. Es ist spät geworden. Wir legen uns schlafen und träumen- vielleicht von den Big Five? Elefant, Nashorn, Büffel, Leopard und Löwe.

Tsavo-Nationalpark- West

Heute Morgen brechen wir auf zu unserer Übernachtung im Zavo-West Nationalpark. Etwa zwei Stunden nach Verlassen der Amboseli-Lodge gelangen wir in den Zavopark. Landschaftlich auch beeindruckend ist ein erkalteter Lavastrom, der sich kilometerlang durch den Westpark zieht. Hier machen wir eine kleine Pause. Leo und ich gehen wie vor zwölf Jahren auf Entdeckersuche. Finden wir vielleicht heute ein besonderes Fossil aus Urzeiten? Flächenmäßig ist der Zavo-Nationalpark der größte Kenias. Im Landschaftsbild überwiegen Baum- und Buschbestandene Flächen mit zu dieser Jahreszeit trockenem Graswuchs. Durch Jahre extremer Trockenheit, häufiger Buschfeuer und die wachsende Zahl von Elefanten, hat sich der ursprüngliche Akazienwald gebietsweise in mehr oder minder offenes Busch- und Grasland verwandelt.  Wir begegnen, wir ich es mir gewünscht habe, einer Herde Elefanten, die sich mit den roten Lateritboden zu Schutz gegen Sonne und Ungeziefer beworfen haben. Sie bewegen sich langsam durch das hohe Steppengras. Diese Elefantengruppe vor einer ausladenden Schirmakazie und im Hintergrund der Dunstschleier des hügeligen Geländes zu fotografieren macht echt Freude. Am gegenüberliegenden Ufer eines kleinen Sees nähert sich eine Herde Zebras. Einen Moment lang stehen sie regungslos da, blicken sich um und trotten dann mit gesenktem Kopf zum Wasser, um zu trinken, während der Hengst Wache hängt und mit dem Schwanz nach unsichtbaren Fliegen schlägt. Keine Brise stört diese Hitze, die vom Boden aufsteigt. Von dornigen Baumwipfeln erklingt der lautstarke Chor der Zikaden.

Wir fahren die endlos erscheinende, kerzengrade, rote Pad entlang, vorbei an riesigen Termitenhügeln. Wir nähern uns unserem nächsten Ziel, der Salt-Lick-Game-Lodge. Grau-weiß gestrichene Rundbungalows mit einem Strohdach stehen auf sehr hohen Baumstämmen, so dass die Wildtiere auf ihren Wanderungen nicht gestört werden. Eine hölzerne Hängebrücke verbindet die Bungalows mit dem Restaurant. Diese Lodge wird von der Hilton-Group geführt. Es ist eine Super-Lodge. Überall sind Schilder aufgebracht mit der Aufschrift: „silence“. Wir beziehen unser geschmackvoll, apartes Zimmer mit Blick auf die künstlich angelegte Tiertränke. Die Bettwäsche ist hellblau wie der Himmel. Eine kleine Stickerei eines Elefanten lächelt mich am oberen Rand des Kopfkissens an. Diese Bettwäsche gefällt mir so gut, dass ich sie am liebsten mit nach Hause nehmen würde. Im Restaurant, wunderschön im afrikanischen Stil eingerichtet, nehmen wir unser Mittagessen ein. Ach, ist das gemütlich hier, tagelang könnte ich Urlaub machen. Am späten Nachmittag fahren wir hinaus in die Grassavanne. Eine große Elefantenherde von ungefähr 20 Elefanten mit ihren Jungtieren trabt durch das sonnenverbrannte Gras. Reißen ganze Bäume aus ihren Wurzeln. Was ist los? Warum zerstören sie ihre Blätternahrung? Sind sie nervös? Oder haben sie nur ihre Kräfte ausprobieren wollen. Es sind keine großen Bäume. Zwei Marabus stehen aufrecht neben einem Tierkadaver. Haben sie keinen Hunger? Oder stören wir sie? Impalas grasen auf der weiten Ebene. Eine Jinstar Katze schleicht aufmerksam an Dornenbüschen voran. Raubkatzen lassen sich nirgendwo erblicken. Es wird nicht mehr lange dauern, dass sie ihre Verstecke verlassen, um ihren Hunger zu stillen. Im letzten Abendlicht galoppiert mit schnellen, langen Schritten eine kleine Giraffenherde zwischen den Schirmakazien. Sind die Raubtiere doch schon aktiv?

Nach dem Abendessen wollen wir noch für einen Beobachtungsblick, zwar überdacht, auf die beleuchtete Tiertränke machen, aber dafür ist uns heute Abend zu kühl geworden. Wir bleiben noch eine Weile in der gemütlichen Lounge sitzen und unterhalten uns mit Gästen. Schade, dass unsere Safari durch die Wildnis und Natur langsam zu Ende geht. Wir haben wirklich viel gesehen, gehört, gerochen und alles intensiv spüren können. Es war Afrika-Feeling pur. Morgen fahren wir nach Mombasa und jedes Ehepaar in sein gebuchtes Hotel am feinen Sandstrand des Indischen Ozeans. Da ich wieder nicht einschlafen kann, trotz der schönen Bettwäsche, hier in der Salt-Lick-Lodge, entspanne ich mich auf einem bequemen Stuhl und schaue gespannt aus dem Fenster auf die beleuchtete Tiertränke. Ob sich heute Nacht Elefanten dieser Tränke nähern, um ihren Durst zu stillen? Lange sitze und schaue ich, aber kein einziges Tier lässt sich blicken. Ich beginne zu zittern und friere, husche in das himmelblaue Bett. Leo schläft, schnarcht und träumt.

Morgendämmerung

Halb ausgeschlafen gehe ich zum Fenster. Vielleicht tut sich ja jetzt etwas an der Tränke. Leider gähnende Leere. Auf dem Weg zum Restaurant zwitschern unzählige Vögel ihren morgendlichen Gruß. Ein Zebra ruft in der Ferne. Nach dem köstlichen Frühstück mit vielen exotischen Früchten verlassen wir diese wunderschöne Lodge und fahren in Richtung Mombasa. Überraschenderweise ist hier in Mombasa, der wichtigsten Hafenstadt an der Ostküste Afrikas, eine Stadtführung vorgesehen. Von unserem aufmerksamen, freundlichen, kompetenten Safarifahrer verabschieden wir uns. „Asante Sana Mister Hussan. Good bye“.

Mombasa

Wir lassen uns gefangen nehmen von dem bunten, afrikanischen Treiben, dieser lebendigen Hafenstadt. Vorbei an den überdimensionalen, stilisierten Elefantenzähnen in der Moi-Avenue, die zum Wahrzeichen der Stadt Mombasa geworden sind. Unser Spaziergang führt uns weiter in die Altstadt. In dem Gewirr der engen, und winkligen Gassen fotografieren wir alte arabische Häuser mit schön geschnitzten Türumrandungen und durchbrochenen Balkonen, dazwischen aufragende Minarette, alter Moscheen. Uns fällt, so könnte man sagen, das „babylonische“ Völkergemisch aus Afrikanern, Arabern, Asiaten und Europäern auf. Von der Altstadt geht es weiter zum Dhaus Hafen, der heutzutage kaum noch wirtschaftliche Bedeutung hat, wegen seiner geringen Wassertiefe. Darum wurde im Westen der Insel ein moderner Überseehafen ausgebaut. Die wenigen Dhaus (arabische Segelschiffe), Symbole für Abenteuer unter dem Kreuze des Südens, wie vor 2000 Jahren dümpeln im dunklen Wasser. Jetzt sind wir gespannt, was die Stadtführerin uns zu „Fort Jesus“, eine prächtige portugiesische Festungsanlage aus dem Jahre 1593 mit dem zweitgrößten Museum Kenias zu sagen hat. Das Museum birgt eine umfangreiche Ausstellung über Kultur, Architektur und Geschichte der Küste. Das Fort diente den Portugiesen als Stützpunkt in der Indienfahrt und zum Schutz vor Arabern. Im 16., 17. Und 18. Jahrhundert gelangt das Fort in die Hände des Sultans vom Oman und Sansibar. 1875 bombardierten die Engländer die Anlage und von 1895 bis 1958 dienten die Mauern als britisches Staatsgefängnis.

Mit einem kleinen Einblick in die Geschichte dieser Stadt verabschieden wir uns von unserer Stadtführerin und machen uns auf den Weg zum Hotel, um unsere deponierten Koffer für den ersehnten Strandurlaub am indischen Ozean abzuholen. Die Tui Leitung hat die Fahrzeuge für die verschiedenen Hotels besorgt. Mit der Autofähre durch den schmalen Likoniwasserdamm erreichen wir das Festland. Mombasa liegt auf einem Korallenfelsen.